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Holstein hört
Ekoplekz: "Intrusive Incidentalz Vol. I"
Holstein hört: Ekoplekz: "Intrusive Incidentalz Vol. I"
Ekoplekz "Intrusive Incidentalz Vol. I" passt sehr gut in die Zeit. FOTO: Label
Düsseldorf. Keine Platte hat mich in der letzten Zeit so fasziniert wie diese LP von Ekoplekz. Ich hatte schon die Vorgänger-Maxis des englischen Produzenten gekauft, ich fand sie gut und besonders, aber oft aufgelegt habe ich sie dann doch nicht. Von Philipp Holstein

Nun also „Intrusive Incidentalz Vol. I“. Darauf sind zwölf Instrumentals. Sie wechseln zwischen sadistisch und schön, das ist Noise, Nicht-Musik, Free-Jazz von Maschinen. Der Mann aus Bristol wirft zusammen, was er in frühem Industrial und Dub geklaut hat. Er macht daraus Hardcore für die Gegenwart, ich fühlte mich an Throbbing Gristle erinnert, an Aphex Twin, an Sachen also, die zwischen zwei Zeitaltern standen und neu waren oder zumindest so klangen.

Genau genommen also: an Punk. Ekoplekz schickt Geräusche durch den Verzerrer, er lässt die Effektgeräte dröhnen, blöken und rauschen, es fiept und pumpt, und manchmal erhebt sich aus dem Lärm eine Melodie. Die Wirkung der Platte ist eigenartig, es war zunächst alles ein bisschen zu viel, zu chaotisch.

Aber ich kehrte zurück, ich legte sie immer wieder auf, lernte die Stücke kennen, hörte hin und etwas heraus. Das Irritierende gibt den Stücken ihren Reiz, ich hörte und war gespannt. Als die LP Ende vergangenen Jahres erschien, war in englischen Rezensionen die Rede davon, dass sie zusammen mit dem aktuellen Album von PJ Harvey, „Let England Shake“, die passende Musik zur Zeit liefere. Jugend-Gangs lieferten sich Straßenschlachten, London brannte. Jedenfalls: Ekoplekz passt sehr gut in die Zeit.

Quelle: RP
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