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Deutsche Städte in englischen Songs
Warum eine kanadische Band ein Lied "Duisburg" genannt hat

Warum eine kanadische Band ein Lied "Duisburg" genannt hat
Schimanski hat Duisburg ein Denkmal gesetzt – die kanadische Band "Folly And The Hunter" aber auch. FOTO: Outside Music
Düsseldorf. Es liegt für ausländische Musiker nicht nahe, ihre Songs "Duisburg", "Leipzig" oder "Düsseldorf" zu nennen. Einige haben trotzdem genau das getan. Warum bloß? Eine Übersicht. Von Sebastian Dalkowski

Duisburg (Folly And The Hunter)

Warum schreibt eine kanadische Indie-Pop-Band einen Song über eine Stadt im Ruhrgebiet? Vielleicht eine Hommage an Schimanski? Die Wahrheit ist ein wenig unromantischer: Die Idee zum Song entstand auf Tour an einem Klavier in Duisburg. Er handelt laut Sänger Nick Vallee von Selbstkritik. "Wenn du unrealistisch hohe Erwartungen an dich stellst und dich deshalb mies fühlst.” Dabei klingt der Song sehr hübsch.

Düsseldorf (Teleman)

Der Song "Düsseldorf" ist nicht nur in Düsseldorf entstanden, er handelt auch von Düsseldorf. Bands mögen es, die Songs nach der Stadt zu benennen, in der sie entstanden sind. Sänger Tom der englischen Band "Teleman” beschreibt in dem ziemlich eingängigen Song "Düsseldorf”, was er in eben dieser Stadt erlebt hat. Vor allem geht es um das "girl from Düsseldorf". Auch von einem Karussell ist die Rede. Es muss ein Karussell auf dem Weihnachtsmarkt sein, weil die Band im Dezember 2014 ein Konzert in Köln spielte. Tom spricht Düsseldorf eher wie "Dusseldorf” aus. "Wir spielen es jede Nacht, aber wir können es echt nicht aussprechen”, verriet die Band. Im Song spricht eine Frau auch die deutsche Übersetzung des Textes. Es ist die Berliner Freundin des Tontechnikers.

Auch der Bandname hat mit Deutschland zu tun. Georg Philipp Telemann war ein deutscher Komponist (1681–1767).

Cologne (Ben Folds)

Ob "Cologne" in Köln geschrieben wurde, ist unbekannt - doch der Song spielt dort. Und ist wahnsinnig traurig. Ben Folds singt in Begleitung seines Klaviers einen Break-Up-Song. Ein Mann besucht seine Freundin in Köln, sie ist gerade in Europa. Deuten lässt sich die Sache so: Sie will in Europa bleiben, er wird ohne sie wieder in die USA fahren. "Such a painful trip to find out this is it / And when I go to sleep You'll be waking up.” Ben Folds hat Erfahrung mit Trennungen: Er war viermal verheiratet.

Bochum (Six By Seven)

Chris Olley, der Sänger der britischen Rockband "Six By Seven", schrieb den Loop zu Beginn des Songs, der vollständig "Bochum (Light Up My Life)” heißt, auf seinem Laptop – just in dem Moment, als die Bahn mit dem Tourbus auf der Autobahn an Bochum vorbeifuhr. Sie wird dann auch Teil der Handlung. Die Stadt kommt dort nicht mal ansatzweise so gut weg wie in Herbert Grönemeyers "Bochum”: "Bochum I don't need you now I don't need your town anymore”. Gemeint ist damit, dass er die Vergangenheit hinter sich lassen will, um sich auf die Zukunft zu freuen. Im Refrain besingt er euphorisiert seine Tochter.

Olleys Beziehung zu Deutschland reicht aber weiter. Als er noch kein Jahr alt war, wurde sein Vater, ein britischer Soldat, nach Münster versetzt. Die Familie zog mit. Olley blieb dort bis zur Volljährigkeit. Seine Mutter kommt aus Recklinghausen. Weshalb er zum Schalke-Fan wurde. Da durfte er den Rivalen Bochum selbstverständlich nicht allzu sehr loben.

Berlin (Lou Reed)

Einen Song nach der deutschen Hauptstadt zu benennen, ist nicht gerade originell. Lou Reed war 1973 immerhin einer der ersten. Er taufte nicht nur ein Konzept-Album "Berlin", sondern auch eines der Stücke. Das Album handelt von einem Junkie-Paar, das sich in Berlin mit seinem Bohemian-Lifestyle durchschlägt. Der Song "Berlin” klingt so überhaupt nicht nach Berlin, nämlich ziemlich ruhig.

Berlin (Black Rebel Motorcycle Club)

Die amerikanische Retro-Rockband Black Rebel Motorcycle Club hat es sich sehr einfach gemacht. Sie schrieb einen Song in Berlin und als sie in später spielen wollte, sagte sie "Spiel diesen Song aus Berlin”. Der Name blieb. Robert Levon Been, Sänger und Gitarrist der Band, sagte mal in einem Interview: "Zumindest haben wir es nicht Delaware genannt."

Das Video zum Song kann man sich hier ansehen.

Munich (Editors)

Weder spielt dieser Song der britischen Postpunkband Editors in München noch wurde er dort geschrieben. Sänger Tom Smith bemerkte dazu in einem Interview nur lapidar: "Es gibt keinen wirklichen Grund, warum der Song 'Munich' heißt. Ich könnte sagen, dass ich den Song in einem Bordell in München geschrieben habe, aber das habe ich nicht." Ein starker Song ist "Munich” trotzdem. 2005 verhalf er der Band zum Durchbruch.

Hamburg (A Balladeer)

Einst verbrachte der Niederländer Marinus van Goederen, der als Singer/Songwriter "A Balladeer" heißt, ein Wochenende im winterlichen Hamburg. Er übernachtete in einem Hotel, das im 19. Jahrhundert ein Bordell gewesen war. Überraschung. Das Cover des Albums, auf dem der Song erschienen ist, ziert ein Foto von einem Autounfall auf einer deutschen Autobahn. Marinus war als Kind mit seiner Familie an dem Unfall beteiligt.

Das gerade mal 1:21 Minuten lange Stück kann man sich hier anhören.

Leipzig (Balthazar)

Noch so eine Band, die sich fragte "Wie nenn ich denn mal diesen Song? Ach, in welcher Stadt bin ich gerade?” Balthazar, eine belgische Rockband, weilte in Leipzig, als ihr ein Song einfiel, den sie sogleich im Bus aufnahm. Immerhin war ihre Wahl nicht so zufällig wie die jener Band, mit der sie gerade tourten: den Editors.

Bremen (PigPen Theatre Co.)

Worüber könnten Musiker in einem Song über Bremen wohl singen? Richtig. Die amerikanische Band PigPen Theatre Co. erzählt noch einmal die Geschichte von den Bremer Stadtmusikanten, die wie auch in der Version der Gebrüder Grimm nie in Bremen ankommen, weil sie unterwegs ein Räubernest ausrauben und dort bleiben.

Jena (John Mellencamp)

Der amerikanische Singer/Songwriter singt tatsächlich über eine Stadt namens "Jena". Allerdings liegt die in Louisiana. Benannt wurde die allerdings nach der Stadt in Ostdeutschland. Weil sie 1906, hundert Jahre nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt, gegründet wurde. In dem Song geht es allerdings nicht um die Entstehungsgeschichte der Stadt, sondern die Ereignisse um die "Jena Six". Sechs schwarze Teenager in Jena, die 2006 verurteilt wurden, einen weißen Studenten geschlagen zu haben. Der Fall sorgte für Proteste, weil ähnliche Fälle in Jena, in denen weiße Jugendliche die Täter waren, nachsichtiger behandelt worden sein sollen. Ganz korrekt spricht Mellencamp "Jena” nicht aus. Gina heißt die Stadt jedenfalls nicht.

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