"Elektroschock" - das beste Buch über Musik
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 08.11.2007 - 10:55Es gibt viele schlechte Bücher über Musik, deshalb muss man die wenigen guten loben und preisen und von den seltenen sehr guten schwärmen: Laurent Garniers Buch "Elektroschock" ist das beste Buch, das je über Musik geschrieben wurde. Über elektronische Musik, um genau zu sein, über elektronische Tanzmusik.
Laurent Garnier, das muss man wissen, ist einer der prominentesten DJs überhaupt. Er legte 1989, zu den Hochzeiten der Rave-Bewegung, in der Hacienda in Manchester auf, er produzierte mit "Crispy Bacon" und "The Man with the red Face" Über-Hits, und seit neuesten mischt er Jazz und House, und es klingt ziemlich gut.
In "Elektroschock" (Hannibal Verlag) beschreibt Garnier seine musikalische Sozialisation. Sein Vater war Schausteller, besaß ein Karussel, und deshalb kaufte er viele Platten, die der Sohn dann in seinem Zimmer spielte: Donna Summer, Chic, diese frühen Disco-Sachen.
Laurent Garnier zog von Frankreich nach England, lernte dort Koch, ging viel aus, und an einem Wochende des Jahres 1987 besuchte er zum ersten Mal eben jene Hacienda, um die herum Bands wie die Stone Roses, Happy Mondays und New Order entstanden. Dort spielte DJ Mike Pickering das Stück, auf das damals alle flogen: "Love can't turn around" von Jackmaster Farley Funk. Ein Hammer ist das Stück, ein früher House-Ausbruch mit harten Beats und viel Geschrei, ein Killer, ein Brett.
Laurent Garnier hört es und dachte: "Was ist das für ein Ding? Das ist heftig, das ist hart! Endlich bin ich auf der Tanzfläche, ich stimme in das Geschrei der anderen ein, werfe johlend meine Arme in die Luft, die Haare stehen mit zu Berge, ich bekomme Gänsehaut, meine Beine verknoten sich, während die Anlage der Hacienda LOVE CAN'T TURN AROUND herausbrüllt. Die Tänzer um mich herum zucken im Beat."
Da war es dann um ihn geschehen, Essig war's mit Kochwerden, DJ wollte er nun sein, und er wurde es auch. "Mir wurde klar, dass ich für ein Publikum auflegen wollte, ich wollte sehen, wie die Scheinwerfer über die Körper der Tanzenden huschen, das Knistern spüren, das langsam umschlägt in die totale Euphorie, wie nur Musik sie auslösen kann."
So muss man über Musik und Clubkultur schreiben, genau so. Tolles Buch, liebevoll umgesetzt, und bei jeder Gelegenheit gibt es eine Top 10 der Must-Have-Songs von portraitierten Labels, Discos, Stilrichtungen.
So, genau so.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







