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Rom
Papst weist den Weg in Fragen der Moral

Rom. Um bloß nicht die Erwartungen ins Kraut schießen zu lassen, mehren sich bereits vor der Veröffentlichung des päpstlichen Schreibens die Stimmen derer, die die Gläubigen zur Mäßigung anhalten. So warnt der New Yorker Kardinal Tomithy Dolan vor falschen und Kardinal Walter Kasper vor zu hohen Erwartungen. "Ich erwarte mir keinen revolutionären Text", sagt der 83-jährige deutsche Kurienkardinal. Von Lothar Schröder

So recht will man das aber nicht glauben. Immerhin soll das Schreiben "Amoris laetitia" (Freude der Liebe) eine zweijährige Debatte und die Arbeit zweier Bischofssynoden zum Abschluss bringen. Auf rund 200 Seiten werden von Papst Franziskus klare und klärende Worte erwartet: zu Ehe und Familie im Allgemeinen, zur Sexualmoral im Besondern und - ganz konkret - zum Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen. Dürfen Letztere beispielsweise künftig auch offiziell wieder die Kommunion empfangen?

Eine Antwort auf diese Frage wird kaum Auswirkungen auf die bisherige pastorale Praxis haben. Aber sie wäre zumindest ein Gradmesser für die Reformfähigkeit der katholischen Kirche. Eine Lösung könnte sein, den nationalen Bischofskonferenzen das Recht zur freien Entscheidung in dieser Debatte zu übertragen. Unwahrscheinlich ist das nicht.

Ein Indiz dafür wird in der Person des liberalen Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn (71) gesehen, der morgen das nachsynodale Schreiben des Papstes im Vatikan vorstellt. Was auch immer zu erwarten ist: Papst Franziskus hat schon oft genug seine Neigung erkennen lassen, überraschend und mitunter unkonventionell zu entscheiden. Möglicherweise auch diesmal.

Quelle: RP
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