Englisches Songwriting vom Feinsten: Nick Drake: Made to love magic
zuletzt aktualisiert: 11.08.2004 - 11:29Seit nunmehr dreißig Jahren ist der englische Songwriter Nick Drake tot, eine Compilation ist von denen, die ihm am nahesten standen, jetzt aufgelegt worden. Streiten werden sich Fans darüber, ob es Sinn macht, das Werk des Künstler erneut in Angriff zu nehmen. Ob man es dabei zerstört oder optimiert hat, müssen die Hörer selbst entscheiden.
Im Falle von Nick Drake, dessen Oeuvre gemessen an Bedeutung und lyrischer Tiefe schon bemerkenswert klein ist, sind Zusammenstellung und Aufarbeitung mit Respekt und Fingerspitzengefühl vorgenommen worden. Die Geschichte des Nick Drake ist vielleicht die des talentiertesten Songwriters Englands, sie begann in den Folk-Ausläufern der 60er und endete im November 1974 mit einer Überdosis Antidepressiva. Ob es nur ein Unfall war, ist bis heute nicht geklärt.
Die hier vorliegenden Aufnahmen nehmen diese Erzählungen aus teilweise neuen Blickwinkeln wieder auf. Kommilitone Robert Kirby schnitt diverse Songs von Drake auf einem Kassettenrekorder mit und notierte anschließend die Streicher- und Bläserarrangements für die Aufführungen am College in Cambridge. "River Man" und "Mayfair", die später von Drake noch einmal aufgenommen wurden, sind diesen Originalbändern entnommen. Moderner Technologie sei Dank, haben "Magic" und "Time Of No Reply", zwei Songs, die es damals nicht auf das Debüt "Five Leaves Left" schafften, nun ihre ursprünglich von Kirby vorgesehenen Arrangements erhalten.
Von "Three Hours" wurde eine Version mit dem Conga-Spieler Reebop Kwaku Baah (Traffic, Can) entdeckt, die zwei Monate vor der 1969 veröffentlichten entstand mehr Jam Session denn Song, Nick Drake in der Studio-Schleife. Und dann gibt es doch noch den einen bisher unentdeckten, einfach übersehenen Drake-Song von 1974, seine letzte Aufnahme: "Tow The Line" scheint eine Schneise der Zuversicht in die wuchernde Einsamkeit, die zunehmende Depression des Sängers und Songwriters zu schlagen. Die Entdeckung eines Drake-Klassikers. "Made To Love Magic" darf als Ergänzung verstanden werden, eine definitive Compilation liegt neben den drei Originalen und der "Fruit Tree"-Box mit der CD "Way To Blue" ja bereits vor. Einen Einstieg in das wundervolle, desolate Universum des Nick Drake offerieren diese 13 Beiträge allemal.
Von Frank Sawatzki
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