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Konzert in Köln
All-American-Girl: Taylor Swift feiert mit 30.000 Freunden

Fotos: Köln: Taylor Swift rockt die Lanxess Arena
Fotos: Köln: Taylor Swift rockt die Lanxess Arena FOTO: dpa, ve lof
Köln. Country war gestern. Heute ist Taylor Swift der größte amerikanische Popstar und auch in Deutschland hat sie leichtes Spiel: Die Kölner Arena ist zu den einzigen Deutschland-Stationen ihrer 1989-Tour zweimal in Folge ausverkauft. Von Max Florian Kühlem

Zweimal reisen 15.000 Fans auch aus den Nachbarländern an, verkleiden sich als Einhörner oder Prinzessinnen, werden zu Swifties. Es sieht aus, als stünden überall Kindergeburtstags-Grüppchen, aber die jungen, mit Leuchtketten behangenen Mädchen schmücken sich mit IHREN Insignien: Der 13, Taylor Swifts Glückszahl, den Buchstaben T und S – und natürlich der 1989.

"1989" ist nicht nur Taylor Swifts Geburtsjahr, es steht als Titel ihres aktuellen Albums auch für ihre Neugeburt. Das Album erinnert in keinem Moment an ihre Anfänge als Country-Sängerin. So auch der Live-Auftritt: 15 der 18 Lieder, die sie in gut zwei Stunden spielt, sind von "1989", Songs der Vorgänger spielt sie in 1989-Versionen.

Steht sie einmal allein mit der Gitarre auf dem Mittelsteg, der über staunend offene Münder fliegen kann, dann ist das Ergebnis ("Wonderland") so sehr Pop wie Kanye West und Rihanna, die zu Paul McCartneys Lagerfeuer-Gitarre "Four Five Seconds" singen. Taylor Swifts Entwicklung ist allerdings keine Glattbügelung oder Annäherung an den Mainstream. In Amerika ist eher die Inszenierung als nettes Country-Mädchen (konservativer) Mainstream. Ihre Hinwendung zum Pop ist eine Emanzipation, Ermutigung, Ermächtigung.

Dabei hat die 25-Jährige keine Provokation nötig: Sie spielt nicht mit religiösen Symbolen wie Madonna oder einer übersexualisierten Show wie Miley Cyrus oder Kylie Minogue. Taylor Swift ist eine neue Version des All-American-Girls: Sie gibt sich unglaublich sympathisch, hat ein reines Zahnpasta-Lächeln wie Doris Day, bedankt sich mehrfach bei ihren Fans für's Kommen, sagt, sie seien alle Freunde.

Fotos: Taylor Swift kann ihre Billboard Music Awards 2015 kaum halten FOTO: ap

"Man spürt voll, dass sie ein gutes Herz hat", sagen die Mädchen aus Reihe zwölf. Dabei blinken ihre Funkarmbänder und machen sie zum Teil einer gigantischen Inszenierung, die leichthändig mit denen aller anderen großen Megastars mithalten kann. Aber die Sängerin ist ein All-American-Girl, das sich auch Meinungen leistet: Sie spricht gern über die Gleichberichtung der Frau – und so unangestrengt wie sie das tut, inszeniert sie sich in Köln im Mittelpunkt der Choreographien von akrobatisch tanzenden Jungs.

Sie vollführt den Spagat, gleichzeitig gegen Verramschung von Musik in den Streaming-Diensten einzustehen und ein supersüßes Katzenvideo – der stabilste Internet-Trend überhaupt – im Breitwand-Format zu präsentieren. Dass hier 14 bis 18-Jährige textsicher Hits von "Blank Space" bis zum genialen "Shake It Off" mitsingen, obwohl sie sie nicht bei Spotify oder Napster laden können, ist die Kunst der Taylor Swift. Den riesigen Jubel hat sie sich verdient.

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