Interview zur Deutschland-Tour: Helge Schneider - der popowackelnde Kakadu
VON DAS INTERVIEW FÜHRTE ANANDA MILZ - zuletzt aktualisiert: 08.12.2009 - 09:55Mülheim (RP). Mit seinem Norweger-Pulli in Kombination mit Parsleymuster-Foulard macht Helge Schneider den Eindruck, als konnte er sich garderobentechnisch nicht zwischen Holzhacken im Garten und Besuch einer akademischen Vortragsreihe entscheiden. Treffpunkt und Anlass waren dann doch anders: das Hotel Handelshof in Mülheim. Bei Schwarzwälderkirsch-Torte sprachen wir mit dem Komiker über seine neue Tour "Komm hier haste ne Mark!", die jetzt in Mülheim startet und ihn am 31. Januar in die Düsseldorfer Tonhalle führt.
Helge, haben Sie ne Mark für mich?
Helge Schneider Ich habe immer eine dabei. (Er zieht einen Schlüsselanhänger aus der Hosentasche.) Die Mark passt, soweit ich weiß, immer noch in den Einkaufswagen.
Aber ganz sicher sind Sie sich anscheinend auch nicht. Warum heißt denn die Tour nicht "Komm hier haste nen Euro!"
Schneider Das hört sich einfach nicht gut an. Da muss der Euro wohl erst noch ein bisschen älter werden. Außerdem ist es schade, dass es all die wohlklingenden Währungen nicht mehr gibt. Etwa Schillinge, Francs, Peseten oder Lire. Außerdem war es früher so schön, dass ich in Italien plötzlich immer so viel Geld in der Tasche hatte.
Dann geht es im aktuellen Programm also um Moneten?
Schneider Nein. Ich würde sagen, es geht um gar nix. Der Titel kann also nichts über den Inhalt verraten. Das ist so wie mit Lord oder Graf – diese Titel sagen ja auch nichts über den Inhalt, also die Person aus.
Aber einen neuen Titel haben Sie sich doch gerade selbst verpasst: "Der popowackelnde Kakadu der deutschen Popmusik". Hat das Inhalt?
Schneider Immerhin habe ich ein Lied dazu geschrieben: "Ich bin ein Kakadu und wackle mit dem Po dazu".
Neben Popowackeln gibt es generell viel Tierisches im Programm. Etwa den "Ackerfurchenaufstand" – ein Lied über einen Regenwurm.
Schneider Ja, das kann sein. Ich habe aber gerade ein paar Tage frei. Ich komponiere also nicht, ich backe im Moment Plätzchen. Und baue Lebkuchenhäuser. Dafür brauche ich 1000 Gramm Rübenkraut, Wasser, Backpulver, ein Ei – vor allem Eiweiß –, Lebkuchengewürz, einen Quirl . . .
Und haben Sie keine Angst um Ihre Musikerhände? Ich habe gelesen, dass diese durch das viele Synthesizer-Spielen bei den Proben für die neue Tour dünner geworden sein sollen.
Schneider Das kann nur eine Lüge sein. Ich habe stabile Finger. Ich bastle auch meine Möbel selbst und säge Holz. Ich habe auch keine Angst, dass ich mir mal nen Daumen dabei abschneide.
Haben Sie denn Ihre Hände oder wenigstens Ihren Popo versichern lassen?
Schneider Ich glaube, das ist in Deutschland nicht möglich. Aber es gibt ja zum Glück die Krankenversicherung.
Wie halten Sie sich sonst bei langen Tourneen fit?
Schneider Auf der Bühne durch viel Bewegung und Spaß. Und Denken hält mich fit.
Keine Angst vor Burnout?
Schneider Nun, ich übe ja nicht 16 Stunden am Tag Mozart. Und ich sitze auch nicht ständig am Computer, telefoniere oder hetze von einem Termin zum nächsten.
Ist Popowackeln ein gutes Rezept gegen Burnout?
Schneider Das beste.
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