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Düsseldorf
Nachfolger gesucht: Was der Neue können muss

Düsseldorf. So ist das nicht nur im Museumsbetrieb: Kaum hat ein Chef, eine Chefin den baldigen Abschied vom Amt kundgetan, dreht sich schon alles um die Nachfolge. Wird sich jemand finden, der gleich oder womöglich besser ist? Welche Akzente soll er oder sie setzen? Beruhigend ist zunächst: Es wird genug fähige Kandidaten für die Nachfolge von Marion Ackermann geben. Denn die Republik ist reich an ehrgeizigen Kunstmuseums-Direktoren, die aus einem mittleren Haus nach Höherem streben. Und wer die Leitung der Kunstsammlung NRW übernimmt, tritt in den Dienst des Landes, nicht in den Dienst einer Stadt wie Köln, die sich zu ihrem Museum Ludwig nur halbherzig bekennt und daher einen Direktor nach dem anderen verschleißt. Von Bertram Müller

Welchen Typus wird die Kommission suchen, die dem Land demnächst Vorschläge für die Nachfolge unterbreiten muss? Die Antwort fällt leichter, als es zunächst scheinen mag. Denn man braucht nur einmal zurückzublicken auf das, was die bisherigen drei Amtsinhaber für die Leitung qualifizierte. Gründungsdirektor Werner Schmalenbach (1920-2010) hatte sich als Direktor der Kestnergesellschaft Hannover mit vielbeachteten Ausstellungen zeitgenössischer Kunst einen Namen gemacht, dazu als Mitglied des Arbeitsausschusses der "documenta" und als Kommissar bei der Kunst-Biennale von Venedig. Ihm traute man zu, ein landeseigenes Museum für moderne Malerei aus dem Boden zu stampfen, samt Neubau, der erst fertig wurde, als der Chef das Renteneintrittsalter gerade überschritten hatte. Durch Erwerbungen von Kandinsky, Mondrian, Picasso et cetera machte er das Museum weltweit bekannt.

Sein Nachfolger Armin Zweite (74) wertete die ursprünglich auf ortsansässige Künstler beschränkte Städtische Galerie im Lenbachhaus, München, zu einem Haus des Blauen Reiters, weiterer Klassiker der Moderne und am Ende auch des Werks von Beuys auf. Diese Erfahrungen kamen ihm zugute, als er dann als Chef der Kunstsammlung NRW ein Feuerwerk großartiger Retrospektiven zur modernen Kunst zündete und nebenbei eine Dependance des Museums einrichtete, um die er sich gar nicht beworben hatte. Während er sich mit Erfolg um einen Erweiterungsbau des Stammhauses am Grabbeplatz mühte, fiel ihm das Ständehaus zu, für welches das Land nach Bezug des neuen Parlamentsgebäudes eine würdige Verwendung gesucht hatte.

Kaum hatte Marion Ackermann (51) ihr Amt in Düsseldorf angetreten, konnte sie sich ebenfalls eines unerwarteten Zuwachses erfreuen: Das Land hatte das sogenannte Schmela-Haus für die Kunstsammlung erworben, um es als Ort der Kultur zu erhalten. Schließlich ist das Haus als Schöpfung des Niederländers Aldo van Eyck ein Architektur- und als Ort ungezählter Avantgarde-Ausstellungen ein Kulturdenkmal.

Ackermann hatte sich ihre Sporen als Leiterin des neu erbauten Kunstmuseums in Stuttgart erworben und von dort ihre Fähigkeit mitgebracht, Kunst auch für ein breiteres Publikum zum Erlebnis zu machen, gerade im Hinblick auf Kinder. Mit einer Fülle von Veranstaltungen und durch Neuorganisation brachte sie Leben in ihre drei Kunststätten K20, K21 und Schmela-Haus. Ihre Ausstellungen zur klassischen Moderne und zur Gegenwartskunst erreichten allerdings nicht ganz den Glanz, den ihre Vorgänger zuwege gebracht hatten, weil die Versicherungssummen für kostbare Leihgaben zur klassischen Moderne in ungeahnte Höhen geschossen waren. Ihr gelangen jedoch bedeutende Ausstellungen zur Nachkriegsmoderne und zur Gegenwartskunst und eine Anzahl wichtiger Erwerbungen. Mit untrüglichem Gespür hielt sie sich auch immer da auf, wo sie mögliche Sponsoren vermutete.

Auch ihr Nachfolger wird über die Fähigkeit verfügen müssen, Geld einzutreiben. Das erwartet die Gesellschaft von einem Museumsdirektor heute offenbar mehr, als dass er sich als Buchautor hervortut, wie Schmalenbach es schaffte. Große Museen sind Event-Maschinen. Wer Erfahrung hat und als Fachmann für moderne Kunst ausgewiesen ist, hat gute Chancen, den Job am Grabbeplatz zu übernehmen.

Quelle: RP
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