Duett mit Ben Becker: Vicky Leandros und die "bösen Jungs"
VON JÖRG ISRINGHAUS - zuletzt aktualisiert: 20.10.2010 - 09:04(RP). Vicky Leandros singt auf ihrer neuen Platte ein ungewöhnliches Duett mit Ben Becker. Im Frühjahr geht die 58-Jährige auf Tournee. Ein Gespräch über den Eurovision Song Contest, über Politik und Applaus.
Sie haben ein Duett mit Ben Becker eingesungen. Wie passen der "Bad Boy" Becker und die Grande Dame Vicky Leandros zusammen?
Vicky Leandros Finden Sie, dass Ben Becker ein Bad-Boy-Image hat? Dann habe ich aber mit vielen bösen Jungs gearbeitet – zum Beispiel mit Lukas Hilbert von der Gruppe Roh. Die haben sogar einmal bei einem MTV-Auftritt eine Gitarre zerschlagen.
Sie haben aber auch mit dem eher soften Sänger Xavier Naidoo kooperiert.
Vicky Leandros Ja, Xavier hat mir ein wunderbares Album produziert und komponiert. Und Ben mag ich als Menschen und schätze ihn als großartigen Schauspieler. Wir verstehen uns einfach gut.
Wie kam das ungewöhnliche Duett überhaupt zustande?
Vicky Leandros Ich hatte schon lange die Idee, ein Album mit französischen Welthits aufzunehmen, darunter das Lied "Paroles, Paroles". Im Original singt Alain Delon den männlichen Part. Als Ben und ich uns in einem Berliner Lokal abends mal trafen, habe ich ihn einfach gefragt. Ich hatte diese wundervolle, tiefe Stimme im Ohr. Er hat spontan zugesagt. Oft kommen solche Projekte, die in einem Lokal geboren worden sind, dann nicht zustande. In diesem Fall war es eben anders.
Sie gehören zu den Musikerinnen, die dem Eurovision Song Contest viel verdanken. 1967 wurden Sie Vierte, 1972 haben Sie gewonnen. Welchen Stellenwert hatte die Veranstaltung?
Vicky Leandros Damals wusste man – wenn man gewinnt, bedeutet das zumindest eine Karriere in Europa. Bei mir kam der Erfolg bereits mit dem vierten Platz mit "L'amour est bleu". Das Lied hat mir die Türen ins Ausland geöffnet. Natürlich hat sich durch den Sieg mit "Apres toi" dieser Weg dann weiter bestätigt.
Wo steht der Grand Prix heute?
Vicky Leandros In den vergangenen zehn Jahren waren die Erstplatzierten keine internationalen Erfolge. Lena ist die erste Sängerin, die es wieder geschafft hat, in vielen Ländern auf Platz eins zu stehen.
Wären Sie als Siegerin ein zweites Mal angetreten?
Vicky Leandros Manchmal ist man eben übermütig und versucht es noch einmal – es könnte ja klappen.
Was sagen Sie dazu, dass der Eurovision Song Contest 2011 in Düsseldorf stattfindet?
Vicky Leandros Eigentlich gehört der Grand Prix in die Hauptstadt. Allerdings habe ich schon viele stimmungsvolle Konzerte in der Tonhalle gegeben. Ich glaube, dass die Düsseldorfer den Grand Prix gut ausrichten werden.
Warum haben Sie 2008 den Job als Vize-Bürgermeisterin der griechischen Hafenstadt Piräus aufgegeben?
Vicky Leandros Grundsätzlich war das eine Erfahrung für mich, die ich nicht missen möchte. Ich habe über 100 Menschen geführt und mit ihnen Projekte verwirklicht. Um etwas zu bewegen, muss man jedoch Tag und Nacht im Rathaus sein. Am Wochenende hatte ich noch viele Auftritte. Irgendwann wurde mir das alles gesundheitlich zu viel, und ich musste mich entscheiden. Das war nicht ganz leicht.
Was ist befriedigender – ein Leben als Musikerin oder als Politikerin?
Vicky Leandros Wenn man etwas bewirken kann zum Wohle einer Stadt, kann das sehr befriedigend sein. Meistens erntet man aber für das, was man tut, keinen Dank. Als Musiker steht man auf der Bühne und bekommt am Ende Applaus – das ist ergreifend und schön.
Waren Sie froh, vor der Krise Ihr Amt abgegeben zu haben?
Vicky Leandros Die Krise war absehbar und die Situation in Griechenland unübersichtlich. Und das war auch ein Grund für meinen Rücktritt.
Wird es jemals wieder eine Politikerin Vicky Leandros geben?
Vicky Leandros Ich kann Ihnen keine Garantien dafür geben, was in meinem Leben passiert. Ich bin ein neugieriger Mensch, ich will wissen, was passiert in der Welt und wie ich mich einbringen kann. Und daran wird sich nichts ändern.
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