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Erster Hör-Eindruck
So klingt "Anti" von Rihanna

Rihanna: So klingt ihr neues Album "Anti"
Rihanna hat ein neues Album veröffentlicht. FOTO: dpa, uw soe pil sja
Düsseldorf. Drei Jahre hat es gedauert, oft wurde der Veröffentlichungstermin verschoben, aber seit Donnerstag ist es da: "Anti", das neue Album von Rihanna. Am Mittwoch gab es bereits die Vorab-Single "Work", die fand nicht bei allen Fans Beifall, mancher befürchtete Schlimmes für die anstehende Platte. Aber beim ersten Hören stellt sich heraus: Die 27 Jahre alte Rihanna hat durchaus ein gutes Album produziert. Von Philipp Holstein
  1. "Consideration" – Es beginnt mit Beats, und zwar sehr schartigen, knarzigen. Rihanna rappt sozusagen im Duett mit den markanten und verschleppten  Beats. Sie rollte die Vokale auf der Zunge hin und her, bevor sie sie herauslässt. Verzerrte Stimme, im Background singen Mönche. Sehr gute Nummer. Weltraum-Funk. Wäre auf jeden Fall die bessere erste Single gewesen.
  2. "James Joint" – Einminütiges Zwischenstück mit Orgel. Man denkt an Stevie Wonder. Im Text geht es um Gras.
  3. "Kiss It Better" – Hit! Bis jetzt die Nummer, die man sich am ehesten im Radio-Dauereinsatz vorstellen kann. Das Stück kommt dann allerdings nicht so richtig voran, es fehlt der euphorische Refrain, die Entladung, die Pointe. Trotzdem gelungen.
  4. "Work" – Vorab-Single. Die ersten zehn Sekunden: totale Verheißung. Danach: völlige Enttäuschung. Rihanna klingt wie eine Ente. Macht einen ganz aggressiv. Dann der Einsatz von Drake. Der kann es ja. Aber es ist zu spät, das Lied bekommt die Kurve nicht mehr.
  5. "Desperado" – Total toll, wie Rihanna dem Hörer nach acht Sekunden das Wort "Desperado" vor die Füße spuckt. So konfrontativ. Bling-Bling-Mackertum. Einfaches Stück, gut arrangiert. Die Background-Sängerinnen wirken wie Meerjungfrauen und geben dem tiefergelegten Song Leichtigkeit. Schöner Kontrast.
  6. "Woo" – Verzerrter Gesang, viel Hall. Im Hintergrund macht sich ein Rapper warm: "Ah-aha". Er kommt aber nicht zum Einsatz. Versuch, avantgardistisch zu sein. Ah-aha. Na ja.
  7. "Needed Me" – Sehr schwere Beats, mächtiger Bass. Düstere Atmosphäre. Verzerrte Stimmen im Hintergrund. HipHop-Nummer. Rihanna mit Rap-Einlage. Kann sie gut. Das Stück läuft allerdings im Kreis. Alle Ideen sind in der ersten Minute aufgebraucht.
  8. "Yeah, I Said It" – Schmuse-R'n'B. Männer-Lob. Lasziv, schwül. In Ordnung.
  9. "Same Ol' Mistakes" – Synthie-Glamour. Verwaschene Vocals. Diesige Atmosphäre. Als habe Rihanna das Mikrofon für diese Aufnahme hinter die verschlossene Studiotür gestellt. Auf den Hi-Hats liegt Sternenstaub. Ist das  Tame Impala? Ja, das ist eine Coverversion. Wie toll! Ganz ungewöhnliche Nummer für Rihanna. Bruch in der Mitte des fast sieben Minuten langen Stücks. Dann Weltraumgleitflug ins Ziel. Ein Höhepunkt der Platte.
  10. "Never Ending" – Rihanna zur akustischen Gitarre. Man muss sich vorstellen, wie sie auf einem Heuballen sitzen, mit den Füßen wippt und den Kopf schräglegt. "It doesn't have to feel so strange", singt sie. Sie hat ja recht. Hört man sich gern an, ist aber nichts Großes.
  11. "Love on The Brain" – Wenn das wirklich Rihanna ist, klingt sie wie Beyoncé. Zumindest am Anfang. Sixties-Flair. Die Jungs im Background antworten auf ihren Gesang. Rihanna schmeichelt zunächst, man erkennt sie kaum wieder, dann erhebt sie sich, zieht das Tempo an, wird aggressiver. Soul-Nummer. Alte Schule.  Bombastiges Arrangement wie bei Adele. Gut.
  12. "Higher" – Angeschickerte Streicher führen den Hörer in den Song. Rihanna putzt mit rauchiger Stimme Kronleuchter im Western-Saloon. "You Light My Fire", singt sie, und sie klingt, als hätte die letzte Nacht schon gestern Mittag angefangen. Leicht irre.  Kaputtheit, heiter inszeniert. Ein Hauch von Tom Waits, aber in der Barbados-Variante.
  13. "Close To You" – Piano-Ballade. Rihanna ganz nah. Rihanna ungeschminkt, sozusagen. Dazu ein bisschen Background-Gesang. Ganz schön.

Fazit:

Oft ist es ja so, dass die Vorab-Single zu so einem lange erwarteten Album das beste Stück der Platte ist. Als man zuerst das schwache "Work" hörte, hatte man Sorge, wie wohl der Rest klingen würde. Aber nun gibt es Entwarnung: "Anti" ist ein vielseitiges Album, es zitiert die große Zeit des Soul, kombiniert den warmen Sound mit neuen Genres wie Dubstep. Auffällig ist, dass es kein EDM-Stück gibt, die großen Hits fehlen also. Nicht jede Idee wurde auch ausgearbeitet. Deshalb sicher kein Meisterwerk, aber ein verblüffendes, gelungenes Album.

Rihanna mit Nackt-Kleid bei "Designer Awards" FOTO: afp, TC/tcs
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