The Little Willies: Norah Jones geht fremd
zuletzt aktualisiert: 01.03.2006 - 14:58Köln/New York (rpo). Norah Jones ist für ihre melancholischen Balladen bekannt. Die Musikerin geht dem Genre fremd: Mit ihrem musikalischen Nebenprojekt The Little Willies (blue note) wagt die achtfache Grammy-Gewinnerin einen Abstecher ins komische Fach. Das Album der fünfköpfigen Formation erscheint am Freitag.
The Little Willies nennen sich kokett "die größte kleine Bar-Band New Yorks". Vor drei Jahren mieteten die bereits seit langem gut befreundeten Musiker den "Living Room" an der Lower East Side, um zum ersten Mal gemeinsam öffentlich aufzutreten. Seitdem lassen sich die Vielbeschäftigten regelmäßig in dem intimen kleinen Club sehen.
Musikalisch können die Little Willies die unterschiedlichsten Biografien vorweisen, gemeinsam ist ihnen die Liebe zum amerikanischen Liedgut, wie es von Interpreten wie Kris Kristofferson oder Townes van Zandt repräsentiert wird. Wenig verwunderlich, dass viele Stücke dieser Songwriter auf das Debüt-Album des Little Willies gekommen sind. Das absolute Idol der Formation, Country-Sänger und Öko-Aktivist Willie Nelson, stand sogar für den Bandnamen Pate. Sein schrulliges "Gonna Get Drunk" haben die Little Willies auch für ihr Debüt aufgenommen.
Musikalisch reicht das Spektrum vom kauzigen Country-Swing bei "Roly Poly" bis hin zu bittersüßem "No Place to Fall". Dabei paart sich musikalische Finesse mit einem beachtlichem Spaßfaktor. Mal zupft und schrammelt es, dass es eine Freude ist, dann wiederum durchschreitet die Band lustvoll die ganze Tiefe der abgründigen Ballade.
Norah Jones setzt die Akzente
Norah Jones setzt mit ihrem Klavierspiel und der unverwechselbaren Stimme zwar auch bei den Little Willies die Akzente, hat aber offenbar auch keine Probleme, musikalisch in die zweite Reihe zu treten. Wenn die New Yorkerin aber ans Mikrofon tritt, lässt sie keinen Zweifel, in welcher musikalischen Liga sie spielt: Bei dem geschmachteten Elvis-Klasiker "Love Me" entwickelt sie so viel 50er-Jahre-Tremolo, dass man gerne zwei Mal hinhört. Bei "Its not you, its me" flirtet Jones hingegen schon fast mit dem Pop.
Ihr ganzes Format zeigen die Little Willies bei ihren bislang wenigen selbst geschriebenen Stücken. So wird bei "Lou Reed" die New Yorker-Underground-Ikone geradezu kabarettreif durch den Kakao gezogen. Und hier ist es tatsächlich Norah Jones, die nicht nur mit Freund Lee Alexander den Song geschrieben hat, sondern auch durch den trockenen Humor im Gesang glänzt.
Für die Fans der Sängerin sind die Little Willies gleichzeitig ein Vorgeschmack auf das neue Album von Norah Jones, das nach Angaben der Plattenfirma bereits in Vorbereitung ist.
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