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Moyland
"Natur als Kunst" in Moyland

Moyland. Das Museum zeigt die Landschaft im 19. Jahrhundert in Malerei und Fotografie. Von Matthias Grass

Klein ist der "Große Baum". Gerade 19 mal 20 Zentimeter misst das Ölbild auf Holz im schweren Goldrahmen. Und trotzdem hat das Bild die Kraft, eine ganze Wand zu füllen. Die ausladenden kahlen Äste hat der Landschaftsmaler Jean Baptiste Camille Corot, einer der Hauptvertreter der Schule von Barbizon, mit breiten, flotten Pinselstrichen in schneller Nass-in-Nass-Malerei 1865 aufs Holz gesetzt. Die über das Bild fingernden Äste geben ihm ein fast abstraktes, kalligraphisches Muster. Corots "Großer Baum" ist eine Studie, vor Ort entstanden. Voller Spontaneität, geradezu modern.

Nicht weniger modern, ganz und gar nicht realistisch wirken die Felsen bei Trouville, die der Realist Gustave Courbet 1865 auf Leinwand malte. Schwarze Brocken liegen auf dem Sand, die See ist träge, darüber erhebt sich eine pompöse Wolkenfront vor blassblauem Himmel. Am Horizont schmal die glühende Sonne.

75 Ölbilder schwelgen im Museum Schloss Moyland in Landschaften. Die Ausstellung "Natur als Kunst" holt die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts aus der Christoph-Heilmann-Stiftung im Lenbachhaus München an den Niederrhein. Die Malerei im Mittelsaal der Ausstellungshalle wird mit der frühen Landschaftsfotografie in den Galerien der Halle flankiert. "Auf einer Reise von Berlin über München ins französische Barbizon lässt sich die Spannbreite der Natur- und Kunstauffassung des ausgehenden 18. und 19, Jahrhunderts entdecken", sagt Direktorin Bettina Paust.

Die Reise beginnt bei den Malern aus Dresden, Düsseldorf und vor allem München. Auch hier wird wie in Barbizon mit der akademischen Tradition gebrochen. Die Bilder werden spontaner. Moderne Farbtuben und neue, chemische Farben machen das Malen "vor der Natur" einfacher. Das zeigt auch Carl Spitzwegs wunderbarer Blick aus der Ramsau gegen das Dachsteinmassiv von 1836. Als Ölstudie aufs Papier geworfen fängt sie auf 16 mal 28 Zentimeter die Majestät des Massivs ein.

Info Museum Schloss Moyland, Am Schloss 4, Bedburg-Hau, "Natur als Kunst. Landschaft im 19. Jahrhundert in Malerei und Fotografie". Di. bis So. 11-17 Uhr. Bis 5. Juni

Quelle: RP
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