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Drittes Album erscheint Freitag: Wir sind Helden: Weg zum Glück

VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 24.05.2007 - 21:59

Düsseldorf (RP). Die Berliner Band veröffentlicht Freitag ihr drittes Album. Es heißt „Soundso“, versteckt seine Schönheit ziemlich gut und klingt nach dem Anfang vom Ende. Sängerin Judith Holofernes formuliert raffinierte letzte Verse. 

Judith und ihre Jungs rocken den Sommer auf vielen Festivals.  Foto: RPO
Judith und ihre Jungs rocken den Sommer auf vielen Festivals. Foto: RPO

Ursula von der Leyen hat einen mächtigen Gegner: den Rock ’n’ Roll. Der hat noch immer bewiesen, dass Beruf und Kinder nicht vereinbar sind. Der Anblick des eigenen Nachwuchses hat dem härtesten Metal-Musiker die falschen Locken aus der Frisur gehauen, Kerle, die vorher sangen, als hätten sie mit Domestos gegurgelt, klangen plötzlich sanfter als Heinz Rühmann bei „La-Le-Lu“.

All die Niedergänge beseitigt die Familienministerin mit einem Fingerzeig: ab morgen in Richtung Plattenhandel und ab nächster Woche in Richtung Spitze der dazugehörigen Profit-Tabelle. Dort wie dort wird „Soundso“ stehen, das dritte Album der Berliner Band Wir sind Helden. Die hat neuerdings fünf statt vier Köpfe, denn Sängerin Judith Holofernes und Schlagzeuger Pola Roy sind seit Dezember Eltern des kleinen Friedrich. Der besitzt zwar einen festen Platz im Tourbus, auf der neuen Platte aber hat er keine Spuren hinterlassen. Stattdessen klingen die Helden nun bisweilen, als hätten sie die Metal-Perücken aufgesetzt oder wollten die Domestos-Gurgler noch links überholen. Aber das ist ein Trick.

Und der geht so: Wir sind Helden haben als erste Single „Endlich ein Grund zur Panik“ veröffentlicht, ein Lied, von dem das Quartett viel zu bescheiden sagt, es solle „polarisieren“. Zu bescheiden, denn es ätzt und stresst und nervt mit wirrem Elektro-Punk, der auch noch auf derselben Melodie aufbaut wie die allererste Single „Guten Tag“.

Die Abschreckungsstrategie geht noch weiter. Das erste Stück des neuen Albums, „(Ode) An die Arbeit“, ist ein Sprechgesangs-Dialog für „taz“-Abonnenten, der in dem Abzählreim „Und eins und zwei und eins und zwei, und du bist raus“ gipfelt. Noch ein paar fröhliche Trompeten und ein Queen-Gedächtnis-Solo, dann sollte keiner mehr zuhören. Bestens versteckt hinter Lärm, Avantgarde und Heiligendamm-Hymnen finden sich die schönsten Lieder, die es je von Wir sind Helden gab.

In diesen Stücken präsentiert Judith Holofernes ihre Anleitung zum Glücklichsein. Sie liebt, so radikal und bedingungslos sie nur kann, sie stolpert lieber blind herum auf der Suche nach ihrem Liebsten, als ohne Vertrauen zu leben, sie weiß oft nicht, ob sie singen oder weinen soll, sie weigert sich, weise zu sein und liegt stattdessen lieber instinktiv richtig. Letzteres gilt auch für alle Bilder und Metaphern des Albums. Judith Holofernes würde niemals von einer „geilen Zeit“ singen oder vom Besten, der ihr jemals passiert ist. Sie spielt mit dem Max-Frisch-Zitat „Ich bin nicht Stiller“ und ergänzt es um „Nur die Worte verfehlen ihr Ziel“, sie schreit „Hände hoch, die Welt hat dich umstellt“, sie fragt: „Was ist so lustig an Liebe und Frieden?“

Judith Holofernes blieb trotz Babypause die herzerweichend stärkste Frau der Welt, ihre Bandkollegen aber schritten fort. Da die Sängerin nicht mehr Gitarre spielen konnte, kümmerten sich vor allem Jean-Michel Tourette und Mark Tavassol um Melodien und Produktion. „Soundso“ wirkt deshalb größer, britischer und detailverliebter als seine Vorgänger. Aus der Nachbarschaft zur Neuen Deutschen Welle sind die Helden weggezogen, wenn schon Synthie, dann aber mindestens wie Depeche Mode.

Dennoch scheint die Band an den Anfang vom Ende gekommen zu sein. Erste Motive wiederholen sich, der Hörer sieht die wunderbare Frau Holofernes langsam auf den Abgrund zum Esoterischen tänzeln. Ganz ging der Gedanke offenbar auch an der Sängerin nicht vorbei, denn sie findet ein raffiniertes Ende für die Platte. „Lass uns verschwinden“ heißt das letzte Lied, und es trägt folgende Verse in sich: „Wir lösen uns auf, da kommt keiner drauf.“

Quelle: RP

 
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