Neue CD "Hellblau": Kim Frank kehrt zurück - echt
VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 05.03.2007 - 15:33Düsseldorf (RP). Er brach hunderten von Frauen das Herz und verjubelte sein Vermögen: der Ex-Sänger der Teenie-Band Echt versucht einen Neuanfang als Solo-Künstler. Mit 24 hofft er auf eine zweite Chance - nach einem Leben auf der Überholspur.
Hamburg Babys lieben hellblau. Kim Frank auch. Echt. "Hellblau" heißt das Album, mit dem der Sänger es wieder wagen will, drei Jahre nach dem Split seiner Band Echt. Hellblau steht für den Moment, in dem alle Sorgen verfliegen, schreibt der 24-Jährige, und dass er nicht mehr genau wüsste, wann dieser Moment gekommen war. Nur, dass er die schlechten Zeiten durchschritten habe. Denn Kim Frank war einmal sehr berühmt, sehr reich und sehr begehrt. Ein Popstar. Farblich gesprochen: goldgelb. Mit Fans, die bei seinem Anblick ähnlich ausrasteten wie heute bei Tokio Hotel.
Als das vorbei war, wurde Frank sehr unbekannt, sehr arm und sehr einsam. Mausgrau sozusagen. Mit dem neuen Album, das seit gestern auf dem Markt ist, wagt er nun den Schuss ins Hellblaue. Dabei sieht Kim Frank gar nicht aus wie ein Draufgänger, wie einer, der große Risiken eingeht. Eher wie ein Bohemian, mit seinem traurigen Blick und den nachlässig gescheitelten Haaren. "Man möchte ihn beschützen, obwohl er ein Springinsfeld ist", beschrieb Regisseur Leander Haußmann Franks Wesen.
Ein Leben als Rockstar
Tatsächlich führt das unschuldig wirkende Antlitz auf eine falsche Fährte, hat der Musiker wenig anbrennen lassen während seiner Karriere. Hunderte von Frauen habe er verführt, erzählte er in einem Interview, eben ein Rockstarleben geführt. Was Frank allerdings schadete, war sein unkontrollierter Umgang mit Geld. Stets das Beste musste es sein für den Jungen aus einfachen Verhältnissen, der dank mehr als 1,5 Millionen verkaufter CDs plötzlich über üppige Mittel verfügte. "Die eine Hälfte des Geldes habe ich an der Börse verzockt, die andere verlebt", gestand er der "Bild".
Am Ende ermittelte das Finanzamt wegen angeblicher Steuerhinterziehung gegen ihn; es geht wohl um rund 40.000 Euro wegen nicht abgeführter Einnahmen aus Tantiemen. Laut Kim Frank ein Versehen seines Steuerberaters, das er per Ratenzahlung begleichen wolle. Momentan reicht es kaum noch für die Miete: Der Sänger wohnt bei einem Freund in Hamburg, plant von dort akribisch sein Comeback, überwachte jede Pause der Produktion seines Soloalbums. Nichts darf schiefgehen bei dieser zweiten Chance - denn eine dritte wird es vielleicht nicht mehr geben.
Dass seine Karriere einmal derart in den Sinkflug geraten würde, hat sich Frank vor ein paar Jahren auch nicht träumen lassen. Als 15-Jähriger schaffte er mit seiner Schülerband Echt den Sprung von der Aula in die Konzerthallen; mit den Hits "Du trägst keine Liebe in dir" und "Weinst du"“ kam 1999 der bundesweite Durchbruch. Vor allem Sänger Kim lagen die - meist weiblichen - Fans zu Füßen, vergleichbar mit Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Weil das zweite Album "Recorder" floppte, geriet die Band in eine Krise, die 2002 in die Auflösung mündete.
Frank zog sich mit seiner Freundin in ein Haus an der Ostsee zurück; vier Monate später war auch diese Beziehung am Ende. Die Welt des jungen Musikers brach damit endgültig zusammen. Wochenlang litt er unter starken Magenschmerzen, floh schließlich nach Japan zu einem Freund, versuchte, sein altes Leben hinter sich zu lassen. Das gelang, wenn auch mühsam. Frank nahm eine Rolle im Film "NVA" an, unter der Regie von Leander Haußmann. Und er realisierte, was ihm am meisten bedeutet: die Musik. Alle Bemühungen, Echt wieder zusammenzubringen, scheiterten - Frank erkannte, dass er alleine ran muss.
"Um das zu machen, was mich wirklich berührt", schreibt er auf seiner Homepage, "deutschsprachigen Gitarrenpop". Frank sortierte seine Songs. Und fühlt sich seither wieder so zufrieden wie ein Baby, mit anderen Worten: hellblau.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






