Truthahn gegen Engel: So verrückt wird der Eurovision Song Contest 2008
zuletzt aktualisiert: 20.05.2008 - 18:32Berlin/Belgrad (RPO). Es darf gelacht werden. Diese Woche wird zum lang erwarteten Eurovision Song Contest 2008 nach Belgrad geladen. 43 Länder treten bei den zwei Vorschlussrunden an, 25 beim Finale am Samstag. Auftreten werden ein singender Truthahn aus Irland und halbnackte Rocker aus Finnland.
Irland schickt einen singenden Truthahn ins Rennen, Kroatien mit einem 75-jährigen Rapper den ältesten Grand-Prix-Teilnehmer und Aserbaidschan bei seiner Premiere einen Countertenor: Auch in diesem Jahr wird der Eurovision Song Contest wieder eine Mischung aus Balladen, Popsongs, Ethno-Titeln und ein paar verrückt-komödiantischen Beiträgen.
Der Trend bei dem Wettbewerb ist klar: Schräge Outfits, flache Dance-Lieder und folkloristische Schnulzen dominieren das Programm. Die Auftritte vieler Kandidaten scheinen unter dem Motto zu stehen: Je schriller, desto besser.
Deutschland schickt am Samstag die bekannte und vergleichsweise unschrille Girlgroup "No Angels" ins Rennen. Sie treten am Samstag (24. Mai) im Finale des 53. Grand Prix in Belgrad mit der Startnummer 4 und dem Poptitel "Disappear" an. Im vergangenen Jahr war Swingsänger Roger Cicero auf dem 19. Platz gelandet.
Mit 43 Ländern ist in diesem Jahr eine neue Rekordzahl beim Grand Prix dabei. Eine "ganz gute" Vielfalt beim Jahrgang 2008 sieht der langjährige NDR-Grand-Prix-Kommentator Peter Urban, nach dessen Einschätzung die No Angels auf einem Platz "um die Zehn herum" landen könnten.
Erstmals werden angesichts des großen Teilnehmerfeldes zwei Halbfinalrunden ausgetragen - die heftige Diskussion um ein angebliches Punktegeschachere zwischen ost- beziehungsweise südosteuropäischen Ländern dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben. So können in diesem Jahr Griechenland und Zypern, die in der jeweils anderen Halbfinalrunde antreten, nicht füreinander stimmen.
Deutschland, das mit Nicole und "Ein bisschen Frieden" 1982 erst einmal den Grand Prix gewonnen hat, ist ebenso wie Frankreich (Sébastien Tellier mit der Elektropop-Nummer "Divine"), Großbritannien (Soul- und Popsänger Andy Abraham mit "Even if") und Spanien (die Kunstfigur Rodolfo Chikilicuatre mit "Baila el Chiki Chiki") als größte Beitragszahler der European Broadcasting Union (EBU) für die Schlussrunde gesetzt. Auch Serbien, das mit Jelena Tomasevic und der Balkanmelodie "Oro" antritt, ist als Gewinner des Grand Prix 2007 automatisch im Finale.
Alle anderen müssen sich zuerst am Dienstag (20. Mai) oder Donnerstag (22. Mai) einen Platz fürs Finale erkämpfen - auch die für Schweden startende Charlotte Perrelli, die bereits 1999 noch unter dem Namen Charlotte Nilsson den Grand Prix gewonnen hatte, und der Russe Dima Bilan, der 2006 Zweiter geworden war. Bei der Wettbörse interwetten.de etwa liegt Bilan derzeit an der Spitze, gefolgt von Serbien, Armenien, Irland, Schweden und der Ukraine.
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