Punkröhre on Tour: Nina Hagen swingt im Abendkleid
zuletzt aktualisiert: 20.03.2006 - 11:41Berlin (rpo). Sonst sieht man sie mit extravaganter Frisur, jeder Menge Schmuck und schwarzen Punk-Klamotten jenseits des Normalo-Kleiderschranks. Für ihr neues Album "Irgendwo auf der Welt" wird sich Nina Hagen aber mal ganz anders in Szene setzen. Als Swing-Chansonette wird sie in Abendkleid mit Federboa auf der Bühne stehen. Gemeinsam mit dem Capital Dance Orchestra wagt sich die Rock-Legende an 15 Big-Band-Klassiker von Frank Sinatra bis Ella Fitzgerald.
Für die 51-jährige Berlinerin keinesfalls ein Stilbruch, denn in ihren Augen kennt die musikalische Welt keine Grenzen: "Es geht alles in einander über." Nicht-Fans mag es überraschen, aber der Swing ist für Hagen keineswegs Neuland. Immer wieder tauchten ihre ganz eigenen Interpretationen solcher Lieder auf ihren Alben auf, und Ende 2003 veröffentlichte sie mit der Leipzig BigBand die CD "Big Band Explosion".
Bereits als Teenager sei sie trotz ihrer gerade erwachten Begeisterung für den Rock jeden Montag in den Berliner Friedrichstadtpalast gepilgert, wo Jazz und Big Band gespielt wurden, erzählt Hagen. Die Konzertbesuche waren dabei auch immer Lehrstunden: "Die Jazz-Musiker waren eigentlich die studierten Musiker unter uns, die konnten Noten lesen. Wenn du passionierter Sänger bist, kommst du um den Jazz gar nicht drum rum."
"Göttlicher Zufall"
Irgendwie sei die Platte auch ein "göttlicher Zufall", meint die Künstlerin. "Im Grunde arbeite ich schon seit vier, fünf Jahren an meinem neuen Rockalbum. Weil ich über Jahrzehnte keine große Plattenfirma hatte, musste ich alles selbst finanzieren, und das dauert ziemlich lange." Da kam die Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit dem Berliner Capital Dance Orchestra gerade recht.
Überhaupt fühlt sich die UFO-Gläubige, Esoterik-Anhängerin und Friedensaktivistin in ihrer Heimat nicht immer richtig gewürdigt. "Es gibt einige, die sagen: 'Ihre Karriere in Amerika scheiterte kläglich.' Hallo?? Ich mache jedes Jahr Tourneen, das ist meine zweite Heimat." Sich selbst betrachtet Hagen, die seit 25 Jahren in Los Angeles lebt und dort auch ihren Sohn Otis zur Schule schickt, als "deutschen Kulturbotschafter".
Zwar werde sie in Deutschland in Hoffnung auf einen Skandal wie die berühmt-berüchtigte Masturbationsübung zu Talkshows gern eingeladen. Mit dem Singen sei das jedoch eine ganz andere Sache. Deshalb habe sie die Einladung zur Berlinale besonders gefreut, wo sie Lieder des neuen Albums zum Besten geben durfte.
Festivaltour im Sommer
Das soll aber nicht der vorerst letzte Auftritt der Hagen in Deutschland gewesen sein. Voraussichtlich im Sommer sei eine Festivaltour mit dem Capital Dance Orchestra geplant, erzählt sie.
Auch ansonsten ist Frau Hagen offenbar ganz gut beschäftigt. In Los Angeles entsteht gerade ein Zeichentrickfilm, in der eine Hyäne nach ihrem Vorbild gestaltet wird und mit ihrer Stimme spricht, wie sie berichtet. Und in der Liebe steht ebenfalls wieder alles zum Besten, nachdem sich Hagen mit ihrem damaligen Ehemann, dem dänischen und 22 Jahre jüngeren Musiker Lucas Alexander vor einem Jahr einen hässlichen Scheidungskrieg geliefert hat. "Ich bin in einer ganz, ganz tollen Beziehung", sagte sie über ihren Freund River, einen 28-jährigen Shiatsu-Masseur und Kameramann aus dem kanadischen Vancouver.
Die Arbeit an dem aktuellen Album hat Hagen so viel Spaß gemacht, dass sie bereits über eine Fortsetzung nachdenkt. Zu viele ihrer bis dato unbekannten Stücke, die sie während der Arbeit an dem Album ausgegraben hatte, schafften es nicht auf die CD: "Für jeden Sänger ist das eine Schatzkiste. Du musst nur in ihr wühlen und wirst schon verrückt davon."
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