Gegen Gigantomanie: Haldern-Pop bleibt sich treu
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 31.07.2007 - 15:03Düsseldorf (RP). Die Festival-Klassiker der Nation werfen mit immer neuen Gigantomanien um sich. Das Halderner Open Air vom 2. bis 4. August geht in diesem Jahr einen Schritt zurück - und deshalb nach vorne.
Vielleicht war es der Blick in die eigene Festivalgeschichte, in der bisher noch ein jedes Plakat des Haldern Pop Festivals mit musikalischen Sensationen aufwartete. Vielleicht war es der Blick über den Tellerrand, wo Festivals scharenweise aus dem Boden schossen, die dortigen Künstler aber höchst austauschbar waren. Das Haldern Pop-Organisationsteam entschloss sich jedenfalls, zum Festival 2007 auf die ganz großen Headliner zu verzichten. "Die Bewertung unseres Line Ups sollte nach dem Festival folgen", sagt Organisator Stefan Reichmann.
Auf einer Reitwiese, wo sich jenseits der drei Augusttage Pferde im Springreiten duellieren, sollen nur die ganz jungen Fohlen und gealterte Stuten auftreten. Nur solche, von denen das Team glaubt, dass sie neben musikalischer Qualität auch einen Eindruck von der Schönheit des Unaufgeregten vermitteln können.
5000 Zuschauer werden kommen und hoffen, dass sich für die Künstler die alte Regel bewahrheitet: "Nach Haldern Pop kannst du groß werden." Es gibt reichlich Anlass zur Hoffnung, dass sich auch die 24. Auflage von Haldern Pop nachhaltig in den Ohren etabliert. Da ist zum Beispiel die Band The Magic Numbers. Vor zwei Jahren gab das Geschwisterquartett im kleinen Spiegelzelt neben der Hauptbühne vormittags ein aufregendes Konzert. Die wenigen Menschen, die sich damals aus ihren Iglu-Zelten hatten pellen können, sahen nachher glücklicher aus.
Zwei alte Haudegen kommen
Mittlerweile sind die Magic Numbers einer der Hauptakteure des Festivals, spielen am Freitag zur Festival-Prime-Time. "Headliner" werden sie jedoch noch lange nicht genannt. Auch nicht Spiritualized und die Waterboys, zwei dieser alten Haudegen-Bands, deren Präsenz auf dem Festival-Plakat viele Haldern-Stammgäste überraschte. Auch das ist Haldern-Philosophie: Pferde aus dem Stall lassen, die anderswo längst schon ein einsames Dasein auf der Wiese fristen müssten. In Gegenwart von jungen Bands muss man zu Hochform auflaufen. Am Samstag sieht das Finale der drei Tage in Haldern Höhepunkte vor. Es kommen die schwedischen Shout Out Louds, die mit ihrem mitreißenden Entwurf von Popmusik jeden Kegelabend zum swingen bringen würden. Und dann ist da noch Jan Delay, dessen Auftritt im Internetforum für Diskussionen sorgte. "Dürfen die das?", fragte man mit Verweis auf die stetige Haldern-Philosophie, nur Bands des Gegenmainstreams zu verpflichten. Die Haldern-Historie beweist: Die dürfen das.
Wer einen Blick aufs die Details wirft, wird eine Menge Musik entdecken, die andere nicht sehen wollen, weil sie auf dem Zeltplatz rund ums Festivalgelände Würste grillen. Die Band Tunng etwa oder The Drones aus Australien, die wie die unehelichen Söhne von Neil Young und Mick Jagger klingen.
Die Idee hinter all dem heißt "klein bleiben". Wagnisse sollen keine Frage von finanziellem Risiko sondern von konzeptioneller Gestaltung sein: In diesem Jahr heißt das Wagnis, auf einen alle vereinenden Headliner zu verzichten. In Haldern heißt eine Philosophie: "Ein gutes Festival ist Teamarbeit." In diesem Jahr muss es heißen: "Der Headliner sind wir alle."
Karten für das Festival (2. bis 4. August) gibt es für 55 Euro an den üblichen Vorverkaufsstellen. Am einfachsten sind die Tickets natürlich über das Internet zu ordern www.haldern-pop.de
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