Die guten und die bösen Onkels: Stones-Abschluss-Konzert: "It's only Rock'n Roll"
zuletzt aktualisiert: 09.08.2003 - 10:03Hannover (rpo). Zum Abschluss ihrer Deutschland-Tour in der Open-Air-Arena von Hannover drehten die Rolling Stones am Freitagabend noch einmal mächtig auf.
Vielleicht drehten sie nicht zum letzten Mal auf, wie Jagger den 50 000 Fans auf Deutsch zurief: "Das ist die letzte Show in Deutschland - für eine Weile." Und Gitarrist Keith Richards fügte hinzu: "Wir kommen wieder, versprochen."
Stimmgewaltig präsentierten sich die Altmeister des krachenden Gitarrensounds. Von Jaggers Halsentzündung, wegen der die Band ein Konzert in Spanien abgesagt hatte, war nichts mehr zu bemerken. Kaum erklangen die ersten Töne von "Brown Sugar", rissen die Zuhörer die Hände hoch. Dann folgte Hit auf Hit - von "Angie" bis "Satisfaction". Dabei kokettierte Jagger sichtlich gut aufgelegt mit dem Publikum. Als Höhepunkt liefen die vier Stones Hände schüttelnd über einen Steg in die Menge.
Gigantisches Spektakel
Die Briten inszenierten mit mehr als 60 Tonnen Klang- und Video- Ausrüstung auf der 70 Meter breiten Bühne ein gigantisches Spektakel mit Feuerwerk und Lichteffekten aus rund 1200 Scheinwerfern. Die Zuschauerränge erwiesen sich als technisch weniger ausgereift: Mitten im Konzert gab eine Sitzreihe nach, Sicherheitskräfte räumten die mit mehreren hundert Menschen besetzte Tribüne wegen Einsturzgefahr. Verletzt wurde aber niemand.
Bei Temperaturen über 30 Grad hatten die umstrittenen Böhsen Onkelz als Vorgruppe eingeheizt. Wegen der rechtsradikalen Vergangenheit der Band waren mehrere Sponsoren des Konzerts abgesprungen. Viele Fans waren jedoch eigens wegen der Onkelz um ihren tätowierten Frontmann angereist. "Wir sind doch nicht wegen der Rock-Opas hier", kommentierte der 19-jährige Steffen aus Magdeburg. Selten hat ein Konzert gegensätzlichere Fangruppen zusammen gebracht. Die Stimmung blieb nach Polizeiangaben friedlich, obwohl kahl geschorene Jugendliche neben zum Teil ergrauten Stones-Anhängern samt ihren Familien standen.
"Jumpin' Jack Flash" als Zugabe
Die achtjährige Anita aus Wedemark bei Hannover hat während des Stones-Auftritts fast die ganze Zeit auf den Schultern ihres Vaters gesessen. "Ich kannte ganz viele Lieder, weil wir alle CDs zu Hause haben", erzählte sie. Gerhard Graupmann (53) war "begeistert von der Bühnenshow und der Atmosphäre. Wenn die nochmal nach Deutschland kommen, gehe ich auf jeden Fall wieder hin."
Vorerst verabschiedeten sich die Rolling Stones nach zwei Stunden mit ihrem Klassiker "Jumpin' Jack Flash" als Zugabe. Jagger warf Kusshände ins Publikum, das sich auf seine Weise bedankte: "Keep on rocking" (Rockt weiter) hatten einige Fans auf Plakate geschrieben. Die Stones werden sich sicher daran halten.
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