Ein Mädchen namens "Dorrissey"
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 15.11.2007 - 12:09
Ein Spitzname ist wie eine Auszeichnung. Schließlich vergeben ihn andere. Deshalb konnte besonders stolz sein, wer nicht mit einer Namensspielerei bedacht wurde, sondern mit einem Prädikat. Mit einem Namen, der seinen Träger charakterisiert.
Ein Bekannter wurde zum Beispiel „Klasch“ genannt, eine deutsche Variante des Namens seiner ultimativen Lieblingsband: The Clash. So wäre ich auch gern genannt worden.
Aber es ging noch besser. Es gab damals einen Menschen, der den perfekten Spitznamen trug. Dieser Name verband ein Wortspiel und die größte Vorliebe des Getauften. Das Mädchen hieß Doris, und ihre Leidenschaft waren The Smiths und ihr Sänger Morrissey. Wir nannten Doris deshalb „Dorrissey“.
Dorrissey hatte alle Smiths-Veröffentlichungen seit „The world won't listen“ als erste: Singles, Maxis, LP. Sie kaufte sie bei „Ton&Technik“, das war unser Plattenladen. Sie war sehr glücklich nach diesen seltenen Kauferlebnissen. Aber als 1987 „Strangeways here we come“ erschien, war sie nicht glücklich. Denn jeder wusste, es ist die Abschiedsplatte der Smiths, das letzte Studioalbum. Die arme Dorrissey. Sie hörte "Strangeways" viele Male.
Ich habe Dorrissey schon lange nicht mehr gesehen. Sie soll jetzt in einer anderen Stadt leben. Vielleicht nennt man sie dort immer noch „Dorrissey“. Ich wünsche es ihr. Denn das ist der schönste Spitzname der Welt.
Mich nannte man „Holsten“.
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