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Rock and Roll Hall of Fame
Auch 2016 ist ein Jahrmarkt der Eitelkeiten vorprogrammiert

Rock and Roll Hall of Fame: Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten
2015 ließen "Joan Jett and The Black Hearts" es beim 30-jährigen Jubiläum der "Rock And Roll Hall Of Fame" in Cleveland krachen. FOTO: afp, kr
New York/Cleveland. Nichts ist's mit "Liebe und Frieden", mit Freundschaft und edlen Gefühlen: In regelmäßigen Abständen kommt es während der alljährlichen Aufnahmezeremonie in der Rock and Roll Hall of Fame zu Eklats zwischen Musikern.

Seit 1986 werden in Cleveland im US-Staat Ohio jedes Jahr musikalische Größen in die glorreiche Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen - eine der höchsten Weihen für einen Musiker. Trotzdem wird das Event immer wieder zu einem regelrechten Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem Feindschaften, Neid und geschäftliche Querelen feilgeboten werden. So schlug Paul Simon schon mal vor, das angeschlossene Museum solle einen gesonderten Flügel einrichten für Musiker, die nicht miteinander klargekommen sind.

The Cars, Nine Inch Nails, Janet Jackson und The Smiths sind nominiert

Nominiert sind in diesem Jahr unter anderem The Cars, Nine Inch Nails, Janet Jackson und The Smiths. Die Aufnahmezeremonie, die am Freitag stattfindet, bringt vermutlich eine Rekordausbeute an zankenden Neuzugängen. Bereits im Vorfeld hatten sich beispielsweise Mitglieder der Hardrock-Formation Deep Purple geweigert, zusammen mit Ritchie Blackmore aufzutreten. Ihr Ex-Gitarrist komponierte einst das Riff zum Welthit "Smoke on the Water" und ist damit wohl eines der bekanntesten Bandmitglieder. 1993 verließ er die Band - und teilte der Hall of Fame mit, er werde dieses Jahr nicht erscheinen.

Die ebenfalls dieses Jahr nominierte Jazzrock-Band Chicago arbeitete an einer Wiedervereinigung mit Ex-Frontmann Peter Cetera. Aber etwas ging schief, und Cetera gab bekannt, dass auch er der Veranstaltung fernbleiben werde.

Für die Band Cheap Trick sah es zunächst auch nicht gut aus. Ihr langjähriger Schlagzeuger Bun E. Carlos hatte seit sechs Jahren nicht mehr gemeinsam mit der Band gespielt. "Ich und der Sänger kommen nicht miteinander aus", gestand er vergangenes Jahr dem Musikmagazin "Rolling Stone". Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen ist Carlos rein formal noch Bandmitglied. Die Drums bedient aber längst der Sohn des Gitarristen Rick Nielsen. Trotzdem wird Carlos am Freitag erwartet, um mit Cheap Trick noch einmal aufzutreten.

Auch die Beatles stritten

Neu ist diese Art des Zoffs unter den Musiklegenden nicht. Schon früh schlugen etwa die Beatles einen harschen Ton an. 1988 erschienen zur Hall-Einführung der Band George Harrison, Ringo Starr und John Lennons Witwe Yoko Ono - Paul McCartney kam nicht. Er gab geschäftliche Unstimmigkeiten zwischen Bandmitgliedern als Grund an und sagte, er würde sich wie ein kompletter Heuchler fühlen, wenn er winken und lächeln würde bei einer vorgetäuschten Wiedervereinigung.

Dagegen war McCartney ein einziges Lächeln, als er 1999 als Solo-Künstler in die Hall of Fame einzog. Nur seine Tochter, die Designerin Stella McCartney, konnte nicht verhehlen, dass sie diese Ehre für ziemlich übertrieben hielt. Auf dem T-Shirt, das sie bei der Veranstaltung trug, stand die eindeutige Botschaft "About Fing Time".

Die Hall of Fame und ihre Neuzugänge haben monatelang Zeit, sich auf die Zeremonie und etwaige unerfreuliche Begegnungen vorzubereiten.
Das reicht aber oft nicht, um peinliche Momente zu verhindern. 2006 legte beispielsweise Blondie einen denkwürdigen Auftritt hin. Bei dem Comeback der Gruppe um Sängerin Debbie Harry 1999 wurden die ehemaligen Mitglieder Frank Infante und Nigel Harrison ausgeschlossen. Ihre Rückkehr in die Band hatten sie vergeblich versucht, vor Gericht zu erstreiten. Auch live auf der Bühne scheiterten sie damit, als Blondie 2006 in die Hall of Fame aufgenommen wurde. "Debbie, dürfen wir?" fragte Infante vor versammeltem Publikum. Sie durften nicht.

Blondie, Costello und Chicago

Elvis Costello dagegen tritt noch immer mit zwei Dritteln seiner langjährigen Band auf, den Attractions. Aber es fehlt der Bassist Bruce Thomas, der durch die Veröffentlichung einer kaum verschlüsselten Geschichte über einen selbstherrlichen Bandleader nicht gerade zu einer Verbesserung des Verhältnisses beigetragen hatte. Als ihm 2003 seine Rock-Hall-Trophäe überreicht wurde, sagte Thomas ganz unromantisch "Danke für die Erinnerungen - das war's" und ging von der Bühne. Costello winkte ihm zum Abschied mit einer anzüglichen Geste.

Sex Pistols nehmen Ehre nicht an

Den Sex Pistols gebührt die Auszeichnung für den bei weitem schrillsten Beitrag. Gegen ihren ausdrücklichen Willen wurde die Punk-Band 2006 in die Hall of Fame aufgenommen. Mit "Urin in Wein" verglichen die Bandmitglieder das Museum und erklärten, sie würden zur Zeremonie nicht kommen, weil sie "nicht eure Affen" seien.

Paul Simon war schon ein Hall-of-Fame-Mitglied mit seinem Partner Art Garfunkel, als er 2001 als Solo-Künstler eingeführt wurde. Ein nostalgischer Simon brauchte zehn Minuten, um eine Liste all seiner Inspirationen zu verlesen - angefangen bei seiner ersten Schallplatte bis hin zu "diesen beiden Mädchen aus Covington, Kentucky".

Paul Simon vs Art Garfunkel

Als die Rede auf Garfunkel kam, sagte Simon: "Ich bedaure das Ende unserer Freundschaft und ich hoffe, wir werden Frieden schließen, bevor wir sterben." Dann wartete er geduldig den warmen Applaus des Publikums ab, um hinzuzufügen: "Keine Eile."

Aber es muss nicht immer so wüst hergehen. Die Hall of Fame brachte etwa Robert Plant und Jimmy Page bei der Aufnahme von Led Zeppelin 1995 wieder zusammen. The Police kamen 2003 für einen beeindruckenden Auftritt zusammen und gingen später wieder gemeinsam auf Tour. Die Talking Heads, die im Unguten auseinander gegangen waren, hatten bei der Aufnahme 2002 ihren ersten Live-Auftritt nach 18 Jahren. "Ich möchte der Rock and Roll Hall of Fame dafür danken, dass sie dieser Band ein Happy End beschert hat", sagte Schlagzeuger Chris Frantz damals.

Auch Cheap Trick stellen ihre Probleme nun wohl hintenan und planen Carlos in ihren Auftritt ein. Er fühle sich wie eine Freundin in der Nacht, wenn die Ex-Frau kommt, scherzte der aktuelle Schlagzeuger Daxx Nielsen. Sein Vater Rick sieht das anders: "Das zu tun, ist genau das Richtige", sagt er.

(felt/ap)
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