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Neues Album von Helene Fischer
Gute Laune de luxe

Helene Fischer meldet sich zurück mit neuem Album
Schlager-Star Helene Fischer meldet sich mit einem neuen Album zurück. FOTO: dpa, wok sab scg
Düsseldorf. Nach dreieinhalb Jahren legt Helene Fischer den Nachfolger ihres Erfolgsalbums "Farbenspiel" vor. Der neuen Platte fehlt der Megahit, sie liefert aber bewährten Schlagerpop. Nur greifbarer wird Fischer nicht. Von Jörg Isringhaus

Wenn düstere Wolken mal wieder den Himmel verdunkeln, die tägliche Mühsal tonnenschwer auf die Laune drückt, das Leben generell unerträglich nervt, dann schiebt der Alltagsmüde einfach eine CD in den Ghettoblaster - Helene Fischers gestern erschienenes, nach ihr benanntes Doppelalbum zum Beispiel.

Verflogen, vom pulsierenden Elektro-Sound sofort weggeblasen sind Kummer und Sorgen, es wird getanzt, gelacht, gefeiert, bis der Arzt kommt oder der Akku streikt. Nichts gegen zu sagen. Muss man aber mögen. Helene Fischer mögen Millionen, und daher darf man getrost davon ausgehen, dass die Republik in den nächsten Wochen eine fröhlichere sein wird.

Helene Fischer hält Hof im ISS Dome FOTO: Christoph Reichwein

Dreieinhalb Jahre mussten sich die Fans bis zum neuen Album gedulden. Eine Zeit, in der sich die 32-Jährige vom Hoffnungsträger zum Superstar des Schlagers entwickelte. Ihr letztes Album "Farbenspiel" hält sich seit der Veröffentlichung in den Charts, erreichte zwei Jahre hintereinander die Nummer eins und lieferte mit "Atemlos durch die Nacht" einen Megahit. Schwierig, nach einem solchen Erfolgs-Tsunami nachzulegen. Entsprechend stiegen Erwartungen und Ängste des Fischer-Vermarktungsapparats, ihr hochgezüchtetes Produkt könne die Fans enttäuschen. Maximal unnormal seien die vergangenen Monate gewesen, sagte Fischer selbst.

Dafür liefert sie nun auch maximalen Ertrag: 24 Lieder in der De-luxe-Version, was rund 80 Minuten Laufzeit entspricht. Mehr gute Laune am Stück geht nicht. Nur: Ein zweites "Atemlos" ist nicht dabei. Am ehesten besitzt wohl noch "Nur mit Dir" vergleichbares Hitpotenzial, möglicherweise auch "Achterbahn", das allerdings etwas langsam anläuft. Oder "Herzbeben" mit seinem pluckernden, tanzflächenkompatiblen Technobeat. Wobei es schwer fällt, Prognosen abzugeben, sind doch viele Songs ähnlich gestrickt, mit treibendem Rhythmus, Synthesizer-Fundament, eingängigen Refrains.

Dazwischen mal eine opulent instrumentierte ("Wenn du lachst"), mal eine intimere Ballade ("Die schönste Reise"). Sogar ein countryeskes Stück ("Dein Blick") hat es auf das Album geschafft - im Duett mit Gunter Gabriel hätte es sogar eine charmant selbstironische Note ins Spiel gebracht.

Fotos: Helene Fischer im sexy Outfit FOTO: dpa, soe vfd

Denn ein wenig Augenzwinkern hätte den Texten nicht geschadet. Inhaltlich geht es etwa um eine Überdosis Glück, Lust auf Meer, darum, die Welt aus den Angeln zu heben, die Träume zu leben, an jedem Ort zu Hause zu sein. "Wenn du lachst, ist es wie ein Sommermorgen", singt Fischer, und, an anderer Stelle, "nur du und ich und ein Lichtermeer". Das ist nicht nur retro, sondern vorgestrig.

Fischer transportiert in ihren Texten ein Gesellschaftsbild wie aus den 50ern; die Frau als duldsames Objekt, das nach Liebe sucht und einer männlichen Schulter zum Anlehnen. Auf "Farbenspiel" war das noch anders, da wagte Fischer zumindest andeutungsweise den Ausbruch aus Konventionen. Insofern passt das neue Album auch in eine Zeit des wachsenden Konservativismus.

"Die Helene Fischer Show" im ZDF FOTO: ZDF/Sandra Ludewig

Die Künstlerin selbst bleibt dabei als Mensch, als Person so blass wie eh und je. Beworben wird die neue Platte als Fenster zu Fischers Persönlichkeit, das nie gesehene Einblicke ermöglicht. Was ein Witz ist. Helene Fischer bleibt in jeder Sekunde ihrer Linie treu, Seele und Privatleben unter Verschluss zu halten - was ihr gutes Recht ist. Allerdings hat sie es wie kein zweiter deutscher Künstler perfektioniert, Projektionsfläche für die Träume, Wünsche und Hoffnungen ihrer Fans zu sein.

Jeder darf in ihr sehen, was er will; sie ist gleichberechtigtes Objekt für die ganze Familie. Nur das garantiert maximale Reichweite. Selbst ihre sexy Foto-Posen und Outfits wirken porentief rein, merkwürdig steril. Wie nicht von dieser Welt. Was, wenn man es recht betrachtet, kein schlechter Titel für einen Fischer-Song wäre.

Quelle: RP
 
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