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Köln
Neue Oper in Köln führt in die Fabelwelt von Jonathan Foer

Köln. Im Kölner Staatenhaus, das bis 2017 als Ausweichquartier der Oper dienen muss, geht es diesmal in den ersten Stock. Dort ist auf der ebenerdigen Bühne eine Art Labor aufgebaut, in dem sich 16 Musiker des Ensembles Musikfabrik und sieben Darsteller tummeln. Einige von ihnen singen, andere gehen stummen Performances nach. Auch die Musiker in weißen Kitteln spielen in der Regie von Massimo Furlan aktiv mit auf der Bühne, denn es gibt keinen Orchestergraben, auch Dirigent Clement Power mit Zottelhaar à la Jonathan Meese steht mitten unter ihnen. Von Regine Müller

"Tree of Codes - Cut-outs in Time" hat die Komponistin Liza Lim ihre Oper genannt, und so rätselhaft surreal wie der Titel ist ihr neues Musiktheater, das sich ohne Programmheft kaum erschließt. Die Tochter chinesischer Eltern aus dem australischen Perth hat für die Auftragskomposition der Oper Köln auch das Libretto verfasst. Es ist eine freie Bearbeitung von Jonathan Safran Foers Buchprojekt "Tree of Codes", ein haptisch reizvolles Werk mit geschnittenen Lücken in den Seiten, das Bruno Schulz' Erzählungszyklus "Die Zimtläden" verarbeitet. Die poetisch dichten Texte in der Oper erzählen keine lineare Geschichte, sondern kreisen raunend um letzte Dinge: Um Tod und Vererbung, um Sehnsüchte und Determinierung und um Metamorphosen, die seltsame Hybridwesen erzeugen: Blätterkreaturen, Vogel- und Insektenköpfe mit menschlichen Körpern. Auch das Instrumentarium ist bizarr, es dominieren Doppeltrichter-Blech und Exoten wie Subkontrabass- und Nasenflöte.

Die Klänge sind ungemein farbig, plastisch und konterkarieren mit ihrer fragilen Leichtigkeit die Bedeutungsschwere der Texte. Dieser Kontrast hat durchaus Reiz, zumal famos gesungen und gespielt wird. Schade nur, dass die Zuschauertribüne so flach ansteigt, dass in den hinteren Reihen die Sicht sehr schlecht ist.

Quelle: RP
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