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Holstein hört
Various Artists: "Shangaan Shake"
Holstein hört: Various Artists: "Shangaan Shake"
Der neue Sampler „Shangaan Shake“ verbindet nun Folklore mit Londoner Bass, Dub mit Techno. FOTO: Plattenfirma
Die Entwicklung des Londoner Labels Honest Jon’s in den vergangenen fünf Jahren ist interessant. Die Plattenfirma, an der auch Damon Albarn beteiligt ist, verlegte zunächst vor allem Weltmusik im besten Sinne, folkloristische Schätze aus Afrika und der Türkei; gerettet aus verstaubten Archiven, in denen Tonbänder und Schellack-Platten lagerten. Von Philipp Holstein

Allmählich wurden die Briten zu einer der besten Adressen für die elektronische Avantgarde der Gegenwart. Actress veröffentlicht dort, Shackleton & Pinch, Moritz von Oswald und Vladislav Delay. Zugleich erschienen immer wieder Sampler wie das Highlight aus 2010: „Shangaan Electro: New Wave Dance Music From South Africa“.

Darauf finden sich Stücke, die so schnell sind, dass man kaum dazu tanzen kann. 180 Beats Per Minute sind bei diesen halbsynthetischen Überwältigungen normal, Gute-Laune-Musik mit der Brechstange ist das, und nur mal zum Vergleich: Im Drum and Bass kommen die Tracks selten über 170 BPM hinaus.

Der neue Sampler „Shangaan Shake“ verbindet nun Folklore mit Londoner Bass, Dub mit Techno. Er versammelt auf zwei CDs die Remixe, die Hones Jon’s in den vergangenen Monaten einzeln auf Maxis Singles herausgebracht hat. Man findet das Who is Who der Tanzmusik auf der Achse Berlin-London-Chicago-Detroit: Peverelist, Anthony Shake Shakir, RP Boo, Actress, Rashad & Spinn.

Dabei fällt auf, dass die meisten Produzenten die hyperschnellen Vorlagen für europäische Ohren übersetzen. Keine Interpretation reicht an die Geschwindigkeit des Originals heran. Am besten gefallen mir die Bearbeitungen von Hype Williams, Mark Ernestus, Demdike Stare, Villalobos & Loderbauer und MMM. Ihre Versionen sind sehr dubbig, die Bässe schlurfen teils über zehn, zwölf Minuten schwerfällig dahin, und manchmal weht ein Vocal-Schnipsel aus dem Original herüber.

Jeder Remixer setzt aus den Bausteinen des „Shangaan“-Samplers ein eigenes Stück zusammen, er stempelt es neu. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen: die großartige und sensible Anverwandlung durch Oni Ayhun (dahinter verbirgt sich Olof Dreijer von The Knife) und – die größte Überraschung dieser tollen CD – die Version von Theo Parrish. Sie ist erstaunlich schnell, sehr nah am Original, und man erkennt kaum mehr den Trademark-Sound von Theo Parrish. Sehr spannende Veröffentlichung.

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