Erster deutscher Kurator in New York: Neues MoMa ein Genuss fürs Auge
zuletzt aktualisiert: 22.11.2004 - 12:55New York (rpo). Nicht nur die Kunstwerke im New Yorker Museum of Modern Art sind ein Genuss fürs Auge, sondern auch der Licht durchflutete neue Glastrakt. Tausende Interessierte standen am Wochenende in Manhattan Schlange, um das nach zweieinhalbjährigem Umbau wiedereröffnete MoMa zu sehen. Auch ein deutscher Kurator organisiert dort von nun an Ausstellungen.
Das MoMA gilt als das weltweit wichtigste Museum für Gegenwartskunst. Der Neubau des japanischen Architekten Yushio Taniguchi steht immer noch auf dem Gelände, das schon 1939 bezogen wurde, und umfasst auch weiterhin Elemente des alten Gebäudes. Mit der Renovierung wurde die Ausstellungsfläche jedoch fast verdoppelt. 11.600 Quadratmeter auf sieben Stockwerken stehen dem Besucher jetzt zur Verfügung.
Eine rund 34 Meter hohe offene Halle bildet das Herzstück des Museums. Auf drei Seiten sind Galerien angeordnet, Balkone und Stege eröffnen immer neue Perspektiven. Licht und Schwung sind die dominierenden Elemente des Renovierungsprojekts, das 425 Millionen Dollar (326 Millionen Euro) gekostet hat. Durch gläserne Wände bietet die Skyline von Manhattan eine ganz besondere Kulisse.
Seit seiner Gründung vor 75 Jahren habe sich das Eigenkonzept des MoMA stetig weiterentwickelt, erklärte Museumsdirektor Glenn Lowry und verwies auf die ehrgeizige Erweiterung der Ausstellungsfläche. So wird den Meisterwerken der Sammlung viel Platz zugestanden. Beispielsweise haben Claude Monets "Seerosen" aus dem Jahr 1920 eine ganze Wand für sich. MoMA-Kurator Klaus Biesenbach sprach von einem Konzept, den Kunstwerken den notwendigen "Raum zum Atmen" zu geben: "Die Architektur lenkt nicht ab, ist nicht selber spektakulär, sondern formal sehr bescheiden." Damit lenke sie den Blick voll auf die Kunst.
Erster deutscher Kurator
Klaus Biesenbach gehört seit dem 1. November zu den Auserwählten, die im MoMa Ausstellungen durchführen können. Das New Yorker Kunsthaus berief ihn als ersten Deutschen zum Kurator. Und darauf ist der 38-Jährige mächtig stolz. "Das Museum of Modern Art ist das wichtigste Museum für aktuelle Kunst weltweit. Wenn man dort eine Ausstellung macht, erreicht man Millionen von Menschen."
Mit der Berufung ging für Biesenbach ein Wunsch in Erfüllung, den der ehemalige Medizinstudent vor 14 Jahren nicht zu träumen gewagt hätte. Damals, im Jahr 1990, ging er nach New York, um sein Medizinstudium fortzusetzen und sich zu orientieren. Die Wende erlebte er vor dem Fernseher in den USA. Kurz darauf war er dann in Berlin-Mitte und mietete mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine verrottete Margarinefabrik, die sie zu einem Zentrum für zeitgenössische Kunst ausbauten, den heute international angesehenen Kunst-Werken. "Die Kunst-Werke waren eine Eigenerfindung, mit der man kein Geld verdienen konnte", sagt Biesenbach. Deswegen setzte er quasi nebenbei sein Studium fort, das er dann 1994 mit dem ersten Staatsexamen beendete.
Biesenbach ist ein Macher. Innerhalb kürzester Zeit baute er Netzwerke zu Künstlern und Entscheidungsträgern in der Politik auf. Bereits 1994 bekamen die Kunst-Werke institutionelle Förderung vom Senat, die Ausstellungen waren hoch gelobt. Legendär ist die Schau "37 Räume" von 1992. Über 100 Künstler aus 20 Ländern präsentierten eine Woche lang in 37 Räumen - von einem altem Gemüseladen über eine Schulklasse bis zu einer Kirche - ihre Werke. "Damit hatten wir einen Jumpstart in die internationale Kunstszene", sagt der umtriebige Kunstorganisator.
Biesenbachs Aufstieg setzte sich konsequent fort. 1996 gründete der Quereinsteiger die Berlin Biennale, die zwei Jahre später mit 70 Künstlern erstmals stattfand. Heute lese sich die Künstlerliste von damals wie ein Who is Who der aktuellen Kunst, sagt Biesenbach. Im selben Jahr wurde er im Kunstzentrum P.S. 1 in Queens als Kurator tätig - einer MoMA-Zweigstelle für aktuelle Kunst, die dann Kooperationspartner der Kunst-Werke wurde. Darüber hinaus organisierte er Ausstellungen in aller Welt. 1997 erhielt er eine große Ehrung: Er wurde als bis dato jüngster Juror in die internationale Jury der Biennale in Venedig berufen, um die Goldenen Löwen zu vergeben.
"Ich kam am Flughafen an, und dann hat die Person, die mich betreute, gedacht, ich sei mein eigener Assistent. Da sitzen sonst in der Jury gestandene, erkennbare Persönlichkeiten", erzählt Biesenbach. Die einzelnen Karriereschritte zeigten, dass seine Berufung nach New York ein großer Schritt für ihn sei, der aber in der Folge von sehr vielen kleineren Schritten stehe.
Deutschland wichtiger Produktionsbereich für MoMa
Den Kunst-Werken will Biesenbach weiter als Berater verbunden bleiben. "Die Kunst-Werke sind auch so etwas wie ein Kind für mich, was man rangezogen hat", sagt er. Im MoMA wird er für die Abteilung Film und Medien verantwortlich sein. Er liebt die Kunst: "Das schönste Gefühl entsteht immer dann, wenn ich mit einem Künstler etwas zusammen erarbeite und das fertig wird."
Der neue Kurator verwies auf die Bedeutung der deutschen Exponate: "Deutschland ist ein ganz wichtiger Produktionsbereich und Herkunftsort von Kunst für das Museum." Präsentiert würden unter anderem Arbeiten von Gerhard Richter, Martin Kippenberger und Sigmar Polke. Künftig wolle sich das MoMA noch stärker der aktuellen Kunst widmen, fügte Biesenbach hinzu.
In der Ausstellung werden aber auch etwas ältere Meisterwerke gezeigt - etwa von Vincent van Gogh, Henri Matisse, Paul Cézanne, Salvador Dalí und Pablo Picasso sowie von Andy Warhol. Während des Umbaus wurde ein Teil der Bestände von Februar bis September 2004 in die Berliner Neue Nationalgalerie verlegt. Die Ausstellung "Das MoMA in Berlin" wurde mit rund 1,2 Millionen Besuchern zum Publikumsmagneten und zur erfolgreichsten Kunstausstellung in Europa aller Zeiten. Insgesamt umfassen die MoMA-Sammlungen 150.000 Gemälde, Fotografien, Designobjekte und andere Kunstwerke.
Am Eröffnungstag war der Besuch kostenlos. Ansonsten hat sich der Eintrittspreis auf 20 Dollar (15 Euro) erhöht. Museumsdirektor Lowry rechtfertigte dies mit gestiegenen Kosten, insbesondere für die Versicherung der Exponate.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






