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Neues Album "Achtung"
Pur betritt Neuland und holt Naidoo ins Boot

Fotos: Hartmut Engler – Pur-Frontmann und Sing-meinen-Song-Teilnehmer
Fotos: Hartmut Engler – Pur-Frontmann und Sing-meinen-Song-Teilnehmer FOTO: dpa
Bietigheim-Bissingen . Aus dem "Abenteuerland" ist das "Heimwehland" geworden - gut zwanzig Jahre nach ihrer größten Zeit legen Pur ein neues Studioalbum vor. "Achtung" lautet der selbstbewusste Titel - was man auch so interpretieren kann: "Wir wollen nochmal zeigen: Die haben noch Power, die haben noch tolle Ideen, die sind für Überraschungen gut", sagt Frontmann Hartmut Engler (53).

Eine Überraschung ist gleich die erste Nummer. "Wer hält die Welt" ist zwar nicht das erste Duett auf einem Pur-Album, aber das erste aus doppelter Feder: der Vers von Engler, der Refrain von Xavier Naidoo. Bei dem Song sei er inhaltlich allein nicht weiter gekommen, berichtet Engler. Mit Naidoo sei nachts der Durchbruch gelungen. "Xavier ist ein genialer Sänger, ein toller Mensch und Musiker. Ich schätze ihn sehr."

Viel Typisches ist dabei. Besungen werden aber nicht mehr die flammende Liebe zu "Lena" oder der Wert von Freundschaften wie einst bei "Indianer". Heute geht es um zerbrochene Liebe ("Vermiss Dich") und Hoffnungen in Lebenskrisen ("Land in Sicht").

Wie immer schon stammen die Texte von Engler, die Musik in großen Teilen aber auch von Keyboarder und Pur-Mitgründer Ingo Reidl. Mit Songs wie "Lichter aus" oder "Achtung" betrete die Band auch musikalisches Neuland, betont Engler. Vom Soundgefüge würden diese "sehr modern klingen". Als vielleicht typischster Pur-Song werde "Gemeinsam" seinen Weg machen, tippt er. Melancholisch seien die Songs, ja, nachdenklich auch, aber sie hätten doch stets den Pur-typischen Hoffnungsschimmer.

"Wir können kein Album machen, das klingt wie vor 20 Jahren." Damals, als "Abenteuerland" 2,5 Millionen Mal verkauft wurde. Sowas erlebe man nur einmal im Leben, sagt Engler. "Schein und Sein" vor drei Jahren sei noch 350.000 mal gekauft worden. Dazwischen sei aber der CD-Markt um 40 Prozent eingebrochen. Engler ist sicher: Von den Leuten, die die Band in der Zwischenzeit etwas vergessen hätten, könnten sie ganz, ganz viele wecken.

Udo Dahmen, künstlerischer Direktor der Mannheimer Popakademie, spricht im Zusammenhang mit Pur von einem "echten Phänomen". Erklären lasse sich dies vielleicht durch den sehr engen Kontakt, den Pur von Anfang an zu ihren Fans, zu ihrer "Fan-Base" gepflegt habe. Zudem würden die Texte von Engler besondere Gefühle ansprechen, etwa mit "Wenn sie diesen Tango hört". Dazu gibt es übrigens diesmal mit "Anni", getextet zum 90. Geburtstag von Englers Mutter, sowas wie eine Ergänzung.

Engler sagt: "Unsere Authentizität und die Glaubwürdigkeit haben uns über die Jahrzehnte eine Fanbasis geschaffen." Und das auf Deutsch, gestartet zu einer Zeit, als dies außer Pur noch den Toten Hosen oder den Ärzten vorbehalten war. "Deutsch ist unsere Muttersprache. Und langsam erkennen immer mehr Künstler und auch die Fans, dass man in dieser Sprache sehr viel und sehr gut ausdrücken kann."

Alle drei Jahre ein neues Album - so soll es weitergehen. Zumindest bis Engler und Reidl die 60 überschreiten. Irgendwann hätten sich die beiden Schulfreunde aus dem schwäbischen Bietigheim-Bissingen mal darauf geeinigt, um diese runde Zahl herum zu entscheiden, was dann passiert, erzählt Engler. "Wenn wir mit 60 alle noch gesund und happy sind, dann hängen wir vielleicht noch ein Jahrzehnt dran."

Ohnehin befinde sich Pur mit "Achtung" längst auf der "Zugabenstrecke", wie Engler es nennt. Bis er die 60 erreiche, seien im gewöhnten Rhythmus zumindest zwei weitere Alben drin. Einen Wunsch für den perfekten Abschluss hat er dann aber doch: "Ich würde mich gerne mal in aller Würde zurückziehen - und nicht wenn der Rücken, die Hüfte und das Knie das diktieren."

(dpa)
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