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Weltstar Alicia Keys
Kein falsches Image, keine knappen Höschen
Alicia Keys - ein Talent macht Weltkarriere
Alicia Keys - ein Talent macht Weltkarriere FOTO: Nino Munoz
Düsseldorf. Alicia Keys ist es gelungen, einzig dank ihres musikalischen Talents eine Weltkarriere aufzubauen. Sie ist so damit beschäftigt, immer besser zu werden, dass sie keine Zeit hat, Trends hinterherzulaufen. Zum Glück gilt das auch für ihr neues Album. Von Gesa Evers

Es ist ein schmaler Grad zwischen Arroganz und Authentizität. Wer Alicia Keys (31) auf dem rund zweistündigen Video sieht, das sie anlässlich ihres neuen Albums "Girl On Fire" auf ihre Homepage gestellt hat, sieht eine Frau, die völlig verliebt ist in ihr eigenes Schaffen.

Ganz in schwarz gekleidet sitzt sie in ihrem New Yorker Studio vor einer Gruppe ausgesuchter Fans und Kollegen, die teilweise per Video zugeschaltete sind, und schwärmt von den Songs, die sie allesamt selbst geschrieben, komponiert und produziert hat, wenn auch in Zusammenarbeit mit Kollegen.

Es ist eine Begeisterung über das eigene Schaffen, die leicht befremdlich wirken könnte oder peinlich, so wie Dieter Bohlen, wenn er seine Erfolge aufzählt. Doch Keys’ Freude ist von einer derart kindlichen Aufrichtigkeit, dass man ihr den narzisstischen Anstrich des Vermarktungsfilms verzeiht. Sie sagt so oft „amazing“ und „incredible“, dass es schon drollig wirkt, und ihr fällt offenbar nicht auf, dass sie jeden Song mit den Worten ankündigt: „Das ist einer meiner Lieblingssongs.“

Sie wollte kein austauschbares Püppchen sein

Keys ist eine Sondererscheinung in der heutigen, von Frauen beherrschten Popbranche. Trotz Model-Gesicht und knackiger Kurven setzte sie von Anfang an einzig und allein auf ihr musikalisches Talent. Sie verließ ihre erste Plattenfirma Columbia, weil die aus ihr eines dieser austauschbaren Pop-Püppchen machen und ihre selbst geschriebenen Songs nicht nehmen wollte, und wechselte zum Hit-Mogul Clive Davis, der ihr völlige künstlerische Freiheit ließ.

Sein Vertrauen in sie legte die Basis für ihren Erfolg. "Du kannst Talent haben, aber wenn du nicht die richtigen Leute triffst, nützt es nicht viel. Andersrum funktioniert es: Du kannst kein Talent haben, dafür aber die richtigen Leute kennen und deinen Weg machen", sagt sie. Industrie-Produkte wie Britney Spears oder Rihanna beweisen, dass sie recht hat.

Mit 21 Jahren veröffentlichte die gebürtige New Yorkerin, die einen sicheren Platz an der Columbia University zugunsten der Musik sausen ließ, ihr Debütalbum „Songs In A Minor“ und schaffte damit eines der wichtigsten R’n’B-Alben der vergangenen 20 Jahre.

Die erste Single, „Fallin’“, ein leises, langsames Pianostück, wurde ein Welthit und gab den musikalischen Stil der Halbjamaicanerin vor: Keys ist eine Art weibliche Wiedergängerin von Stevie Wonder, sie sitzt am Klavier, komponiert, singt und schafft zeitlos gute Musik. Kein Wunder, dass sie einen gemeinsamen Auftritt mit Wonder als eines der schönsten Erlebnisse ihrer Karriere bezeichnet.

Ohne ausgedachtes Image, ohne knappe Höschen

Sie reagiert gereizt, wenn man ihren Erfolg mit etwas anderem zu erklären versucht als ihrer Musik. Sie spielt seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier, sie wuchs im ruppigen New Yorker Viertel Hell’s Kitchen als Tochter einer alleinerziehenden Mutter mit wenig Geld auf, sie ackerte in der Schule und übte jede freie Minute an ihrem Lieblingsinstrument.

Wegen guter Noten schloss sie vorzeitig die Highschool ab, doch da hatte sie sich längst für ihre Leidenschaft Musik entschieden. "Ich komponiere meine Songs, ich schreibe die Texte, ich spiele Klavier und ich singe dazu", sagt sie bestimmt und verzweifelt an den "Mädchen, die alles zeigen, was sie haben, um Erfolg zu haben. Weil Männer ihnen eintrichtern, dass sie dadurch berühmt werden. Aber die irren sich".

Elf Jahre nach ihrem Debüt hat Alicia Keys, die seit 2008 mit dem Produzenten Swizz Beatz verheiratet und Mutter eines zweijährigen Sohnes ist, rund 30 Millionen Platten verkauft und 14 Grammys gewonnen. Sie beweist, dass es ohne ausgedachtes Image, ohne knappe Höschen, ohne schlüpfrige Texte und Auftritte geht. Ihre Inspiration ist ihr Leben, ihre neuen Erfahrungen als Mutter, als Ehefrau, als jemand, der, wie sie sagt, sich keine Grenzen mehr setzten lässt, von niemandem.

Jeder ihrer Songs ist ihr Baby, ihr Werk, an dem sie teilweise Wochen lang arbeitet und bisweilen verzweifelt. „Komponieren ist kein lustiger Job: im Gegenteil, es ist oft frustrierend.“ So ist auch ihre überbordende Begeisterung für das neue Album zu erklären.

Sie ist keine bloße Empfängerin fremder Ideen wie etwa Rihanna. Sie ist die Schöpferin ihrer eigenen Kunst, sie steht vor ihrer Musik wie ein Maler vor seinem Gemälde. Ein bisschen Arroganz ist da durchaus erlaubt.

Quelle: csr/csi/sap
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