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Neuss
Neuss streitet über Jugendstil-Schenkung

Neuss. Morgen stimmt der Rat über eine Erweiterung des Clemens-Sels-Museum ab. Von Helga Bittner

Seit fast einem halben Jahr liegt den Neussern ein Angebot vor, von dem andere Städte träumen. Ein Privatmann will seine Kunstsammlung mit Werken des Jugendstils, die von Sotheby's-Experten auf einen Mindestwert von 35 Millionen Euro geschätzt wird, der Stadt schenken. Voraussetzung ist die Erweiterung des Clemens-Sels-Museums, die je nach Ausführung elf, 16,5 oder 20 Millionen Euro kostet. Morgen wird der Rat - mit einer Mehrheitskoalition aus CDU und Grünen unter einem SPD-Bürgermeister - entscheiden.

Die Politiker verhandeln dabei eine wahrlich historische Chance, die die kulturelle Identität und Alleinstellung von Neuss im Ballungsgebiet Köln/Düsseldorf stärken könnte, wie es vor mehr als 20 Jahren nur das Globe, die Internationalen Tanzwochen oder vor rund 15 Jahren der Neubau des Rheinischen Landestheaters geschafft haben. Auch wenn die Stadt das Geld dafür nie hatte - heute ist Neuss ohne diese Einrichtungen undenkbar.

Auch die Diskussion über die Jugendstil-Sammlung steht von Beginn an unter dem Zeichen des Geldes. Wert und Bedeutung der Sammlung, die aus Gemälden etwa von Gustave Moreau, aber auch aus exquisitem Kunsthandwerk berühmter Jugendstil-Werkstätten besteht, sind unumstritten. Aber rund 16,5 Millionen Euro müssen in die Hand genommen werden, um die mittlere Lösung, die auch Wechselausstellungen möglich macht, umzusetzen. Darin scheint immerhin Einigkeit zu bestehen: sowohl die kleine wie auch die große Lösung sind vom Tisch.

Die jährlichen Folgekosten (inklusive Museumsbetrieb) für die mittlere Lösung beziffert Kulturdezernentin Christiane Zangs auf 800.000 Euro. Sie geht allerdings von einem geringeren Grundbetrag aus. Zusammen mit Museumsdirektorin Uta Husmeier-Schirlitz hat sie in den vergangenen Wochen Klinken geputzt, um von öffentlichen Förderern Geldzusagen für den Bau zu bekommen. Fast fünf Millionen Euro hat sie zusammen - darunter allein 1,2 Millionen vom Land NRW. Aber auch die Kulturstiftung der Länder, die NRW-Kunststiftung, die Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung oder die Bundesstiftung für Kultur haben Unterstützung zugesagt, einige in einem sogenannten Letter of Intent. Jede eingeworbene Million, so rechnet Zangs vor, spare rund 50.000 Euro pro Jahr an Miete. Der Museumsverein hat unter den Neusser Bürgern Spendenzusagen für weitere rund 450.000 Euro gesammelt.

Bürgermeister Reiner Breuer hält sich bedeckt, will auch keine Beschlussempfehlung aussprechen, sondern hat ein Positionspapier vorgelegt, in dem er (noch einmal) die Auswirkungen darlegt. Angesichts eines jährlichen Haushaltsdefizits von 25 Millionen Euro sei er "von Gesetzes wegen" gehalten, die Mehraufwendungen für den Museumsbau zu kompensieren. Was auf Sparrunden oder Steuererhöhungen hinausliefe.

So mag denn kaum einer in Neuss eine Prognose zum Ausgang der Ratssitzung machen. Eine Stimme könnte es am Ende sein, die über Pro oder Contra entscheidet.

Quelle: RP
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