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Düsseldorf
Nach dem Spiel ist vor dem Film

Düsseldorf. Bald beginnt das erste NRW-Fußballfilmfestival. Kino und Spiel haben ohnehin viel gemein. Wir stellen die schönsten Fußballfilme vor.

Dass sich der Fußball von den darstellenden Künsten etwas abgeschaut hat, erlebt man jeden Spieltag aufs Neue: Schauspielerische Einlagen haben fast alle Spieler im Repertoire. Vor allem wenn es eng wird, wenn eine Führung über die Zeit gerettet werden muss, krümmen sich scheinbar Versehrte auf dem Platz wie Mel Gibsons Gefolge auf dem Schlachtfeld in "Braveheart". Oft kommen einem die Spiele ohnehin vor wie ein Film, Fans und Reporter nennen das dann einen Krimi oder ein "großes Drama". Wie dokumentarisch wirken die anschließenden Analysen mit Kommentar aus dem Off. Gern genommen werden als Experten ehemalige Profis, echte Typen. Effenberg, Kahn oder Scholl - Charakterdarsteller eben.

Am Montag beginnt das erste NRW-Filmfestival, initiiert von der Landesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte (LAG). Landauf, landab laden die Faninitiativen dortiger Fußballclubs zu Filmvorführungen in Programmkinos und an besonderen Spielorten ein (Programm: www.11-mm.de). In Gelsenkirchen zeigen sie etwa die Komödie "Fußball ist unser Leben" im alten Schalke-Stadion, der Glückauf-Kampfbahn. In Düsseldorf wird der japanische Fußballstreifen "Don't Say That Word" im Kino des Filmmuseums gezeigt, zudem ist eine Podiumsdiskussion zur Homophobie im Fußball geplant. "Fußball soll verbinden", sagt Patrick Arnold von der LAG. Das Festival solle diesen Geist fördern und damit auch rechten Umtrieben in der Fanszene etwas entgegensetzen. Eingeladen ist zu den Veranstaltungen ausdrücklich jeder. Nicht nur Fans eines Vereins.

Anlässlich des Festivals haben wir uns Gedanken über unsere Lieblingsfußballfilme gemacht. Im Folgenden lesen Sie unsere Auswahl.

"Das Wunder von Bern" (von Sönke Wortmann, 2003) Ein Fußballspiel als Kinofilm kann nie so gut sein wie das Original. Aber die Szenen aus dem WM-Finale von 1954 sind die besten, die zum Thema Fußball auf der Leinwand zu sehen waren. Dass Tausende Amateurspieler gecastet wurden, hat sich bezahlt gemacht. Natürlich passt die Geschichte vom schwierigen Verhältnis zwischen Kriegsheimkehrer und Sohn im Nachkriegs-Deutschland nicht immer zur Story um Herberger, Rahn und Co. Aber sie lässt uns an die wunderbare Illusion glauben, dass Fußball Menschen einander näher bringt. Ein schönes Stück Gefühlskino. gw

"Tom meets Zizou" (Doku über Thomas Broich, 2011)

Mozart nannte man ihn, "Denken und siegen" titelte einmal eine Boulevardzeitung. Der Fußballprofi Thomas Broich galt als Ausnahmeerscheinung, nicht nur auf dem Platz, sondern auch daneben. Er fuhr zum Training mit einem Mercedes-Oldtimer vor, er las Gedichtbände von Charles Baudelaire und hörte Carl Orff. Oft tat er das vor laufenden Kameras, der Anfang-20-Jährige wusste sich als Fußball-Bohemien zu inszenieren. Der Filmemacher Aljoscha Pause hat Broich acht Jahre begleitet, bis nach Australien, wo der nicht immer glückliche Fußballer seit 2010 Meistertitel gewinnt. "Tom meets Zizou. Kein Sommermärchen" erzählt von einer ungewöhnlichen Karriere und auch von der Härte des Geschäfts. kl

"Tatort": "Zweierlei Blut" (mit Götz George, 1984)

Alles beginnt im alten Duisburger Wedau-Stadion, wo ein Italiener namens Antonio auf unerklärliche Weise zu Tode gekommen ist. Auch Schimanski bezieht Prügel und atmet nackt den Duft des Fußballrasens. Andere Typen (darunter der junge Dietmar Bär) tragen MSV-Kutten und verhalten sich unzivilisiert. Doch Schimanski weiß die Dinge auf eigenwillige Weise zu regulieren. Hier, in der "Tatort"-Folge "Zweierlei Blut" von 1984, befinden wir uns in einer Welt, in der die Fäuste eine sehr reale Macht sind. Doch weil auch hier die Parole "Faust auf Faust" gilt, kann Schimanski seine private Ehre wiederherstellen. "Zweierlei Blut", einer der besten Schimanski-Krimis, befindet sich auf der DVD "Tatort Duisburg - Schimanski-Box Vol. 2" von Touchstone. w.g.

"The Two Escobars"

(Doku über zwei Escobars, 2010)

Auf den ersten Blick scheint es etwas platt, zwei Biografien in einem Film gegeneinanderzuschneiden, nur weil zwei Menschen denselben Nachnamen haben. Aber "The Two Escobars" ist alles andere als platt, die beiden Zimbalist-Brüder Jeff und Michael nehmen in ihrem Dokumentarfilm von 2010 Drogenbaron Pablo Escobar und Fußball-Nationalspieler Andres Escobar als verbindendes Element, weil die beiden Biografien aus unterschiedlichen Blickwinkeln eine Geschichte der kolumbianischen Gesellschaft in den 1980ern und 1990ern erzählen. Ein Land zwischen der Geißel Drogenhandel und dem Hoffnungsschimmer Fußball. Hoch spannend erzählt. Ohne Happy End. Zwischen Mord und Eigentor. Intensiv. Nachwirkend. Der Film ist auf spanisch mit englischen Untertiteln erhältlich. klü

"Fußball ist unser Leben" (mit Uwe Ochsenknecht, 1999)

Natürlich ist das eine ganz schöne Klamotte. Das ist einer dieser Ruhrpott-Filme mit viel "Datt" und "Watt" und Ralf Richter in einer der Hauptrollen. Der Film spielt auf Schalke, Uwe Ochsenknecht als Taxifahrer Hans Pollak entführt den aus der Form geratenen Stürmerstar Pablo Antonio Di Ospeo. Als Schalke-Vereinsmitglied gehöre der gestürzte Held ihm ohnehin, meint Hans. Er und seine Fanclub-Freunde schicken den verwöhnten Profi jedenfalls die Kohlehalde rauf und runter, bis er fit ist fürs entscheidende Spiel. In Nebenrollen: Tana Schanzara als Oma Käthe, die dem BVB die Daumen drückt. Außerdem treten die Schalke-Größen Rudi Assauer, Charly Neumann und "Yyyyyyves" Eigenrauch auf. Lohnt sich allein deswegen. kl

(kl)
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