Schlagersänger bestreitet Vorwürfe: Patrick Lindner wegen Steuerhinterziehung vor Gericht
zuletzt aktualisiert: 26.11.2003 - 13:37München (rpo). Schlagersänger Patrick Lindner soll nur zum Schein seine Villa im Münchener Nobelvorort Grünwald an seinen Lebensgefährten vermietet haben, um Steuern zu sparen. Seit Mittwoch muss sich Patrick Lindner deshalb vor dem Münchner Amtsgericht verantworten.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 43-Jährigen, der mit bürgerlichem Namen Friedrich Raab heißt, vor, zwischen 1993 und 1996 knapp 170.000 Euro an Steuern hinterzogen zu haben. Dabei habe er nur zum Schein seine Villa an seinen Lebensgefährten und Manager Michael Link vermietet, um zahlreiche Privatausgaben von der Steuer absetzen zu können. Der Sänger wies die Vorwürfe während seiner einstündigen Vernehmung zu Prozessbeginn zurück.
Finanzbehörden und Staatsanwaltschaft beschuldigen Lindner, er habe die Vermietung nur vorgetäuscht, um die Kosten für das Haus von der Steuer abzusetzen. In Wirklichkeit habe er jedoch von Anfang an selbst zusammen mit seinem Lebensgefährten dort gewohnt und seinen anderen Wohnsitz in Dachau nur noch zum Schein geführt. Erst unmittelbar nach der Ankündigung einer Betriebsprüfung von Seiten des Finanzamts, habe Lindner schnell seinen offiziellen Wohnsitz in die Villa verlagert.
Der Schlagerstar hatte der Aussage einer Finanzbeamtin zufolge mehrere hunderttausend Mark für den Bau des Hauses, eine komplette luxuriöse Inneneinrichtung samt Springbrunnen und Bettwäsche sowie sämtliche Nebenkosten für das Haus allein bezahlt und habe dies alles als Vermieter von der Steuer absetzen wollen.
Unter anderem mit Strom- und Telefonrechnungen will die Staatsanwaltschaft Lindner nun nachweisen, dass er nicht mehr in seiner alten Wohnung in Dachau, sondern zusammen mit seinem Lebensgefährten in der Villa gelebt habe. So habe Lindner in einem Jahr in seiner angeblichen Hauptwohnung nur sieben Kilowattstunden Strom verbraucht und monatelang von dort kein einziges Telefonat geführt.
Außergerichtliche Einigung ausgeschlagen
Lindner betonte dagegen, er habe bis Sommer 1996 in Dachau gelebt: "Ich habe dort gewohnt, ich hatte dort generell meinen Hauptwohnsitz und meine privaten Dinge." Zudem sei er oft auf Tournee gewesen oder habe zwischenzeitlich bei einem anderen Partner gelebt, dessen Namen er für eine Zeugenvernehmung aber nicht nennen wollte. "Ich wollte auch mit Herrn Link damals keine Beziehung, das war eine reine freundschaftliche Basis", betonte der Schlagersänger.
Das Gericht hielt ihm jedoch zahlreiche Äußerungen aus Illustrierten vor, wonach sich Lindner und Link outeten, seit 1992 ein Liebespaar zu sein. Unter anderem zitierte der Richter aus Links Autobiografie "Ein Traum wird wahr", in der der ehemalige Hotelfachangestellte beschrieb, wie er 1992 bei dem Musiker eingezogen sei und es ein Jahr später aber in Dachau nicht mehr ausgehalten habe.
Eine Betriebsprüferin rechnete als Zeugin zudem vor, dass Link als Manager nach Abzug von Steuern und Werbungskosten, trotz eines Bruttoeinkommens von damals über 10.000 Mark im Monat, bei einer Miete von 7.000 Mark für die Villa nicht einmal 750 Mark zum Leben übrig geblieben wären.
Link und Lindner hatten vor dem Prozess erklärt, sie seien von ihrer Unschuld überzeugt und hätten deshalb bewusst auf eine angebotene außergerichtliche Einigung ohne Öffentlichkeit verzichtet. Ein Urteil wurde noch am späten Mittwochnachmittag erwartet.
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