"Soldier Of Love": Neues Album: Sade ist zurück
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 04.02.2010 - 07:31Düsseldorf (RP). Früher gab es das Gerücht, sie sei eine afrikanische Prinzessin, und das mochte man gerne glauben. Helen Folasade Adu, die sich schlicht Sade nennt und in Wirklichkeit die Tochter eines nigerianischen Ökonomie-Professors und einer englischen Krankenschwester ist, hat etwas Märchenhaftes, ein Geheimnis. In ihren Songs "Smooth Operator" und "The Sweetest Taboo" glüht es dunkel und sehr verlockend.
50 Millionen Platten verkaufte sie seit 1984. Sie ist die erfolgreichste weibliche Solokünstlerin Großbritanniens, und gerade erst errechnete die "Sunday Times" ihr Vermögen: Es sollen 30 Millionen Pfund sein. Dabei war sie stets eine Abwesende, nur eine Tournee in all der Zeit, keine Klatschgeschichten, so gut wie nichts über Liebhaber oder Affären – die Öffentlichkeit weiß kaum etwas über Sade.
Morgen erscheint das neue Album der 51-Jährigen, die in den frühen 80er Jahren als Model begonnen hat und in London Mode studierte. "Soldier Of Love" ist ihre erste Veröffentlichung in zehn Jahren. Ihr Sound wurde sacht modernisiert, aber Sade bleibt die Sängerin der weiblichen Versehrtheit. Das Sehnende ist indes einem spöttischen Zug gewichen, das jungmädchenhaft Barfüßige dem gelassenen Glamour. Im aktuellen Video-Clip steht sie nicht mehr verlassen am Fenster wie einst. Sie tritt nun als Kriegerin auf.
Ihre Stimme ist etwas herber geworden. Das passt gut zu den präzise getexteten Liedern, in denen sie zu ehemals geliebten Männern spricht, dem perfekten Moment nachtrauert und über das von Herzblut aufgeweichte Schlachtfeld der Liebe streift.
Während sie auf der Vorgängerplatte "Lovers Rock" mit Reggae flirtete, spielt sie nun mit R'n'B, Northern Soul und in "Be That Easy" sogar mit Country-Elementen. Die Produktion ist exquisit. Das Titelstück fällt dabei ein wenig aus dem Rahmen, erinnert an den Hochglanz-Bombast auf den CDs von Beyoncé. Martialische Beats rhythmisieren den mächtigen Song, üppige Bässe geben ihm eine bei Sade bisher nicht gehörte Wucht, die jedoch allzu modisch wirkt. Immerhin hält der Gesang die Technik auf Abstand wie der Gute-Nacht-Kuss die bösen Geister.
Der Rest der Platte hat den feingliedrigen Swing, den Late-Night-Groove, der zum Trademark-Sound geworden ist. Man hört bei aller Reife von Ferne das leise Rauschen der New-Jazz-Welle, auf der vor 25 Jahren Künstler wie Working Week, Matt Bianco und eben Sade schwammen. Wie auf den frühen Meisterwerken "Diamond Life" von 1984 und "Promise" von 1985 ist die Instrumentierung puristisch: filigrane Percussion, hier und da ein Piano-Tupfer, der kontrollierte Aufschrei des Saxofons, dazu der gezupfte Bass. "Morning Bird" darf man als Höhepunkt dieses würdigen Comebacks bezeichnen. "I've lost the use of my." Klassisches Klavierspiel begleitet die aufgewühlte Stimme, das ist so elegant wie der Hit "No Ordinary Love" von 1992.
Damals pendelte Sade mit ihrem Ehemann, dem spanischen Regisseur Carlos Pliego, zwischen London und Madrid. Inzwischen lebt sie mit ihrer 13-jährigen Tochter Ila und einem anderen Mann in einem Dorf in Gloucestershire. Es geht ihr allem Anschein nach gut, und mehr Gewissheit braucht man eigentlich nicht.
Geheimnisse klingen schöner.
Die neuesten Nachrichten und Berichte aus Politik, Wirtschaft, Panorama, Sport,
Kultur, Gesellschaft, Wissenschaft, Multimedia, Auto,
Reise und Beruf - im Archiv auch gratis recherchierbar. Dazu die besten Bilder,
Live-Ticker, Kolumnen und Hintergrundberichte.






