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München. Diana Damrau zählt zu den bedeutendsten Sopranistinnen von heute. Auch in kleineren Städten tritt die Künstlerin gern auf. Von Wolfram Goertz

Es gibt im internationalen Sopranfach einige grandiose Sängerinnen mit deutschem Pass, aber im Fach der sogenannten Diva sind wir Deutschen nicht sehr gut sortiert. Was ist eine Diva? Dies ist eine Sängerin, die Koloraturen flötet und trotzdem Volumen in der Stimme hat, die hoch hinauf kommt, sogar ins alpine Dreigestrichene, aber auch in der Tiefe über Resonanz verfügt und nicht brustig herumorgeln muss. Eine Diva kreischt nicht, klirrt nicht, quietscht nicht, ihre Stimme hat nichts Schreiendes, sondern etwas Edles und Hoheitsvolles.

So wie die Stimme von Diana Damrau, die eine der wenigen Künstlerinnen hierzulande ist, die es an jeder Staatsoper und jeder Met mit den besten Kolleginnen und Kollegen ihres Fachs aufnehmen können. Die Damrau, wenn man so sagen darf, ist nämlich eine Primadonna, aber eine Diva nur im Gesangsfach. Im normalen Leben ist sie herzerfrischend geerdet geblieben, unaffektiert; sie lacht gern und ist keine blasse Blume aus dem Vorgarten. Die Herzlichkeit ihrer schwäbischen Heimat - sie wurde 1971 in Günzburg geboren - schlägt auf ihr Leben durch. Das Kokette, Hochnäsige, bei jedem Windhauch Hüstelnde und Püstelnde, das Geschraubte und Übertriebene, das eben Divenhafte, das einige Fachkolleginnen besitzen - das alles gibt es bei Diana Damrau gar nicht.

Beim Fototermin hat Diana Damrau auch ihre (Selbst)-Ironie hervorgekehrt. Diven tragen laut öffentlicher Meinung am liebsten tote Tiere um die Schulter, also hat sich auch die Sängerin ein Fell um den Hals gelegt, aber es ist natürlich unecht, es soll lediglich wärmen. Und es spielt mit einem Rollenklischee.

Zum Gesang kam die Künstlerin durch eines jener Urerlebnisse, wie es Musiker häufig haben. Bei Diana Damrau war es ein Opernfilm, Franco Zeffirellis "La traviata" mit der unvergesslichen Teresa Stratas. Da machte es Klick in ihrem Kopf, als habe eine Kamera ein Bild für die Ewigkeit eingefangen. Als sie zu singen begann, hörte jeder, der nicht an fortgeschrittener Ertaubung litt, was für eine unvergleichlich schöne Stimme sich da auszubreiten begann. Und die Würzburger Musikhochschule breitete ihr, der jungen Studentin, sogar den roten Teppich aus, indem sie Damraus erster Gesangslehrerin Carmen Hanganu einen Lehrauftrag verschaffte, damit das Riesentalent nicht in andere Hände geriet.

Seit ihrem Debüt am Mainfrankentheater in Würzburg - witzigerweise mit der Partie der Eliza in "My Fair Lady" - entwickelte sich die Karriere der Sängerin stetig. Schnell eignete sie sich das riesige Repertoire des Koloraturfaches an: Königin der Nacht, Oscar in "Maskenball", die vier Frauenrollen in "Hoffmanns Erzählungen", Konstanze in der "Entführung", Gilda in "Rigoletto" und Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos". Über die Opernhäuser in Mannheim und Frankfurt arbeitete sie sich stetig nach oben, verlor aber nie den Kontakt in ihre Heimat. Irgendwann sang sie in München, in Salzburg, in Wien - und an der New Yorker Metropolitan Opera.

Nun mag mancher grübeln: Damrau, Damrau - da war doch was. Tatsächlich haben Millionen von Zuschauern sie schon erlebt, beispielsweise im Fernsehen, als sie zur Fußballweltmeisterschaft 2006 gemeinsam mit Plácido Domingo im Münchner Olympiastation auftrat.

In jüngster Zeit hat Diana Damrau mit zwei CD-Veröffentlichungen mal wieder auf sich aufmerksam gemacht. Die frischeste Produktion ist ihr Album, das dem Komponisten Giacomo Meyerbeer gewidmet ist. Diese Veröffentlichung ist überaus mutig, denn da gibt es auch ein paar Operntitel, die selbst Fachleute noch nie gehört haben: "Ein Feldlager in Schlesien", "Dinorah ou Le pardon de Ploërmel" oder "Emma di Resburgo". Damrau hat aber keine Berührungsängste, und sie besitzt jene erzmusikalische Verführungskraft, die auch aus zweitklassigen Arien noch erstklassige Musik macht.

Damrau ist eine international begehrte Sopranistin, für die manche sich morgens um 5 Uhr vors Kartenbüro stellen, um gute Plätze zu bekommen. Aber Diana Damrau mag nicht immer nur auf den ganz großen Bühnen singen, sie schätzt es auch, in kleineren Häusern zu Gast zu sein, wo sich häufig ein wärmendes, ja intimes Gefühl einstellt - und Bodenhaftung.

Damit wären wir bei der aktuellen Frage vorweihnachtlicher Geschenkeplanung. Damrau, die unlängst die Hamburger Elbphilharmonie mit einem Arienabend in eine Jubelhalle verwandelte, singt am 17. Mai in der Viersener Festhalle, und zwar ein reines Verdi-Programm. Diesen Abend hat sie sich besonders behaglich gestaltet, denn sie bringt nicht nur das Münchner Rundfunk-Orchester mit, sondern auch ihren Ehemann, den Bariton Nicolas Testé. Die Viersener Festhalle, die seinerzeit Herbert von Karajan als einen idealen Konzertsaal pries, gilt als extrem sängerfreundlich. Es könnte also ein Abend werden, den man seinen Liebsten gönnt - oder eben sich selbst.

Quelle: RP
 
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