Popikone kündigt neue Songs an: Leonard Cohen - das Original wird 70
zuletzt aktualisiert: 21.09.2004 - 06:00Frankfurt/Main (rpo). Leonard Cohen ist das Original in der Popmusik. Sein erstes Album erschien 1968. Bereits damals war er nicht nur als Dichter und Schriftsteller, sondern auch als Songwriter bekannt. Am 21. September feiert Cohen seinen 70. Geburtstag und kündigt ein neues Album an - noch für dieses Jahr.
Seine "Suzanne" nahm eine nach nichts weniger als dem Sinn des Leben dürstende Gemeinde an die Hand und führte sie an die mystischen Ufer der Pop-Kultur - 1968 absolutes Neuland. In seiner Karriere veröffentlichte der Kanadier neun Gedichtbände, zwei Romane und 14 Alben, lebte mehrere Jahre auf einer griechischen Insel und von 1994 bis 1999 als Mönch in einem buddhistischen Kloster.
Seiner grüblerischen Kreativität ließ er zunächst in Gedichten ihren Lauf: Den Lyrikband "Let Us Compare Mythologies" veröffentlichte er 1956 noch als Student; 1961 erschien "The Spice Box Of Earth" und brachte ihm internationale Anerkennung als Lyriker. Mit "Flowers For Hitler" gelang es ihm 1964, mit Gedichten eine Kontroverse auszulösen; 1966 folgten "Parasites Of Heaven" mit Gedichten wie "Suzanne", die er kurz darauf vertonte. Sein erster Roman, "The Favorite Game", erschien bereits 1963; "Beautiful Losers" wurde 1966 von der Kritik als "Porträt des Künstlers als ein junger Jude in Montreal" gefeiert. "James Joyce ist nicht tot", schrieb der "Boston Globe". "Er lebt in Montreal unter dem Namen Cohen."
Mit 32 Jahren hatte sich Cohen also in der internationalen Literaturszene etabliert. Aber das Leben als Schriftsteller empfand er als zu bürgerlich. "Man neigt dazu, Dinge zu sammeln, wenn man einen Roman schreibt", sagte er 1988 dem Magazin "Musician". "Man braucht eine Frau in seinem Leben. Es ist nett, Kinder um sich zu haben, weil dann gibt es auch immer was zu essen. Es ist nett, einen Ort zu haben, der sauber und ordentlich ist. Ich hatte das alles und beschloss, Songwriter zu werden."
Cohen brach in Richtung Nashville auf, blieb aber in New York hängen. Er traf dort Judy Collins, die 1966 "Suzanne" und "Dress Rehearsal Rag" auf ihr Album "In My Life" aufnahm. Vom legendären CBS/Columbia-Talentsucher John Hammond - der unter anderen Bob Dylan und Bruce Springsteen entdeckte - bekam Cohen einen Plattenvertrag. Das erste Album "Songs Of Leonard Cohen" erschien im April 1968. In Europa war es - wie die meisten Nachfolger - wesentlich erfolgreicher als in Nordamerika.
Cohen etablierte mit seinen melancholischen Liedern die nachdenklichste Seite der Pop-Kultur. In einer Zeit, die Aufruhr und Rebellion in den Straßen der Großstädte erlebte, sang er von inneren Konflikten. Cohen war und blieb anders als alles um ihn herum. Die Cover von "Songs Of Love And Hate" und der in Paris eingespielten "Live Songs" (1972) wurden zu Ikonen wie das Porträt von Che Guevara.
Hollywood-Regisseur Robert Altman visualisierte Cohens Visionen 1971 in "McCabe And Mrs. Miller". 1977 versuchte Cohen dann vom intellektuellen Rand ins Herz der Popmusik vorzustoßen: "Death Of A Ladies Man" wurde von Phil Spector produziert. Die derzeit des Mordes angeklagte Produzentenlegende und Cohen kamen aber nicht miteinander zurecht. "Es war eine Katastrophe", lässt sich Cohen in der Biografie seiner offiziellen Webseite zitieren. "Alle Vocals sind von Proben, und Phil mischte sie heimlich unter dem Schutz bewaffneter Wächter ab. Ich hatte zu entscheiden, meine eigene Privatarmee anzuheuern und sie aus Sunset Boulevard herauszuholen oder es geschehen zu lassen. Ich ließ es geschehen."
Neues Album "Dear Heather" in Vorbereitung
1984 begab sich Cohen für das "Book Of Mercy" in religiöse Gefilde und befasste sich 1988 mit dem Album "The Future" und dem Song "Democracy". Ein noch in diesem Jahr von Judy Collins angekündigtes Album mit Cohen-Songs ist nach dieser ambitionierten Hymne benannt.
1994, zehn Jahre, nach dem selbst eingestandenen Scheitern mit Liedern über religiösen Meditationen, zog sich Cohen in ein Zen-Kloster auf dem Mt. Baldy bei Los Angeles zurück. Er kochte fortan für seinen Lehrer, Sasaki Roshi. Fünf Jahre später stieg "Jikan" ("Der Stille") wieder in die Welt hinab und veröffentlichte 2002 die mit Leanne Ungar und Sharon Robinson aufgenommenen "Ten New Songs". Nach seinem Geburtstag wird bei Columbia/Sony ein weiteres Album dieser drei Partner erscheinen: "Dear Heather", das mit einem von Cohen vertonten Gedicht von Lord Byron beginnt: "Go No More A-Roving".
Cohens Songs wurden von den unterschiedlichsten Künstlern interpretiert: R.E.M., Jennifer Warnes und Joe Cocker etwa veröffentlichten ihre Versionen von "First We Take Manhattan"; auf Tributalben wie "Tower Of Song" sangen Billy Joel, Sting, Elton John, Willie Nelson und Bono seine Lieder.
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