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Europatour-Start in Köln
Madonna in guter Form

Fotos: So war das Madonna-Konzert in Köln
Fotos: So war das Madonna-Konzert in Köln FOTO: dpa, obe
Düsseldorf. Pop-Superstar Madonna gab am Mittwochabend das erste ihrer beiden Konzerte in der Kölner Lanxess-Arena. Wir haben die Highlights zusammengefasst: Vier Bühnensets, unzählige Kostümwechsel und "True Blue" auf der Ukulele. Eine ausführliche Besprechung folgt im Laufe des Tages. Von Philipp Holstein

Wie war es? Sehr gut. Die Madonna-Konzerte der letzten Tournee hatten sich noch angefühlt wie Bootcamps in Nordkorea. Sie waren aggressiv, extrem anstrengend. Madonna schoss ständig mit einem Spielzeug-Gewehr auf Tänzer und ins Publikum. Auf dem Heimweg fühlte man sich ganz erledigt. Dagegen ging es jetzt liebevoll zu. Madonna war weniger konfrontativ, im Gegenteil: Man erlebte eine geradezu herzliche Künstlerin. Sie sprach viel mit ihren Fans, spielte viele Stücke vom aktuellen Album "Rebel Heart" und aus den frühen 80er Jahren. Auffällig: Die Phasen dazwischen, die 90er Jahre etwa, kamen fast gar nicht vor.

Wie war der Abend aufgebaut? Madonna betrat die Bühne erst sehr spät, um 22.15 Uhr. Ihr Set war in vier Teile geordnet. Der erste hatte etwas von "Game Of Thrones". Sie kämpfte gegen speerbewehrte Soldaten - und gewann. Der zweite spielte in einer Autowerkstatt und hatte 50er-Jahre-Flair: Straßenkreuzer, Rock 'n' Roll. Teil drei machte den Stierkampf zum Thema, und Teil vier war im Stil der 20er Jahre gehalten: Charlie Chaplin, "Großer Gatsby". Es gab kaum einen Moment der Ruhe, die Musik lief über mehr als zwei Stunden übergangslos. 14 Tänzer, sechs Musiker, eine gewaltige Videowand. Mit ihrer "Blonde Ambition"-Tournee hat Madonna 1990 die Maßstäbe gesetzt, nach denen ein Superstar-Konzert abzulaufen hat: ständige Kostümwechsel, Bassgewitter, sinnliches Bombardement. Sie hält sich noch immer daran.

Was waren die Höhepunkte? Madonna spielte kaum einen Song in der bekannten Version. sie veränderte vor allem die alten Hits. Sehr schön war "True Blue", das sie auf der Ukulele gab. Großartig auch "Like A Virgin": Madonna tanzte über die ganze Länge des Bühnen-Stegs, der herzförmig zulief. Zu "Material Girl" ließ sie die Bässe pumpen und trat als Braut mit Schleier auf. "La Vie En Rose" brachte sie auf der akustischen Gitarre. Eine Wiederentdeckung: "Deeper And Deeper", einer der wenigen Titel au den 90ern, hatte man fast vergessen, aber das ist immer noch ein tolles Lied.

Gab es Skandale? Zu den großen Themen von Madonna-Konzerten gehören Sexualität und Religion. In beiden Fällen gab sie sich zahmer als bei früheren Konzerten. Einmal benutzte sie ein Kreuz als Stange zum Tanzen. Es gab als Nonnen verkleidete Tänzerinnen und eine Bühnenkulisse zitierte das letzte Abendmahl. Gegen Ende bat sie einen Fan auf die Bühne. Als der sich sein T-Shirt auszog, um seinen Body zu präsentieren, zog sie seinen Gürtel aus der Hose und schlug ihn damit auf den Po. Der Mann hieß Alexander, und er schien es zu genießen.

Das Fazit? Ein großartiger Abend. Kraftvoll, amüsant, verblüffend. Madonna ist zurück, sie füllt die Lanxess-Arena an zwei Tagen hintereinander, 29.000 Fans werden sie in Köln erleben. Das schaffen derzeit nur Beyonce, Rihanna, Katy Perry und Taylor Swift. Die Zugabe "Holiday" gegen 0.30 Uhr war ein Triumphmarsch.

(RPO)
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