| 17.31 Uhr

Weezer-Konzert in Köln
Die Schutzheiligen der Schüchternen

Weezer-Konzert 2017 in Köln: Nerd-Hymnen im E-Werk
Stimmungsvoll: Weezer-Konzert am Montagabend im E-Werk. Frontmann Rivers Cuomo stimmte grinsend "In München steht ein Hofbräuhaus" an. Mit einem personalisierten FC-Trikot beschenkt wurde er aber für seine eigenen Songs. FOTO: Weber
Köln. Weezer sind nicht nur die knapp 11.000 Bewohner der Flughafen-Gemeinde Weeze im Kreis Kleve. Englisch ausgesprochen, wie "Freezer", sind Weezer eine ganz besondere Rockband, die Tröster unzähliger Introvertierter, Außenseiter, Nerds, die Schutzheiligen der Schüchternen. Von Tobias Jochheim

2.000 dieser freundlichen Menschen sahen Weezer am Montagabend im Kölner E-Werk, beim zweiten von zehn Konzerten einer 13-tägigen Europatour, der ersten seit mehr als einem Jahrzehnt. Sie bekamen ein großartiges, wenn auch nur 80 Minuten kurzes und kaum mit Ansagen gewürztes Best Of der Bandgeschichte, die am Valentinstag 1992 begann, vor einem Vierteljahrhundert.

Mit "Mexican Fender" stieg das Quartett um Frontmann Rivers Cuomo ein, dem Opener des Ende des Monats erscheinenden elften Weezer-Albums "Pacific Daydream", und dieser Song hat alles, einen kriminell eingängigen hymnischen Refrain vor allem mit den Schlagworten "Summer" und "Love" und Mitsing-"Uuuh-wee-uuh". Mehr braucht es nicht für die Fans dieser kalifornischen, nerdigeren, besseren Version der Sportfreunde Stiller, und viel mehr braucht es ja tatsächlich nicht.

Für 18 Songs nahm die Band ihr Publikum mit zum Wellenreiten ("Surf Wax America") und versicherte ihnen, dass alles gut werde ("California Kids"). Kernbotschaft: Bleibt, wie Ihr seid! Nicht umsonst wurde "I'm gonna do the things that I wanna do / I ain't got a thing to prove to you" am Lautesten mitskandiert, der Refrain von "Pork and Beans". Mehr als ein halbes Dutzend solcher Nerd-Hymnen haben Weezer geschrieben, oft fatalistisch, teils aber auch zart hoffnungsvoll, "El Scorcho" und den "Sweater Song", "Buddy Holly", "Beverly Hills", "The Good Life" und das magische "Island in the Sun", in dessen Video die Musiker mit wilden Tieren spielen.

Rivers Cuomo, dieser unwahrscheinliche Superheld mit Versagensängsten, Kurzarmhemd und Kassengestell, war nach eigener Aussage "mal passiv und mal ein Tyrann, mal Salonlöwe und mal Einsiedler". Jedenfalls kann man ihn kaum hoch genug loben. Cuomo ist der Messias der Mutlosen; schon lange vor Barack Obama hat er  gelobt "Yes, we can!". Unsicheren, ungeküssten, angeblich uncoolen Menschen haben die Songs des inzwischen 47-Jährigen viel gegeben, namentlich: Selbstvertrauen, Mut und eine gesunde Portion Trotz. Live inbrünstig mitgesungen entfalten die Stücke, akribisch zusammengefrickelt aus Cuomos umfangreichen digitalen Archiven von Gitarrenriffs, Melodien, Worten, Halbsätzen, ihre Wirkung noch besser als aufgezeichnet.

Warmes gelbes Licht von hunderten Glühbirnen pulsierte am Montagabend im Bandlogo, dem geflügelten "W", und als es erlosch, waren die Zuhörer nicht nur getröstet durch Cuomos Versprechen "We‘ll see you very soon!", sondern auch davon, dass es nicht etwa dunkel wurde: Erst war da die Saalbeleuchtung, und dann draußen bei sommerlichen 18 Grad das Licht von Millionen Sternen.

Am Samstag, 21.Oktober, spielen Weezer in Tilburg (NL).

 
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