Schreibt die Diva Pop-Geschichte?: Lady Gaga geht's ums Geld
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 01.12.2009 - 08:37Düsseldorf (RP). Auf ihrer Debütsingle erklärte Lady Gaga, dass sie nur unser Geld will. Mit dem Album „The Fame Monster“ zeigt sie, wie das geht. Jetzt entscheidet sich, ob diese Dame das Potenzial hat, eine Bewegung auszulösen, oder ob sie nur ein lukrativer Treppen-Gag der Pop-Geschichte ist.
Was soll man von einer Frau halten, die schon in ihrer Debütsingle „Pokerface“ offen legt, dass es ihr nur ums Geld geht: „Wie ein Mädchen im Casino/ Nehme ich Deine Kohle, bevor ich Dich ausspiele.“ Schon damals hatte Lady Gaga, 23-jährige Tochter von Dot.Com-Millionären, aufgewachsen auf der Upper West Side von Manhattan, ein gutes Gespür für das Musikgeschäft.
Ihr „Pokerface“, 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise erschienen, hat Lady Gaga reich beschenkt. Und dass sie jetzt so schnell ein zweites Album nachlegt, ist ein Signal an die Konkurrenz: Ich bin ein Star, schubst mich hier oben nicht runter.
Lady Gaga, bürgerlich Stefanie Joanne Angelina Germanotta, hat Sensationelles geschafft. Nach dem Durchbruch in Amerika und Europa war sie 31 Wochen in den Top 20 der deutschen Albumcharts, kürzlich sogar auf dem „Wetten,dass...?!“-Sofa von Thomas Gottschalk.
Jeden Tag eine Schlagzeile
Der Star-Kult um die Amerikanerin kommt zur rechten Zeit. Nach dem Tod von Michael Jackson erinnert sich die Musikindustrie, wie lukrativ das Geschäft mit einem Superstar sein kann. Doch die weiblichen Stars schwächeln: Rihanna, Beyoncé, Britney Spears, Madonna – alle nur noch Randspalten-Material.
Lady Gaga hingegen scheint das Bohei um ihre Person bisher gut zu verkraften. Ihr Schutzpanzer ist sie selbst. Indem Lady Gaga sagt, dass alles an ihr echt sei, dass sie komplett diese Kunstperson ist, kann sie den Hype überstehen. Und es lässt sie auch Spekulationen über ihr wahres Geschlecht als Mann erdulden. Man muss also zur Verteidigung der neuen Pop-Queen auch dies schreiben: Lady Gaga sein, bedeutet Arbeit. Jeden Tag eine Schlagzeile, das schaffen nur die emsigsten Pop-Malocher.
Ein Album erst hat Lady Gaga veröffentlicht – das gerät schnell in Vergessenheit. Der jetzt in den Regalen stehende Nachfolger „The Fame Monster“ ist nur ein Trick. Zum Dank an die Fans solle dieses Album zum fairen Preis erscheinen, versprach Lady Gaga. Das ist wohl mehr halbe Wahrheit als halber Preis.
Das Album erscheint in drei verschiedenen Formaten: als digitale Standard-Version mit acht neuen Songs, als Deluxe-Version, die neben den acht aktuellen Liedern auch das alte Album enthält, und – der Gipfel – als „Super Deluxe Collector’s Edition“ mit Bildband, Fanzines, 3D-Brillen, Papierpuppe, Puzzle, Bilderstrecke und (Wahnsinn!) einer Locke von Lady Gaga. Wenn die Frau es nicht schon längst ist: Spätestens „The Fame Monster“ wird sie zur Multimillionärin machen. Dabei sei sie früher ständig pleite gewesen, sagt Lady Gaga. Solche und andere Ängste habe sie mit den neuen Songs verarbeitet.
Gebete, Rilke, Beethoven
Im Interview mit der Bild-Zeitung offenbarte Frau Germanotta kürzlich außerdem dies: „Ich bete täglich. Ich lese jeden Tag Rilke. Ich verehre Beethoven.“ Dies ist die andere Seite von Lady Gaga, die eine clevere Frau zu sein schein. Sie spielt mir Reverenzen an die Popkultur. Schon mit 17 tauchte sie ins Szeneleben ein. Jeden Abend stand sie in den Clubs von New York City auf der Bühne. Sie sagt, sie fühle sich heute wie Andy Warhol, lebe in einer Art Factory. Ihren Arbeitsraum mit Klavier nennt sie „House of GaGa“ – eine Anspielung auf das Bauhaus.
Auch sonst erweist sie der (Fast)-Hochkultur eine Ehre: „Rock und Pop und Theater waren schon immer meine Welt. Als ich Queen und David Bowie entdeckte, machte das auch plötzlich vollkommen Sinn.“ Geschickt verbindet sie mit ihrer Musikmischung aus Dance und Pop den Mainstream mit ein klein wenig Subversion.
Und wie ist die Halbwertzeit des Phänomens Lady Gaga? Seit einiger Zeit bemessen Journalisten die Berühmtheit von Personen, indem sie die Trefferzahl bei Google nennen. Wer bei Google den Namen Lady Gaga eingibt, erhält 38 Millionen Einträge in 0,07 Sekunden. Noch viel besser allerdings kann man die Prominenz von Lady Gaga untersuchen, indem man bei Google einfach nur „Lady“ eingibt. Schon der zweite Treffer gilt dort der neuen Pop-Queen. Es wird nicht mehr lange dauern, bis sie auch den Wikipedia-Eintrag zum Wort „Lady“ ablöst, der noch vor ihr steht.
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