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Lang Lang
"Ohne Musik fühlt sich mein Leben leer an"

Der chinesische Starpianist wird am Donnerstag in der Düsseldorfer Tonhalle zu erleben sein. Von Christoph Forsthoff

Düsseldorf Der Pianist Lang Lang ist längst auch jenen Menschen ein Begriff, die nie einen Konzertsaal von innen gesehen haben. Denn auf seinem Weg vom chinesischen Wunderkind zum Superstar hat der 33-Jährige auch auf Massenkultur gesetzt, den gemeinsamen Auftritt mit Elton John oder Robbie Williams ebenso wenig gescheut wie die Eröffnung der Olympischen Spiele. Vor seinem Konzert am 11. Februar in der Düsseldorfer Tonhalle mit dem National Symphony Orchestra unter Christoph Eschenbach haben wir den Starpianisten gesprochen.

Sie spielen 120 Konzerte pro Jahr - wird da Musik nicht zur Last?

Lang Lang Nein, das habe ich noch nie so empfunden. Solch ein ständiges Konzertieren ist einfach ein zentraler Bestandteil im Leben eines Pianisten, wir müssen lernen, damit umzugehen, und ich habe mich auch längst daran gewöhnt. Sowohl an das Tempo, mit dem ich neue Werke einstudiere, als auch daran, sehr viel unterwegs zu lernen - und im Vergleich zu Mozart geht es uns doch noch wirklich gut!

Inwiefern?

Lang Lang Nun, Mozart war fast die ganze Zeit auf Tour. Er hat praktisch alle Werke auf Reisen einstudiert - und er hat auch die meisten Werke unterwegs komponiert! Da haben wir es doch heute sehr viel bequemer: Es gibt nicht nur die angenehme Möglichkeit, mit dem Flugzeug zu reisen; zudem stehen uns rund um die Uhr MP3 und Smartphones zur Verfügung, wir können uns die meisten Werke auf Youtube anschauen - wenn ich mich da an meine Kindheit erinnere.

... da standen Ihnen all diese technischen Möglichkeiten noch nicht zur Verfügung.

Lang Lang Nein, wenn ich damals in China mir Aufnahmen berühmter Pianisten anschauen wollte, musste ich die Videos überhaupt erst einmal bestellen und dann meist lange auf die Cassetten warten. Oder wenn ich eine CD haben wollte, die es in China nicht zu kaufen gab, musste ich versuchen, mir diese über die Universität auszuleihen, was ebenfalls oft sehr lange dauerte - da haben wir es heute angesichts der Neuen Medien viel einfacher.

Nichtsdestotrotz bleibt für Sie die Herausforderung, im Schnitt jeden dritten Tag ein Konzert spielen zu müssen.

Lang Lang Nicht immer: Vor einiger Zeit habe ich zwei Monate pausiert und Urlaub gemacht.

Trotzdem mochten Sie am Ende dann doch nicht mehr als eine Woche ohne Klavierspiel verbringen.

Lang Lang Ohne Musik fühlt sich mein Leben seltsam leer an - Musik ist für mich wie eine Sprache mit den allerreichsten Ausdrucksmöglichkeiten. Klar ist es wunderschön, wenn man jeden Tag an einem schönen Strand ist, gut speist und sich nett mit Familie oder Freunden unterhält - aber mir fehlt da einfach etwas.

Was möchten Sie im Konzert mit Ihrem Spiel erreichen - oder geht es Ihnen darum, die Menschen zu unterhalten?

Lang Lang Als Musiker denkt man während der Aufführung nicht über sein Publikum nach - ebenso wenig wie man ein hübsches Mädchen wahrnimmt, das in dem Moment vielleicht in der ersten Reihe sitzt. Und auch über all das, was man geübt und von anderen Musikern gelernt hat, sinnt man nicht nach: All dies Wissen und die damit verbundenen Emotionen sind im Augenblick des Konzerts vergessen, es geht nur darum, sich ganz und gar dem Moment hinzugeben. Denn wer anfängt nachzudenken, verliert die Musik.

Quelle: RP
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