Tourstart in Mannheim: Toten Hosen "machen mal lauter"
zuletzt aktualisiert: 22.11.2008 - 12:49Mannheim (RPO). Die Toten Hosen sind zurück auf der Bühne: Vor mehr als 10.000 Fans eröffneten die Düsseldorfer Punk-Rocker am Freitagabend ihre "Machmallauter"-Tournee in Mannheim. Im Gepäck hatten sie die Songs ihres neuen Albums.
Ein textsicheres Publikum, eine spielfreudige Band und hohe Dezibel-Werte - zwei Stunden lang heizten die "Hosen den Zuschauern in der ausverkauften SAP-Arena mehr als zwei Stunden lang kräftig ein - nicht nur mit den Songs des neuen Albums "In aller Stille", sondern auch mit vielen Hits und Klassikern aus der mittlerweile mehr als ein Vierteljahrhundert langen Bandgeschichte.
"Hey ho, let's go" tönt es aus den Boxen, zu den Klängen des "Blitzkrieg Bop" der Punkrock-Legenden Ramones werden die Totenkopf-Fahnen an den beiden Seiten der Bühne gehisst. "Wollt Ihr, dass es endlich losgeht?", ruft Sänger Campino dem Publikum zu und stimmt die aktuelle Single "Strom" an. Die Energie, die in dem Song beschworen wird und sich auf dem gesamten neuen Album zeigt, zieht sich auch durch das ganze Konzert.
Die gestandenen Mittvierziger auf der Bühne zeigen sich glänzend aufgelegt. Bald 30 Jahre Punkrock haben zwar im Gesicht von Andreas Frege alias Campino Spuren hinterlassen, doch die Spagatsprünge gelingen noch immer einwandfrei. Bei den Zugaben entblößt er einen auffällig gut durchtrainierten Oberkörper, an dem sich trotz des beachtlichen Dosenbierkonsums an diesem Abend kein Gramm Fett befindet. Bassist Andi Meurer und Gitarrist Michael "Breiti" Breitkopf rochieren auf der Bühne wie die Stürmer der TSG Hoffenheim, während der andere Gitarrist Andreas "Kuddel" von Holst als ruhender Pol meist die Mitte hält.
Publikum macht Textschwächen Campinos wett
Die Stücke gehen oft ohne Pause ineinander über, nur die wenigen Balladen bieten kurze Verschnaufpausen. Dabei präsentiert sich das Publikum auch bei den Songs des erst eine Woche zuvor erschienen neuen Albums äußerst textsicher - im Gegensatz zu Sänger Campino, der gewisse Unzulänglichkeiten bei der Live-Premiere auch freimütig einräumt: "Heute gibt es einen Härtetest nach dem anderen", sagt er.
Die textlichen Schwächen fallen aber auch kaum ins Gewicht, weil der Sound oft so abgemischt ist, dass Campinos Stimme im Lärmgewitter aus Gitarren, Bass und Schlagzeug untergeht und die Fans in der Halle ohnehin stimmgewaltig mitgrölen. Bei Klassikern wie "Hier kommt Alex" (1988) oder "Pushed Again" (1998) erreicht der Publikumschor rekordverdächtige Dezibel-Werte. Und der Song "Wünsch Dir was" wird sogar von der Menge angesungen, ehe die Band spontan einstimmt.
Leise können die Toten Hosen nicht so gut. Zwar nahm die Band vor drei Jahren im Wiener Burgtheater das akustische "Nur zu Besuch"-Album auf - bei den Songs, die in Mannheim zur ersten Zugabe unplugged gespielt wurden, hatte man jedoch den Eindruck, dass es vor allem darum ging, Instrumenten ohne Strom den größtmöglichen Lärm zu entlocken.
"Stefan Mross stahl mir meine Trompete"
Gelungen dagegen der Ausflug in andere musikalische Gefilde. "Bevor ich nach Hollywood geholt wurde, habe ich Trompete gespielt", erzählt Campino in Anspielung auf seine Rolle im neuen Wim-Wenders-Film "Palermo Shooting". Er sei der Star der Volksmusik gewesen - bis Stefan Mross kam. "Stefan Mross stahl mir meine Trompete, dann stahl er mir meine Frau." Dass Campino dann statt Volksmusik Jazz anstimmt, ist zwar ein kleiner Bruch in der Logik, ungeachtet dessen hält er sich aber recht beachtlich an dem Blechblasinstrument.
Langsam schält sich aus den Klängen die Melodie von "Eisgekühlter Bommerlunder", bis der Jazz abbricht und der Punkrock wieder die Regie in dem berüchtigten Trinklied übernimmt, mit dem der Band vor 25 Jahren der erste Erfolg gelang. Andere Songs aus den frühen Jahren wie "Opelgang", "Liebesspieler" oder "Reisefieber" spielt die Band dagegen nur in einem Medley kurz an. Das Punkrock-Glaubensbekenntnis "Wort zum Sonntag" fehlt ganz.
Lieber Hoffenheim als der FC Bayern
Natürlich darf auch das Thema Fußball nicht fehlen, "in der Stadt, die uns Sepp Herberger (früherer Fußball-Bundestrainer) geschenkt hat", wie Campino erklärt. Dabei offenbart der erklärte Bayern-München-Hasser und fanatische Anhänger des Drittligisten Fortuna Düsseldorf in der SAP-Arena sogar Sympathien für den regionalen Retortenverein von Milliardär Dietmar Hopp. "Hoffenheim ist für eine Saison ein großartiger Gag. Ich hoffe, dass sie dieses Jahr gegen Bayern gewinnen", sagt Campino und stimmt das "Ich würde nie zum FC Bayern gehen"-Lied an, zu dem auf den Videoleinwänden Szenen des 7:1-Siegs von Fortuna Düsseldorf gegen den deutschen Rekordmeister vor ziemlich genau 30 Jahren gezeigt werden.
Mit "You'll Never Walk Alone" - der Stadionhymne von Campinos anderem Lieblingsverein FC Liverpool - werden die Fans nach Hause geschickt. Und tatsächlich haben die Toten Hosen viel von einem Fußball-Verein - nicht nur wegen der Stadtionatmosphäre bei den Konzerten. Viele halten der Band wie einem Club seit Jahren und Jahrzehnten fanatisch die Treue. In guten wie in schlechten Zeiten, die Toten Hosen sind eine der wenigen Konstanten in einer Welt, in der ständig alles im Fluss ist.
Alle Infos rund um die Tour gibt es auf der Internetseite der Band.
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