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Auftritt in Düsseldorf
Noel Gallagher hadert mit sich selbst

Noel Gallagher hadert mit seinem Auftritt in Düsseldorf
Noel Gallagher war selbst nicht zufrieden mit seinem Auftritt. FOTO: dpa, ped cul wst
Düsseldorf. Der frühere Kopf der Band Oasis absolvierte einen routinierten Auftritt vor 5000 Fans in der Mitsubishi Electric Halle. Am Ende ist Noel Gallagher selbst nicht zufrieden. Von Philipp Holstein

Als Zugabe spielte er "Don't Look Back In Anger", und dazu regnete es Sterne von der mächtigen Leinwand im Hintergrund. Fast jeder der 5000 Versammelten in der Mitsubishi Electric Halle hatte die Hände in der Luft und sang mit, manche standen Arm in Arm da, und das war der Höhepunkt, denn darum geht es bei Konzerten und speziell bei denen dieses Künstlers – Gemeinschaft herstellen, sich der Tradition versichern und wissen: Es ist alles gut.

Noel Gallagher gründete einst mit seinem jüngeren und intelligenzmäßig weniger gut ausgestatteten Bruder Liam die Band Oasis. Die beiden führten die Gruppe zu Weltruhm und machten sie dann auch selbst wieder kaputt. Seit der Auflösung 2009 probiert der eigentlich begabtere Bühnen-Präsenzler Liam hauptberuflich die Frisurenmode der 60er Jahre durch, während Noel künstlerisch bereits im Jahrzehnt danach angekommen ist.

Er hört nun Pink Floyd, und deren immer noch großartiger Soundtrack zum Film "More" lief vor Konzertbeginn. Gallagher und seine High Flying Birds begannen gut, "Everybody's On The Run" lieferte einen magischen Moment, dazu gab es Projektionen von Lavalampen-Eruptionen, Pupillen in Großaufnahme und Karussells.

Die Stücke des neuen Albums indes, die in den Studioversionen sehr dicht klingen, ausgefeilt und atmosphärisch, suppen live bisweilen erstaunlich nuancenarm aus den Boxen. Gallagher steuerte während des routinierten 90-Minuten-Auftritts mit dem einen oder anderen Oasis-Stück gegen; mit dem tollen "Champagne Supernova" etwa, am Ende mit "The Masterplan" und früher schon mit "Fade Away". Überhaupt wird in seinen Texten auffallend viel away gefaded, was aber zum Sound passt. Man kann in diesem Psychedelik-Pomp aus dem Erinnerungsspeicher versinken, die Songs mit geschlossenen Augen entgegen nehmen.

Hätte man jedoch nicht hingesehen, wären einem schöne Szenen entgangen. Da standen Männer, die an früher dachten, mit Frauen zusammen, die wussten, dass Männer halt manchmal an früher denken müssen. Da wurden die jugendbewegten Codes der vergangenen Jahrzehnte aufgetragen, Harrington-Blousons und Parkas.

Da tanzten britische Jungs in verschwitzten Shirts, warfen Bierbecher und sangen jede Zeile mit. Einmal wurde Gallagher gefragt, wo denn sein Bruder sei. "Der steht zuhause und guckt sich im Spiegel an", gab er zur Antwort. Da war man irgendwie froh, dass es Noel gibt und auch Liam, und dass es England gibt, und Pop und alles, was damit zusammenhängt.

Gallagher selbst war offenbar nicht so zufrieden mit dem Auftritt. "Unerfreulich" nannte der 47-Jährige ihn auf seiner Homepage: "my first shit one". Er habe alles probiert, aber: "When it ain't there, it ain't there". Ach, es ist doch alles gut.

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