100 Jahre Zarah Leander: "Kann denn Liebe Sünde sein?"
VON SIGRID SCHMITT U. HEIKO R. BLUM - zuletzt aktualisiert: 15.03.2007 - 10:28Düsseldorf (RPO). Wie Marlene Dietrich und Greta Garbo zog sie das Publikum in den Bann. Ihr Stil war unverwechselbar, ihre Altstimme, die ganze Frau. Sie klang bald melancholisch, bald kapriziös, verschleppte die Silben, gurrte das R. Sie hatte alles, was man brauchte, um ein Revue- und Operettenstar zu werden. Und doch überraschte ihr steiler Aufstieg. Denn Zarah Leander, die heute 100 Jahre alt geworden wäre, entsprach im Grunde so gar nicht dem nordischen Idealbild des Dritten Reichs, als dessen Ikone sie ihre Karriere begann.
Das "Fabelwesen auf der Mitte zwischen Mensch und Legende" (Ufa) wird am 15. März 1907 als Sara Stina Hedberg im schwedischen Karlstadt geboren. Sie spielt früh schon Klavier, hat mit sechs ihren ersten Gesangsauftritt, arbeitet als Verlagssekretärin. 17-jährig heiratet sie den Schauspieler Nils Leander. Von 1929 bis 1934 ist sie in Revuen und Operetten in Schweden engagiert, macht Tourneen durch Skandinavien, 1929 nimmt sie ihre erste Schallplatte in Schweden auf. Die ersten Filmrollen 1928 machen sie dort über Nacht berühmt.
Ihre Rollen - unvergesslich. In Detlef Sierks "Zu neuen Ufern" singt sie als deportierte Engländerin Gloria "Ich steh’ im Regen". In "La Habanera" schwärmt sie als Schwedin Astrée in Puerto Rico "Der Wind hat mir ein Lied erzählt". Im "Blaufuchs" fragt sie als Ungarin Ilona "Kann denn Liebe Sünde sein?". Und als Katharina Alexandrowna schluchzt sie im Tschaikowski-Film "Es war eine rauschende Ballnacht": "Nur nicht aus Liebe weinen".
Als die 29-jährige Zarah 1936 mit der Operette "Axel an der Himmelstür" im Theater an der Wien Erfolge feiert, engagiert sie die Gloria Filmgesellschaft für die Rolle der Carmen Daviot in Geza von Bolvarys Film "Premiere". Der Beginn ihrer UFA-Karriere. In Deutschland baut man sie zum Star auf, verpasst ihr ein Image, das der Nazi-Ideologie nicht entspricht. Im Film - zumindest anfangs - ist sie emanzipiert, hat einen Beruf, setzt sich gegen die Männer durch - und gegen das widrige Schicksal. Sie raucht, trinkt, ist ausgelassen bis verrucht.
Nach Kriegsbeginn wird das Frauenbild, das sie gibt, ein anderes, und in Filmen wie "Die große Liebe" lässt sie sich als deutsche Ikone ausstellen. Doch 1943, als sie die deutsche Staatsangehörigkeit ablehnt und sich weiter in Devisen statt in Mark bezahlen lässt, kommt es zum Bruch mit der UFA.
Nach Schweden zurückgekehrt, hat sie dort Auftrittsverbot, nach 1945 auch in Deutschland und Österreich. Erst 1949 geht sie wieder auf Tournee, spielt kleine Rollen - ein langer Abschied. Den Star in Pomp und Pose gibt es nicht mehr, am Ende stehen Kaffeefahrten. Am 23. Juni 1981 stirbt sie im Alter von 74 Jahren in Stockholm.
Ihre Stimme lebt weiter, ihre legendären Filme sieht man in Nachmittagssendungen, ihre Lieder hört man im Radio, Imitatoren und Kabarettisten holen sie aus der Versenkung - wie die Modeschöpfer, die sich von ihr inspirieren lassen.
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