Eine fast normale Familie: Jacksons Kinder wurden endlich entzaubert
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 08.07.2009 - 21:59Düsseldorf (RPO). Wenn Michael Jacksons Kinder zu seinen Lebzeiten auftraten, war das immer ein bisschen gespenstig: Man sah das Mädchen und die beiden Jungs in der Öffentlichkeit nur mit seltsamen Federmasken oder Tüchern verdeckt. Seit gestern kennt die Welt ihre Gesichter. Eines der vielen Mysterien des King of Pop wurde entzaubert. Und das kann für die Kinder nur gut sein.
Als Michael Jacksons Tochter Paris auf der Bühne im Staples Center über ihren verstorbenen Vater sprach, war sie einfach ein trauriges, elf Jahre altes Mädchen. Der Auftritt der drei Kinder brachte für die Zuschauer ein Stück Normalität in das Phänomen des „King of Pop“. Es machte die Ikone menschlicher. Natürlich ist es nicht normal, als Kind vor einem Millionenpublikum zu trauern. Aber was bedeutet Normalität überhaupt für die Kinder eines Michael Jackson?
Zu Lebzeiten ihres Vaters waren sie abgeschirmt vor der Außenwelt. Kein anderer Prominenter hat seine Kinder derart „geschützt“. Obwohl sein Stern in den vergangenen Jahren gesunken war und die Gefahr für die Sprößlinge anderer Stars aus dem Showgeschäft sicher größer war, machte Michael Jackson aus seinen drei Kindern fast Phantome. Natürlich weiß niemand, wie er ganz privat mit ihnen umging. Aber auch die Auftritte in der Öffentlichkeit spiegeln etwas von seinem Selbstverständnis wider.
Michael Jackson nährte durch die extreme Geheimniskrämerei die Neugier auf seine drei Kinder, die schon unter ungewöhnlichen Umständen in die Welt gesetzt wurden. Obwohl er noch ein Baby war, zeigte er seinen Sohn Prince Michael II. nur mit einem Handtuch über dem Kopf – und sorgte für einen Skandal, weil er ihn über eine Balkon-Brüstung hielt. Später liefen die drei mit Federmasken oder Tüchern über dem halben Körper in der Öffentlichkeit herum. Weniger auffällig geht es kaum noch. Die Kinder müssen sich vorgekommen sein, als wären sie auf der Flucht. Es war ein skurriles Versteckspiel.
Und nun, ausgerechnet beim Abschied von ihrem Vater, treten sie – zumindest für die Öffentlichkeit - aus dem Schatten des King of Pop. Sie hatten ihren Platz bei der Trauerfeier gefunden: Im Kreis der Familie. Nicht im Mittelpunkt, aber auch nicht verhüllt oder versteckt. Der zwölfjährige Michael Joseph Jr., bekannt als Prince Michael, und der siebenjährige Prince Michael II., genannt Blanket, kauen ungeniert Kaugummi wie andere Jungs. Die elfjährige Paris wirkte ein bisschen still und älter als sie ist, aber die Kinder machten keineswegs einen scheuen oder verstörten Eindruck.
Nach ihrer bewegenden Rede wird Paris von der Familie getröstet. Und vielleicht zum erstenmal überhaupt wirken die Jacksons wie eine relativ normale Familie. Nach den Szenen auf der Trauerfeier ist ihnen zuzutrauen, dass sie Paris, Prince Michael und Blanket eine halbwegs normale Kindheit ermöglichen können. Der erste Schritt wurde getan, indem aus den drei Mysterien Kinder wurden.
Alle Hintergründe zum Tod von Michael Jackson finden Sie hier in unserem Special.
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