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New York
Erfinder der Free Jazz: Ornette Coleman tot

Ornette Coleman: Großer Jazz-Saxofonist starb im Alter von 85 Jahren
FOTO: dpa, mae ao bl
New York. Der große Jazz-Saxofonist starb im Alter von 85 Jahren in New York. Er war ein Pionier der Musik. Von Wolfram Goertz

Er ging leise, er hat nicht lang gelitten, sein Herz blieb einfach stehen. Ansonsten war er von jedweder Diskretion meilenweit entfernt, er war ja ein wilder Geist, gewiss ein Titan des Denkens - und wenn wir jetzt über den Tod des großen Jazz-Saxofonisten Ornette Coleman nachdenken, müssen wir vor allem an die Energieschübe denken, die er dem Jazz spendiert hat.

Der 1930 in Texas geborene Coleman hatte sich das Saxofonspielen als Kind selbst beigebracht. Nachdem er sich einige Zeit mit kleineren Auftritten in Los Angeles durchgeschlagen hatte, schaffte er in den 50er Jahren den Durchbruch und bekam Plattenverträge. Vor allem sein Album "Free Jazz: A Collective Improvisation" machte ihn auf einen Schlag weltbekannt, auch angreifbar - und zu einem Pionier des sogenannten Free Jazz. Wenn man sich allein die Personalliste von damals anschaut, steht man stramm vor Ehrfurcht; beispielsweise wirkten Eric Dolphy (Bassklarinette), Don Cherry und Freddie Hubbard (Trompete), Scott LaFaro und Charlie Haden (Bass) mit.

Free Jazz - das ist natürlich nicht nur Ausdruck eines Lebensgefühls, sondern gerade bei Coleman das Ergebnis einer artistischen Neuorganisation der Klänge. Man spielte eben mitnichten chaotisch durcheinander, sondern man schaffte die Tonalität als das jederzeitige Bezugssystem ab. Coleman, der als Schwarzer aus dem US-Süden lange unter Diskriminierung gelitten hatte, liebäugelte früh mit atonalen Mustern. Später machte er den Rhythmus der Rockmusik zur Basis von Funk-Experimenten.

Wo Ornette Coleman auftrat, herrschte die Anarchie, doch niemand wurde entmachtet, vielmehr freuten sich alle: So virtuos, vergnüglich und spannend konnte Revolution sein! Es ließ sich ja nicht überhören, dass Coleman nicht nur ein großer Theoretiker, sondern ein ebenso großer Musiker war. Sein Saxofon behandelte er wie ein Wunderhorn, es inspirierte ihn zu Leistungen, an die er als Kind nie hatte denken können.

Gestern ist dieser freie Geist und große Künstler in New York gestorben.

Quelle: RP
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