Mit Zelt und Schlafsack: "Rock am Ring" eröffnet die Festival-Saison
VON LARS BIGGE - zuletzt aktualisiert: 31.03.2006 - 12:12Düsseldorf (rpo). Wenn die Tage sonnig und die Nächte lau sind, zieht es den gemeinen Rock-Fan wieder hinaus ins Grüne. Wo Bühnen und Verkaufsstände stehen, wo Zelte und Gartengrills aufgebaut werden und wo sich vor Dixi-Klo-Reihen lange Schlangen bilden. Denn dann ist Festival-Saison, die auch in diesem Jahr wieder traditionell am Pfingstwochenende in der Eifel am Nürburging eingeläutet wird.
Bei "Rock am Ring" gilt: Fernglas nicht vergessen. Über 100.000 Menschen werden zu der Rennstrecke pilgern, um 70 Bands unterschiedlichster Klangfarbe zu erleben. Da wollen sich Depeche Mode pathetisch inszenieren und Metallica werden für ein heftiges Haudrauf sorgen. Liebhaber britischer Popmusik warten derweil auf Morrissey oder Keane. Die Mittzwanziger waren zu jung, um The Clash oder Jam zu erleben und freuen sich daher auf die Kaiser Chiefs und Franz Ferdinand, die sich hemmungslos bei der Musik der frühen achtziger Jahre bedienen. Und dann soll bei "Rock am Ring" auch noch die Rückkehr von Axl Rose stattfinden, der sich den Namen seiner ehemaligen Band gesichert hat. Doch sollte Rose wirklich unter der Bezeichnung Guns 'n' Roses am Nürburgring spielen, wird das sehr wenig mit seiner ehemaligen Band zu tun haben.
Auf das, was derzeit angesagt ist, setzt man vom 23. bis 25. Juni beim "Hurricane Festival" im niedersächsischen Scheeßel. Die Arctic Monkeys, Mando Diao, Maximo Park, Hard-Fi, die Cardigans, Adam Green, Fettes Brot und Wir sind Helden haben ihr dortiges Erscheinen angekündigt. Eine krude Mischung, die Toleranz der Hörer erfordert.
Woodstock-Atmosphäre in Haldern und Hessen
Da gibt man sich beim "Haldern-Festival" auch in diesem Jahr wieder mehr Mühe. Mit schöner Regelmäßigkeit wird das Open-Air-Festival in dem kleinen Städtchen seit Jahren von den Lesern der Musikmagazine zu einem der besten deutschen Festivals gewählt. Die entspannte Atmosphäre auf dem Halderner Reitplatz und die stimmige musikalische Zusammensetzung sorgen dafür, dass viele Fans ihre Tickets buchen, ohne zu wissen, wer überhaupt in Haldern spielen wird. Da vertraut man blind den Veranstaltern, die immer wieder gute etablierte und hoffnungsvolle unbekannte Bands verpflichten. In diesem Jahr kommen am 4. und 5. August Element Of Crime, Final Fantasy, Kante, Lambchop, Mogwai, Motorpsycho und die Kooks an den Niederrhein. Und sicherlich haben die Organisatoren auch noch die eine oder andere Überraschung geplant. Deshalb gilt: Schnell die Eintrittskarten besorgen, denn mehr als 4.000 Besucher passen nicht auf das Halderner Festivalgelände.
Auch im hessischen Breitenbach legt man wenig Wert auf Gigantomanie, sondern auf eine Atmosphäre, die dem "Burg Herzberg"-Festival den Ruf des deutschen "Woodstock" eingebracht hat. Sicherlich werden sich viele übriggebliebene Blumenkinder zur Burg Herzberg aufmachen, um dort vom 20. bis 23. Juli in Erinnerungen zu schwelgen. Das Programm passt: Krautrocker wie Kraan, Hölderlin oder die Bröselmaschine sowie Progressive-Rocker wie Soft Machine werden ihre bekannten Epen spielen. Und Greg Lake, Gründungsmitglied von King Crimson, wird hören müssen, was Adrian Belew aus seiner ehemaligen Band gemacht hat.
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