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Buchbesprechung
Wenn das Recht die Menschen in Wallung bringt

Berlin . Was ist gerecht? Was darf der Staat? Was dürfen seine Bürger - und was dürfen sie nicht? Volker Kitz ist ihnen nachgegangen und nimmt uns mit auf eine spannende Zeitreise. Das macht das Buch "Ich bin, was ich darf. Wie die Gerechtigkeit ins Recht kommt - und was Sie damit zu tun haben" so faszinierend. Von Berthold Merkle

Beim Lesen gibt es immer wieder die bekannten Aha-Erlebnisse. Die Fälle, die oft schon vor vielen Jahren die Menschen in Wallung versetzten - sie werden hier wieder lebendig: Sitzblockaden, RAF-Terror, "Soldaten sind Mörder", Volkszählung, DDR-Schießbefehl, Recht auf Rausch, Frauenquote, Beschneidung, Ehe für alle, Sterbehilfe und Leihmutterschaft. Dies alles bearbeitet Kitz ganz detailliert und nicht besserwisserisch. So fühlt man sich wie in einem Zwiegespräch mit einem klugen Ratgeber.

Im Rückblick zeigt sich die alte Weisheit: Nichts wird so heiß gegessen wie gekocht. Denn es gab bei jedem Streit eine Lösung, oft mit einschneidenden Folgen für die Gesellschaft. So haben die vielen Urteile zur Familie - etwa zur gleichgeschlechtlichen Ehe, künstlichen Befruchtung und "weiblichen Vätern" - erbitterte Debatten ausgelöst und sind heute selbstverständlich.

Darf der Staat foltern?

Der Jurist und Psychologe packt auch die ganz heißen Eisen an: Was darf der Staat in Notsituationen? Darf er foltern? Darf er ein Passagierflugzeug abschießen, um andere Menschenleben zu retten? Jeder kennt diese Diskussion und die Stimme des Volkes mit ihren einfachen Lösungen. Doch der Autor erinnert an Grundsätze: "Der Rechtsstaat ist dem Verbrecher sittlich überlegen." Und über allem stehe die menschliche Würde. "Der Staat darf einem Menschen also unter Umständen das Leben nehmen, aber niemals seine Würde." Schon deshalb verbiete sich Folter wie im Fall des Frankfurter Polizeivizepräsidenten Daschner 2002.

Viel aktueller ist der Streit darüber, was gesagt werden darf. Was ist Meinung, Beleidigung oder gar Volksverhetzung? Klar, man darf und soll eine Meinung haben. Damit erklärt Kitz, was das Zusammenleben ausmacht: Toleranz und die Akzeptanz verschiedener Anschauungen und Lebensformen. Trotzdem sind Grenzen nötig, um den Frieden zu schützen und so die Freiheit aller.

Volker Kitz: Ich bin, was ich darf. Knaur München 2016, 265 S., 12,99 Euro

Quelle: RP
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