| 18.11 Uhr

Rock am Ring 2017
Lieberberg lässt Statement zur Wutrede verteilen

Rock am Ring 2017: Marek Lieberberg lässt Statement zur Wutrede verteilen
Das Foto zeigt das verteilte Statement von Marek Lieberberg. FOTO: Tobias Dupke
Nürburg. Nein, Marek Lieberberg hat keine Lust mehr auf Fragen zu seiner Brandrede, die er nach dem Abbruch des ersten Tages von Rock am Ring gehalten hat. Stattdessen lässt er ein Statement verteilen. Von Tobias Dupke

Wegen akuter Terrorgefahr musste das Musikfestival in der Eifel am Freitag bereits um 21 Uhr während des Auftritts der Düsseldorfer Band "Broilers" beendet werden, 87.000 Besucher verließen friedlich und gesittet das Gelände, sangen dabei Lieder wie "You'll Never Walk Alone" und "Eins kann uns keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben". 

Lieberberg forderte noch während der Evakuierung in einer emotionalen Wutrede vor Journalisten: "Ich möchte endlich mal Demos sehen, die sich gegen die Gewalttäter richten. Ich hab' bisher noch keine Moslems gesehen, die zu Zehntausenden auf die Straße gegangen sind und gesagt haben: Was macht ihr da eigentlich?" 

Ein wenig genervt und auch ein wenig angeschlagen wirkt Lieberberg, als er zur Abschluss-Pressekonferenz erscheint und gleich zu Anfang klar macht: Er möchte keine Fragen zur Brandrede hören, dafür lässt er eine Erklärung zu diesem Thema verteilen. "Mein Statement war von der unmittelbaren Sorge um Festivalbesucher, Künstler und Mitarbeiter getragen. Meine Aussage richtete sich nicht gegen die große Mehrheit friedlicher Menschen - egal welcher Coleur. Die Zeiten erfordern es allerdings, dass wir - und zwar wir alle - uns deutlich positionieren und wehrhaft zeigen gegen jegliche Art von Gewalt und Fanatismus", erklärt der Veranstalter darin. "Angriffe auf Musikveranstaltungen und ihre Zuschauer sind Angriffe auf unsere Zivilisation und unsere Art zu leben. Alle gesellschaftlichen Kräfte - und zwar unabhängig von Nationalität, Herkunft, Religion oder Weltanschauung - sind aufgerufen, einer solchen Bedrohung eindeutig entgegenzutreten."

Fans lassen sich nicht durch Terrorgefahr einschüchtern

Am Samstag startete das Programm auf den drei Bühnen an der Rennstrecke in der Eifel wieder wie geplant. Drei Mitglieder der hessischen Salafisten-Szene waren zwischenzeitlich festgenommen worden. Mindestens einer von ihnen soll Zugang zu sensiblen Bereichen des Geländes gehabt haben. Die Männer kamen am Samstag jedoch wieder frei. Offenbar erhärtete sich der Verdacht nicht.

Die Musik, das Herzstück des Festivals, drohte zwischenzeitlich zur Nebensache zu werden. Aber dank der Fans, die sich von der Terrorgefahr nicht beeindrucken ließen, fand die Stimmung schnell wieder in die Spur zurück. Auch wenn Rock am Ring ohne den Headliner Rammstein zu Ende gehen wird. Besonders bitter ist das für Dave, 22, der ein Schild "Terror ist voll doof" um seinen Hals trägt. Der Dinslakener hätte geweint, hätte er es noch gekonnt - Rammstein wollte er unbedingt sehen. Aber der Terror kam dazwischen. "Lieber einmal zu viel Alarm als einmal zu wenig", sagt er. Er hätte sich gefreut, wenn Rammstein trotz Abbruch noch einmal an Tag zwei oder drei aufgetreten wäre. Aber die komplexe Bühnenshow hat einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Die Logistik dahinter, erklärt André Lieberberg, zuständig für das Programm bei Rock am Ring, ließ keine andere Möglichkeit zu. Auf- und Abbau hätten zu lange gedauert. 

"Saufen gegen den Terror"

Auch Daniel, 26, seit 2012 treuer Rock-am-Ring-Besucher, trotzt der latenten Gefahr auf seine Weise. "Saufen gegen den Terror" steht auf seinem Schild, das er mit sich trägt. Viele Ringrocker kommen auf ihn zu, umarmen ihn, stoßen mit ihm an. "Ich kann den Abbruch sehr gut nachvollziehen. Vorsicht ist besser als Nachsicht", sagt der Euskirchener. Er lässt sich das Feiern am Nürburgring dadurch aber nicht vermiesen. Klar, er hätte auch gerne Rammstein erlebt. "Ich nehm's aber niemandem übel, dass ich sie jetzt nicht gesehen habe." Wichtig sei, dass niemand verletzt wurde und alle heute weiterfeiern können. 

Mit beeindruckenden Auftritten brachten die Beatsteaks und die Toten Hosen am Samstag den Rock zurück an den Ring. Außerdem hatten alle Bands ihr Programm ein wenig gestrafft, damit die Broilers ihren unterbrochenen Gig vom Vortag gebührend zu Ende bringen konnten. Die Stimmung brodelte, als der Tag auf der Hauptbühne mit dem gecoverten "You'll Never Walk alone" - dem Lied, das die Ringrocker während der Evakuierung gesungen haben - gespielt von den Toten Hosen, endete.

Rock am Ring dreht zum Schluss heute noch einmal ordentlich auf. Es spielen noch Alter Bridge, Prophets of Rage, Bonaparte, Annenmaykantereit und System of a Down. Der Termin für Rock am Ring 2018 steht auch schon fest: Der Ring bebt vom 1. bis zum 3. Juni. "Wir werden auch mit Rammstein sprechen, ob sie dann ihren Auftritt nachholen möchten", sagt André Lieberberg.

 
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