| 17.53 Uhr

Wacken Open Air 2015
Von Dudelsäcken, Kettensägen und brummenden Bässen

Fotos: Wacken 2015 eröffnet mit einer Schlammschlacht
Fotos: Wacken 2015 eröffnet mit einer Schlammschlacht FOTO: dpa, ahe axs
Wacken. Die Wolken haben sich verzogen, beim Wacken-Festival steht wieder gute Laune auf dem Programm. Tausende Metal-Fans warten auf den Auftritt der Kultband Running Wild - und vergnügen sich inzwischen mit skurrilen Alternativen.

Dudelsäcke, Kettensägen und lautstarke Bässe dröhnen über die Schlammlandschaft von Wacken. Stagediving: Mit schmutzigen Schuhen liegt der Sänger der norwegischen Band Kvelertak über der Menschenmenge, hinter ihm ist die Fahne seiner Nation über den Fans ausgebreitet. Tausende Metal-Fans haben sich am Vormittag durch knietiefen Matsch von den überschwemmten Zeltplätzen zu den Hauptbühnen durchgekämpft. Denn am zweiten Tag des 26. Wacken Open Air (W:O:A) steht wieder die Musik im Mittelpunkt - und zwei unerwartete Premieren.

Besonders die älteren deutschen Fans freuten sich auf diesem Tag: Die Kultband Running Wild hatte sich mit ihrem ersten Auftritt seit sechs Jahren angekündigt. Drei Männer sitzen mit ausgestreckten Beinen auf einem der wenigen trockenen Plätze auf dem ganzen Festivalgelände vor einem Imbissstand. Auf Rindenmulch haben sie ihre Gummistiefel ausgezogen und genießen die Sonnenstrahlen.

"Wir müssen heute bis zum Schluss in der Nacht durchhalten. Running Wild mochte ich schon, als ich jung war", sagt der 51-jährige Michael aus Hannover. Am Abend wollen sie sich auf der Partystage noch die Band Oomph! anhören. Dort sollen einige Lieder ihres neuen Albums "XXV" präsentiert werden, das an genau diesem Tag veröffentlicht wird.

Wie sich die Heavy-Metal-Fans im Moshpital entspannen, sehen Sie im Video.

Fans trocknen ihre T-Shirts auf den Zelten, ein Mann putzt seine schlammbedeckten Schuhe mit einem Lappen. "Man kann es ja mal versuchen", sagt er. Nur ein paar Meter weiter stampfen die Festivalbesucher durch den zähen Morast und sinken mit jedem Schritt tiefer ein. Die Schwedin Anna wird von ihren drei Freundinnen aus dem Matsch gezogen. Ihr linker Gummistiefel bleibt jedoch im Boden stecken. Rund eine Stunde brauchen die Frauen, um von ihrem Zeltplatz zu der Bühne zu kommen. "Die Bands sind alle Anstrengungen wert", sagt eine von ihnen.

Etwas abseits von den Hauptbühnen bieten das Duo der "Blood Babes" eine skurrile Alternative zu den Musikshows. Dreimal pro Festivaltag erschrecken die beiden Stripperinnen zu Death-Metal-Klängen ihre Gäste mit der Kettensäge, bearbeiten sie mit einer Gerte und überschütten sie mit Kunstblut. Rund 100 Männer und Frauen beobachten das Geschehen. Am Ende ist ein Ehrengast aus dem Publikum kopfüber mit roter Farbe beschmiert. "Das Blut und das ganze - das ist schon ein bisschen geil. Das passt zu Wacken", sagte Blood Babe Madlen, die in Leipzig eigentlich als Sekretärin arbeitet.

Zu den Klängen der brasilianischen Band Sepultura tanzen zwei junge Männer in einer metergroßen Pfützen. Dreck spritzt herum, die beiden landen mitten im Wasser und lachen laut. "Der Regen ist weg - jetzt machen wir das beste daraus", ruft der Mann einer Menschentraube zu.

Einen Einblick in die Welt der besonderen Spezies "Wacken-Besucher" bekommen Sie im Video.

(dpa)
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