Neue Trendwelle: Swing mischt die Charts auf
zuletzt aktualisiert: 06.06.2005 - 13:58Berlin (rpo). Swing ist wieder in! Das haben Stars wie Robbie Williams, die No Angels und sogar Patrick Linder gezeigt, als sie sich damit auf unbekanntes Terrain begeben haben. Mit Erfolg haben sie die Chart aufgemischt und ihnen eine andere Note verliehen. Aber man hört die Swing-Welle nicht nur, sondern sieht sie auch. Im 30er Jahre-Style stellen sich die Künstler dem Kampf um den zweiten Frank Sinatra.
Robbie Williams hatte schon früh eine Nase für die alten amerikanischen Schlager und den neuen Schaukel-Boom. 2001 veröffentlichte er das Album "Swing When You Are Winning", mit dem er erfolgreich in die Fußstapfen seiner Vorbilder Frank Sinatra, Sammy Davis Jr. und Dean Martin trat.
Von dem britischen Superstar beflügelt entdeckten auch die No Angels den Swing: 2002 brachten sie die CD "When The Angels Swing" auf den Markt, auf der sie ihre Hits neu arrangiert von Jazz-Trompeter Till Brönner präsentierten. Rod Stewart wagte sich 2002 mit der Platte "It had to be you... The Great American Songbook" auf ungewohntes Terrain und interpretierte 14 amerikanische Swing-Klassiker der 30er Jahre.
Selbst Schlagersänger Patrick Lindner veröffentlichte im März sein Album "Gigolo" mit internationalen Swing-Songs - von "Moon River" über "Ain't she sweet" und "Raindrops keep falling on my head". "Diese CD ist die Erfüllung eines lang gehegten Traumes", verriet er.
Der Fernsehsender ProSieben ließ jüngst mit der Gala "Alive and Swingin'" das legendäre "Rat Pack" wieder aufleben. Wie einst Sammy Davis Jr., Frank Sinatra, Dean Martin und Joey Bishop begeisterten Xavier Naidoo, Reamon-Sänger Rea, Sasha und Comedian Michael Mittermeier, begleitet von einer Big Band, auf der Bühne.
Angesteckt von der stilvollen Pink-Panther-Atmosphäre swingt jetzt auch Klassiksänger Jochen Kowalski. Gemeinsam mit dem Capital Dance Orchestra trat der Star der Berliner Opern jüngst im Konzerthaus am Gendarmenmarkt auf - und präsentierte dort neben Hits von George Gershwin und Cole Porter auch russische Swingsongs.
Aktuelle Shooting-Stars der neuen Swing-Welle sind die smarten Dressmen Michael Bublé und Jamie Cullum. Während der Kanadier Bublé nach seinem Album "It's Time" (2005) von der Musikbranche bereits als "Frank Sinatra des 21. Jahrhunderts" gefeiert wird, wurde dem Briten Cullum nach seinem Album "Twentysomething" (2004) der Name "David Beckham des Jazz" verpasst. Auch die deutsche Band Wir sind Helden kommt mit dem Song "Gekommen um zu bleiben" dem Swing verdächtig nah.
Swing entwickelte sich in den 20er Jahren in den USA vor allem in den schwarzen Jazz-Bands von Fletcher Henderson und Duke Ellington. Zum Massenphänomen wurde die Tanzmusik Mitte der 30er Jahre durch die Orchester von Benny Goodman und Count Basie. In seiner Blütezeit war der groovige Sound auch mit wilden Tänzen verbunden. Swing galt nicht nur als Tanz, sondern auch als Ausdruck eines Lebensgefühls.
Warum die Gassenhauer von damals derzeit wieder angesagt sind, weiß der Vorsitzende des Vereins New Swing Generation in Hamburg, Norbert Michels: "Wenn man Swing hört, ist man gleich besser drauf, das hat was von Lebensfreude, das wollen viele Leute wieder." Für den Chefredakteur der Jazzzeitung, Andreas Kolb, ist Swing "Musik, die ins Ohr geht und im Ohr bleibt". Daher finde Swing alle Jahre wieder ein großes Publikum - ähnlich wie Modetrends wiederkehrten.
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