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Album der Woche
Julia Holter: "Have You In My Wilderness“

Album der Woche: Julia Holter: "Have You In My Wilderness“
FOTO: Domino/GoodToGo
Julia Holter macht sonnendurchflutete Musik, Synthesizer und Streicher halten sich angenehm im Hintergrund. Das ist Pop, aber nicht in dem Sinne, dass man nur auf den Refrain wartet, um mitzusingen. Von Philipp Holstein

Man darf auf gar keinen Fall im Internet nach Texten über die amerikanische Musikerin Julia Holter suchen. Man findet dann nämlich nur Informationen wie diese: dass Julia Holter sich für ihr Album "Tragedy" (2011) vom antiken Dichter Euripides inspirieren ließ. Dass sie das Album "Loud City Song" (2013) als Hommage an das 50er-Jahre-Muiscal "Gigi" angelegt hat. Und dass ihre Musik als "Hypnagogic Pop" zu klassifizieren sei: einem ziemlich neuen Genre, das Psychedelic mit Violonen-Wehmut und Synthie-Süßlichkeit verbindet und immer ein wenig nach Gewecktwerden von einer lauen Brise um vier Uhr morgens in L.A. klingt.

Ist sicher alles richtig, muss man aber nicht wissen, es steht ja doch bloß als Hürde zwischen Hörer und Musik. "Have You In My Wilderness" heißt die neue Platte von Julia Holter, und es ist ihre zugänglichste bisher, ihre schönste auch. Das ist sonnendurchflutete Musik von der Westküste, Synthesizer und Streicher halten sich angenehm im Hintergrund. Man muss sich nur mal das sacht angejazzte zweite Lied anhören, das "Silhouette" heißt. Holters Stimme malt Laute in die Luft, dazu gibt es zarte Percussion und ein bisschen Gitarre, und dann wird Holters glasklare Singstimme über das Ganze gemischt, und sie erzählt von einem Mann, der zu ihr schwimmen wollte, aber nicht ankam oder so, von etwas Traurigem und zugleich Schönem jedenfalls. Ein Lied, das man den ganzen Tag hören möchte.

Das ist Pop, aber nicht in dem Sinne, dass man nur auf den Refrain wartet, um mitzusingen. Die Atmosphäre ist diesig, nebelverhangen, eher Sonntagmorgen als Samstagabend. "Have You In My Wilderness" ist eine Platte, die an Alben aus den 70er Jahren erinnert, an "CSN" von Crosby, Stills & Nash vielleicht und auch an Fleetwood Mac, und das Allertollste überhaupt wäre es, wenn Julia Holter dereinst ein Duett mit Christine McVie aufnehmen würde, da schlösse sich dann ein Kreis.

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