Eröffnungsplädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung: Jackson-Prozess: "Masturbation statt Märchenstunde"
zuletzt aktualisiert: 01.03.2005 - 08:16Santa Maria (rpo). "Aussage gegen Aussage" im Prozess gegen Michael Jackson wegen angeblichen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen: Die Staatsanwaltschaft wirft dem Pop-Star vor, einen damals 13-jährigen krebskranken Jungen mit Alkohol gefügig gemacht und zur gemeinsamen Masturbation gezwungen zu haben. Die Verteidigung hingegen versucht, der Mutter des Jungen die Glaubwürdigkeit abzusprechen.
Der Prozess gegen den 46-jährigen Sänger hat im Gerichtssaal von Santa Maria (Kalifornien) in der Nacht zu Dienstag (MEZ) begonnen. Die Mutter ist eine Hauptzeugin der Anklage. Der Hauptvertreter der Anklage, Staatsanwalt Tom Sneddon, sagte zu Beginn seines fast zweieinhalbstündigen Plädoyers, dass der heute 15-jährige Junge selbst im Zeugenstand aussagen werde. "Hier im Gericht, wenn die ganze Welt zuschaut", werde er "seine sexuellen Erlebnisse mit Michael Jackson beschreiben", kündigte Sneddon an. Die "Privatwelt" Michael Jacksons auf seiner "Neverland-Ranch" in der Nähe von Santa Maria bestehe nicht aus "Märchenstunden zur Bettzeit oder Diskussionen über Peter Pan", sondern der Popsänger spreche mit minderjährigen Jungen, die bei ihm übernachteten, "über Masturbation".
Die Verteidigung versuchte im ersten Teil ihres Eröffnungsplädoyers die Glaubwürdigkeit der Mutter des Jungen von zu untergraben. Diese habe ähnliche Anklagen schon in früheren Verfahren erhoben, um so zu Geld zu kommen. In der Vergangenheit hatte sich Jackson schon einmal nach öffentlich erhobenen Vorwürfen des Kindesmissbrauchs außergerichtlich mit einem angeblichen Opfer und seiner Familie auf die Zahlung einer Millionensumme geeinigt.
Bei dem Jungen und seiner Mutter handele es sich um "Nutznießer, die ganz bewusst Berühmtheiten aufs Korn nehmen, um zu Geld zu kommen", sagte Jacksons Hauptverteidiger Thomas Meserau nach einem Bericht der "Los Angeles Times".
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft soll Jackson nach der Ausstrahlung eines 2002 gedrehten britischen TV-Dokumentarfilms über seine Beziehungen zu Kindern wegen nachfolgender schlechter Darstellung in den Medien in Panik geraten sein. In dem Film hatte Jackson dem Journalisten Martin Bashir gegenüber seine "Pyjama-Parties" mit Kindern als völlig "unschuldig" und harmlos dargestellt.
Der jetzt 15-jährige Junge, der im Zentrum der Anklage steht, hatte während dieser Filmaufnahmen die Hand Jacksons gehalten und den Kopf auf seine Schulter gelegt. Später soll der Entertainer dann, so die Anklage weiter, den Jungen und seine Familie unter Androhungen gezwungen haben, in Florida einen Videofilm zu drehen, der Jacksons Verhalten gegenüber Kindern in einem positiven Licht darstellen sollte.
Der sexuelle Missbrauch, den auch der Bruder des Jungen bezeugen könne soll sich im Anschluss im Schlafzimmer des Pop-Stars ereignet haben, sagte der Staatsanwalt. Auf Jackson habe der Dokumentarfilm wie "ein Erdrutsch" gewirkt.
Im Falle einer Verurteilung durch die zwölfköpfige Geschworenenjury, unter der kein Afroamerikaner ist, drohen Jackson 20 Jahre Haft. Der Pop-Star hat die Vorwürfe immer vehement bestritten. Neben den sexuellen Übergriffen sollen Jackson und ein Komplize dem Jungen und seinem Bruder auch pornographische Filme vorgeführt und ihnen Alkohol in Softdrink-Dosen versteckt zu trinken gegeben haben.
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