Über 10.000 feierten in Oberhausen: "Juli" aus Hessen gewinnt Bundesvision Song Contest
zuletzt aktualisiert: 13.02.2005 - 16:56Oberhausen (rpo). Die Newcomer-Band "Juli" hat für Hessen den ersten "Bundesvision Song Contest" gewonnen. In dem von Moderator Stefan Raab initiierten Wettbewerb konnte die Gießener Pop-Combo um Sängerin Eva Briegel am Samstagabend in Oberhausen mit "Geile Zeit" beim Fernsehpublikum am meisten punkten.
Das junge Quintett zeigte sich danach so überrascht wie zufrieden: "Wir haben uns über unsere Chancen gar keine Gedanken gemacht." Initiator Raab fühlte sich nach der Premiere seines "Grand Prix der Bundesländer" in der Arena Oberhausen ebenfalls als Sieger. "Die Veranstaltung war musikalisch hochklassig", urteilte er. Und fügte grinsend hinzu: "Wer das Gegenteil behauptet, den verklag' ich."
16 Bands vertraten bei dem von ProSieben live übertragenen deutschen Musikwettbewerb ihr jeweiliges Bundesland, die Fernsehzuschauer durften dann per Telefon oder SMS nach der Methode des Eurovision Song Contest den Sieger küren. Mit einem Unterschied: Auch Stimmen fürs eigene Bundesland waren erlaubt. Das fruchtete gewaltig: Bis auf Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz belohnten alle Länder jeweils den eigenen Vertreter mit der höchstmöglichen Punktzahl zwölf. "Was ich nicht gedacht hätte: Dass die Bundesländer so eine starke Loyalität entwickeln", staunten auch Raab und seine Co-Moderatorin Annette Frier während der Punktevergabe immer wieder.
Unter den Teilnehmern waren neben den Siegern weitere bekannte Namen der Musikszene wie die zweitplatzierte Band Fettes Brot für Schleswig-Holstein, Ex-"No Angel" Sandy für Rheinland-Pfalz, der erfolgreiche Hiphop-Künstler Samy Deluxe für Hamburg oder auch DJ und Produzent Mousse T., der mit Sängerin Emma Lanford Niedersachsen vertrat. Der für provokative Texte bekannte Berliner Rapper Sido, der am Ende Platz drei belegte, nahm für den Contest gar seine Maske ab, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist.
Für andere Bundesländer gingen bislang weniger prominente Musiker an den Start, wie die Rockmusiker Slut aus Bayern, Klee aus dem Saarland oder der junge thüringische Rapper Clueso. Unfair sei das keineswegs, betonte Moderator Raab: "Das bringt so ein Wettbewerb einfach mit sich. Es können nicht alle gleich bekannt sein." Wichtig sei auch für die Unbekannteren, dass sie hier einer großen Öffentlichkeit ihre Musik präsentieren konnten: "Ich finde, deutsche Musik braucht so eine Plattform." Bei dem Wettbewerb war es für alle Künstler Pflicht, mindestens einen Teil ihres Beitrags auf deutsch zu singen.
Begeisterung für die De Randfichten
Unter den 10.000 Zuschauern, die das Ereignis live in der Halle verfolgten, waren die Fan-Gruppen der Bundesländer gut auszumachen. Sie jubelten den eigenen Vertretern lautstark zu und schwenkten kleine Landesfähnchen und große Transparente, spendeten aber auch reichlich Applaus für die anderen Bands.
Nur einer hatte es schwer: Der für Bremen antretende Schmusesänger Lukas Hilbert musste mit seiner Ballade "Warum kommt meine Liebe nicht bei dir an" anfangs gegen ein schrilles Pfeifkonzert ansingen, auch die Punkte der Länder für den Sänger wurden immer wieder mit Buh-Rufen und Pfiffen quittiert. "Es hat mir Spaß gemacht", kommentierte Hilbert dennoch seinen Auftritt.
Keine Buh-Rufe sondern regelrechte Begeisterungsstürme gab es hingegen für die sächsischen Vertreter "De Randfichten", die als Volksmusik-Band die Exoten des Teilnehmerfeldes waren. Zwischen Rock, HipHop und Reggae präsentierten sie ihren Stimmungs-Song "Jetzt geht die Party richtig los", wurden dafür mit tosendem Applaus belohnt und konnten sogar aus 14 von 16 Bundesländern Punkte einstreichen.
Parallelen zum europäischen Schlagerwettbewerb gab es am Samstagabend viele - von den kleinen Einspielfilmen zu jedem Teilnehmerland über die ähnliche Punktevergabe inklusive Schaltungen zu prominenten Länderpaten bis zu der Tatsache, dass der nächste Bundesvision Song Contest im Gewinnerland Hessen stattfinden soll. Die Vorentscheidung zum europäischen Wettbewerb will Raab allerdings nicht ersetzen, wie er beteuerte - zumal es für den Sieger hier nicht nötig sei, noch einmal woanders anzutreten: "Es gibt keine Veranstaltung, die vom Niveau her diese hier toppen könnte."
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