Deutscher Beitrag zum Grand Prix: Warum Roger Cicero Frauen unterschätzt
VON JUDITH CONRADY - zuletzt aktualisiert: 11.03.2007 - 18:16Düsseldorf (RPO). Roger Cicero fährt für Deutschland zum Grand Prix nach Helsinki. Im Gepäck hat er ein Lied, das beim ersten Hinhören wie eine Ode an die Frauen klingt. Doch wer genauer hinhört, merkt: Hier werden Frauen maßlos unterschätzt – trotz des Titels „Frauen regier'n die Welt“.
Cicero singt von den Waffen einer Frau: Augenaufschlag, Lächeln, Dekolletee. Waffen, die eine Schwäche der Männer ausnutzen - die fürs Weibliche nämlich. Er beschwört das Bild der Frau herauf, die Männer mit ihrem Charme dazu bringt, ihre Meinung zu ändern. Die Männer mit einem geheimnisvollen Lächeln oder lasziven Augenaufschlag manipulieren kann: Hinter einem mächtigen Mann steht eine Frau, die noch mächtiger ist, weil sie die Macht über ihn hat. Das ist nicht nur ein fragwürdiges Frauenbild. Auch die Männer kommen schlecht weg: Sie sind hilfloses Opfer mehr oder weniger plumper Manipulation.
"Ein lasziver Blick Und schon ändert sich deine Politik
Kein Boss und kein Actionheld
Kein Staat und kein Mafiageld
Frauen regier'n die Welt"
Unrecht hat Cicero nicht: Natürlich gibt und gab es Frauen, die auf dem Umweg über einen Mann große Macht haben. Doch die schönsten Siege sind die, die Frauen auf andere Weise erringen. Mit Verstand statt Wimpernklimpern, mit Raffinesse statt mit tiefem Ausschnitt.
Die Frauen, die tatsächlich die Welt regieren, haben mit den verführerischen Wesen aus Ciceros Lied wenig gemeinsam: Angela Merkel, Condoleezza Rice, Maggie Thatcher. Das sind Frauen, die in der Liga der Männer mitspielen, nach männlichen Spielregeln. Die sich ihren Einfluss unmittelbar sichern, nicht mittelbar. Die selbst entscheiden, anstatt einem mächtigen Mann ihren Willen einzuflüstern.
Diese Frauen werden ernstgenommen, die mit dem Wimpernklimpern werden es oft nicht. Studien haben bewiesen, dass Frauen, die auf Bewerbungsfotos eher männlich wirken, besonders gute Einstellungschancen haben.
"Wie sie geh'n und steh'n
Wie sie dich anseh'n
Und schon öffnen sich Tasche und Herz
Und dann kaufst du 'n Ring und 'n Nerz"
Wer die Waffen einer Frau einsetzen will, soll das tun. Doch wirklichen Erfolg wird nur haben, wer auch andere Mittel hat. Eine solche Frau kann sich den Nerz selbst kaufen - wenn sie denn will.
Den Ring lassen wir uns übrigens auch in Zukunft gern schenken. Denn auf einem Gebiet sind die Waffen der Frau das Mittel der Wahl: in der Liebe.
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